„Alfons-Auer-Ethik-Preis“ geht an Charles Taylor

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Bei der erstmaligen Verleihung des Alfons-Auer-Ethik-Preises“ am Freitag in Tübingen: (von links) Erwin Teufel (Ministerpräside
Bei der erstmaligen Verleihung des Alfons-Auer-Ethik-Preises“ am Freitag in Tübingen: (von links) Erwin Teufel (Ministerpräside (Foto: Bernd Baur)
Schwäbische Zeitung
Bernd Baur

Der kanadische Philosoph und Politikwissenschaftler Charles Taylor hat am Freitag den „Alfons-Auer-Ethik-Preis“ der Eberhard-Karls-Universität Tübingen erhalten. Der mit 25 000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr erstmals, anlässlich des 100. Geburtstages des aus Schönebürg stammenden Moraltheologen Alfons Auer, von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität vergeben. Gestiftet wurde der Preis vom Schwendier Unternehmer und Mäzen Siegfried Weishaupt.

Das Haus des Dekanats in Biberach wurde 2007 in Alfons-Auer-Haus umbenannt, in Schönebürg trägt der 2010 neu gestaltete Dorfplatz seither den Namen „Alfons-Auer-Platz“. Mit einer ganzen Veranstaltungsreihe hat das katholische Dekanat Biberach im Jahr 2015 dem Menschen Alfons Auer und seinem Werk gedacht: anlässlich seines zehnten Todestages (19. November 2005) und des 100. Geburtstages (12. Februar 1915) des gebürtigen Schönebürgers. Und seit Freitag erinnert zudem ein hochdotierter Preis an den großen Sohn von Schönebürg. Im großen Hörsaal des Kupferbaus der Universität Tübingen wurde Charles Taylor als erster Preisträger ausgezeichnet. „Er ist ein Philosoph von Weltrang und ein engagierter Intellektueller“, würdigte Dekanin Prof. Dr. Ruth Scoralick den 84-jährigen Mann aus dem kanadischen Montreal. Zu seinen Themen gehören die Fragen nach der Identität von Individuen und Gemeinschaften, nach der Möglichkeit gesellschaftlicher Integration unter den Bedingungen eines säkularen Zeitalters. Aber auch die Frage nach der Rationalität religiös geprägten Denkens beschäftigt Charles Taylor. „Er ist heute der angesehenste katholische Denker weltweit. Kein Polarisierer, sondern ein Synthetisierer“, urteilte Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joas von der Humboldt- Universität Berlin in seiner Laudatio auf den Preisträger. Charles Taylor („Ich bin sehr geehrt über diesen Preis“) vertiefte in seinem auf Englisch gehaltenen Vortrag die Vielgestaltigkeit der menschlichen Vernunft.

An den Namensgeber des 2015 erstmals vergebenen „Alfons-Auer-Ethik-Preises“ erinnerte Prof. Dr. Dietmar Mieth, der Alfons Auer seinerzeit als Doktorvater ausgesucht hatte. Mit Bildern skizzierte er dessen Werdegang nach. Ein weltoffener Christ sei Auer gewesen, der 1939 zum Priester geweiht wurde. 1955 sei er auf den Lehrstuhl für Moraltheologie an die Universität Würzburg berufen worden. An der Universität Tübingen lehrte Professor Alfons Auer von 1966 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1981. Auer gelte als einer der wichtigsten deutschsprachigen Moraltheologen des 20. Jahrhunderts, der sich um einen Dialog von Kirche und Welt im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils bemüht habe. „Es ging ihm sehr um die Vernunft im Glauben“, sagte Mieth. Dabei sei kennzeichnend für seinen ethischen Ansatz die zentrale Stellung der menschlichen Vernunft in Fragen der christlichen Sittenlehre gewesen, die er in einer positiven Sicht von Mensch und Schöpfung verankerte.

Als bahnbrechenden Denker, der versucht habe, dass die Kirche auch reformbereit ist, hat Erwin Teufel beim Festakt in einem Grußwort Alfons Auer bezeichnet. Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, auch Ehrensenator der Universität Tübingen, beglückwünschte die Katholisch-Theologische Fakultät, dass sie diesen „Alfons-Auer-Ethik-Preis“ ins Leben gerufen hat. Die entscheidende Persönlichkeit dabei sei Siegfried Weishaupt, Unternehmer und Mäzen, wie Auer ein Oberschwabe, gewesen. Er, Erwin Teufel, habe den Schwendier Unternehmer gefragt, ob er diesen Preis stiften wolle. „Einen besseren Stifter hätte man nicht finden können“, freute sich Erwin Teufel über die Zusage von Siegfried Weishaupt. Schon deshalb, weil Schönebürg und Schwendi zusammenpassen. „Sie haben ein gutes Werk getan und sind noch vielfältiger geworden in ihren Stiftungen“, lobte Erwin Teufel Weishaupt als einen der ganz großen Stifter im Land. Es gebe wenige, die als Mäzene so vielfältig tätig sind wie der mittelständische Unternehmer Siegfried Weishaupt. „Sie sind ein Vorbild der bürgerschaftlichen Gesinnung. Sie stiften Gemeinschaft und bekennen sich zu ihrer Heimat“, ergänzte der frühere Ministerpräsident.

Im Rhythmus von zwei Jahren soll der „Alfons-Auer-Ethik-Preis“ fortan vergeben werden. „Ich habe zugesagt, zunächst für ein paar Jahre diesen Preis zu stiften“, erklärte Siegfried Weishaupt in Tübingen. Dies sei umso ehrenvoller, „weil Alfons Auer ein Mann aus der Region ist und mir dessen wissenschaftliche Bedeutung bewusst geworden ist“. Mit diesem Preis will der Schwendier Unternehmer (Sein Vater Max Weishaupt, Unternehmensgründer, hat als Ehrensenator die Universität Tübingen ebenfalls unterstützt) in Zeiten, in denen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen vieles alles andere als ethisch-moralisch abläuft, ein Zeichen setzen.

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