Aus Pferdemist wird Energie

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Johannes Sebastian Schilling (links) erläuterte den Besuchern die Funktionsweise des Biomassekraftwerkes Schilling, das anlässli (Foto: Bernd Baur)
Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Strom aus Biomasse, ein zukunftsweisender Weg, um erneuerbare Energie zu gewinnen: Anlässlich der zweiten kreisweiten Umwelttage, vom Landratsamt Biberach organisiert, konnten sich Bürger im Biomassekraftwerk Schilling in Schwendi über die Gewinnung von elektrischer und thermischer Energie informieren.

Nur elf interessierte Bürger waren zu der Führung durch das Biomassekraftwerk (6,7 Megawatt Gesamtleistung) gekommen, das durch die Architektur des italienischen Architekten Matteo Thun auch einen optischen Akzent setzt. Seit Juli 2008 ist dieses Kraftwerk in Betrieb, in dem ausschließlich nachwachsende Rohstoffe (Nawaro) verbrannt werden. Baumrinde und Waldhackschnitzel kommen zum Einsatz. Als kleiner Versuch, so erklärte Johannes Sebastian Schilling beim Rundgang, werde aktuell auch Pferdemist als Brennstoff beigemischt. Bei maximal 15 Prozent liegt der Anteil, „das funktioniert ganz gut“. Etwa 420 Tonnen Material werden pro Woche verbrannt, drei Lastwagen-Ladungen am Tag sind erforderlich, um die Rinde und die Waldhackschnitzel aus einem Umkreis von 50 Kilometern nach Schwendi zu transportieren.

Auf einem beweglichen Schubboden wandert das Material und wird durch einen Stempel in den Kessel gedrückt. Durch die Verbrennung dort entstehen Rauchgase, deren Temperatur bei 1040 Grad liegt. Diese wiederum erhitzen ein Thermoöl auf etwa 315 Grad, das die Verdampfung von Silikonöl nach sich zieht. Mit dem Dampf wird eine Turbine angetrieben, deren Bewegung über eine Welle auf einen Generator übertragen wird. Die elektrische Leistung von 1,2 Megawatt wird in das Stromnetz des Versorgers EnBW eingespeist.

Die thermische Energie geht im Moment zu einem kleinen Teil als Fernwärme an die Fachklinik für Neurologie in Dietenbronn. Den größeren Teil nutzt das nicht weit entfernte Holzwerk Schilling zur Trocknung von Schnittholz. Durch die Verbrennung der nachwachsenden Rohstoffe fallen beim Biomassekraftwerk Schilling pro Woche etwa 25 Tonnen Asche an. Darunter zehn Tonnen Filterasche, die durch die Reinigung der Rauchgase herausgefiltert und von Fachfirmen entsorgt werden. Die restlichen 15 Tonnen sind reine Asche, die nach der Verbrennung im Kessel durch den Rost fallen. In Zusammenarbeit mit der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg überprüfen die Schwendier Kraftwerksbetreiber aktuell, inwieweit diese Asche dem Nährstoffkreislauf wieder zugeführt werden kann. Dazu läuft ein Versuch, bei dem die Asche mit Kalk vermischt und hernach im Wald ausgebracht wird.

„Diese Anlage in Schwendi konnten wir mit ruhigem Gewissen genehmigen, das ist eine positive Geschichte“, sagte Dr. Bernhard Obert nach der Führung. Der Leiter des Amtes für Umwelt- und Arbeitsschutz im Biberacher Landratsamt dankte dem Unternehmen Schilling, „dass sie für die Landkreis-Umwelttage die Türen des Biomassekraftwerkes geöffnet haben“. Mit dem Hinweis auf diese Anlage erinnerte er gleichzeitig daran, welche Veränderungen bei der Gewinnung von Energie Raum greifen. Mit diesen Materialien, die früher im Wald verrottet sind, werde heute elektrische und thermische Energie erzeugt.

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