So sollen Schemmerhofens Straßen sicherer werden

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Viel befahren, oft schwer zu überqueren: Die Gemeinde Schemmerhofen will an der Hauptstraße eine Ampel installieren.
Viel befahren, oft schwer zu überqueren: Die Gemeinde Schemmerhofen will an der Hauptstraße eine Ampel installieren. (Foto: Andreas Spengler)

Enge Kurven, viel Verkehr und zahlreiche Fußgänger, die die Hauptstraße überqueren wollen: In Schemmerhofen stellt die Straße mitten durch den Ort oft eine gefährliche Hürde dar, vor allem für die Kinder, die zu Fuß aus den Wohngebieten südlich zur Schule und zum Kindergarten gehen. Die Gemeinde sucht seit mehreren Jahren nach einer Lösung. Jetzt aber gibt es neue Hoffnung.

Vorschläge für die Wunschliste gäbe es viele: Zebrastreifen, eine Mittelinsel, Ampeln. Das Problem sei nicht der fehlende Wille, sondern die nackten Zahlen, betonte Schemmerhofens Bürgermeister Mario Glaser in der Gemeinderatssitzung: „Wir würden sehr gerne was machen, dürfen aber oft nicht.“

Mehr Fußgänger in der Zukunft

Um einen Zebrastreifen zu bekommen, müssten mindestens 50 Fußgänger und 100 Fahrzeuge in der Spitzenstunde gezählt werden, erläuterte Glaser. Für eine Ampel müssten es gar 100 Fußgänger und 850 Fahrzeuge in der Stunde und 8500 am Tag sein. Die Zahlen erreiche die Gemeinde nicht. Nach aktuellen Zählungen fahren gerade einmal rund 3800 Fahrzeuge täglich auf der Hauptstraße. „Im Vergleich zu anderen Ortsdurchfahrten im Landkreis ist dies noch kein alarmierender Wert“, erklärt die Gemeindeverwaltung. Doch Glaser hat Zweifel an den Zahlen. Vor allem aber argumentiert er, dass künftig aufgrund der neuen Baugebiete zum Beispiel im Rittenäcker und am Meisenweg auch mehr Fußgänger unterwegs sein werden. Und: Sollte es erst einmal eine Möglichkeit geben, die Hauptstraße sicher zu überqueren, würden sicherlich auch mehr Fußgänger an dieser Stelle gezählt werden.

Doch das Tübinger Regierungspräsidium sieht dies bislang offenbar anders. „Für alle Maßnahmen benötigen wir die Zustimmung vom Land“, betonte Glaser. Die Argumentation der Behörde sei, dass der Verkehr weiterhin fließen müsse und es nicht zu Behinderungen kommen dürfe. Daher genehmige das Land einen Zebrastreifen nicht, eine Mittelinsel sei aufgrund der Enge zwischen Häusern und dem Mühlbach kaum umsetzbar und auch eine Ampel werde nicht finanziert. Die Kosten für eine Bedarfsampel lägen bei etwa 80 000 Euro.

Jetzt aber hat die Schemmerhofer Verwaltung einen neuen Plan gefasst: Sie überlege die Kosten für eine Ampel selbst zu tragen, erklärte Glaser. Das Regierungspräsidium wolle den Vorschlag prüfen.

Die Ampel könnte an der Kreuzung der Schulstraße mit der Hauptstraße aufgestellt werden, so dass Schüler dort künftig sicher den Weg zur Schule gehen könnten.

Auf der gesamten Strecke der Hauptstraße gibt es bislang nur einen Zebrastreifen direkt vor dem Rathaus. „Wir wollen ja eigentlich, dass möglichst viele Schüler zu Fuß zur Schule gehen“, sagte Glaser. Im Frühjahr wolle er eine Lösung präsentieren. „Wir nehmen das Thema ernst und sind noch in Gesprächen“, sagte er. Das Regierungspräsidium habe inzwischen auch die schwierige „Gemengelage“ erkannt.

Die Gemeinderäte sprachen sich für den Vorschlag der Verwaltung aus. „Wir sollten nicht warten, bis ein Unfall passiert“, sagte Josef Bosshart. „Uns wäre das Thema wichtig, die Straße ist wirklich schwierig zu überqueren“, sagte Gemeinderätin Brigitte Bertsch. Glaser erklärte, er wisse um die Brisanz: „Es gibt wohl kaum ein Thema, das so sehr die Gemüter erhitzt.“

Fröhliche und traurige Smileys

Deutlich schneller als eine mögliche Ampel könnte die Gemeinde mit Warnanlagen den Verkehr bremsen. Der Rat hat sich nun dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde in allen Durchfahrten der Teilorte Warnanlagen aufstellen soll, mit Ausnahme von Ingerkingen wo bereits Blitzgeräte installiert sind. Konkret sind die neun Anlagen an folgenden Standorten vorgesehen:

Schemmerhofen: Ingerkinger Straße, Schemmerberger Steige;

Alberweiler: Schlossstraße Höhe Birkenweg;

Aßmannshardt: St. Michaelsstraße;

Altheim: Ortsstraße, Schemmerberger Straße;

Schemmerberg: Altheimer und Sulmetinger Straße.

Das Display der Anlagen soll abwechselnd die gefahrene Geschwindigkeit und ein entsprechendes Smiley zeigen, also ein trauriges oder fröhliches Gesicht. „Uns geht es nicht darum, Geld abzuschöpfen“, sagte Glaser. Untersuchungen hätten gezeigt, dass das Prinzip von Lob und Tadel am besten wirke.

Zudem gingen bei der Gemeinde zahlreiche Beschwerden ein, über Autos, die zu schnell fahren, erklärte Bauamtsleiter Markus Lerch. Klagen kämen häufig auch von den Zufahrten zu den Kindergärten. Glaser erklärte: „Ich wüsste keine Kiga, wo wir nicht Tempo 30 haben.“ Er nehme die Ängste der Eltern ernst, aber oft führen dort vor allem die Eltern selbst, sagte er.

Für die Geschwindigkeitsdisplays erhielt die Verwaltung großteils Zuspruch von den Räten. „Das ist eine gute Sache“, sagte Anton Hagel, auch Josef Bosshart lobte die Verwaltung. Bedenken äußerte dagegen Reinhold Brehm: „Wir müssen aufpassen, dass wir den Bogen nicht überspannen“, sagte er. Er halt es für übertrieben, wenn die Gemeinde „in jeder Himmelsrichtung ein Smiley“ hinstelle. Am Ende aber stimmten die Räte mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen der Vergabe des Auftrags an die Firma Datacollect zum Preis von 23 479 Euro zu.

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