Neubauten für Schule und Kinderheim

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So sieht der aktuelle Planungsstand der St.-Elisabeth-Stiftung für Ingerkingen aus. Hell markiert sind die geplanten Neubauten,
So sieht der aktuelle Planungsstand der St.-Elisabeth-Stiftung für Ingerkingen aus. Hell markiert sind die geplanten Neubauten, grau sind die Bestandsgebäude eingezeichnet. Wo jetzt noch das Haus Raphael steht, sind Parkplätze sowie eine Grünanlage m (Foto: grafik: ST.-elisabeth-stiftung)
Schwäbische Zeitung

Die St.-Elisabeth-Stiftung beginnt aller Voraussicht nach schon bald, ihren Standort in Ingerkingen baulich neu zu ordnen. Die Schule St. Franziskus wird saniert und in Teilen durch einen Neubau ersetzt. Den Bedarf für die Sonderschule mit konstant um die 120 Schülern haben die Förderbehörden bereits anerkannt. Wolf-Dieter Korek äußerte sich im Gemeinderat Schemmerhofen zuversichtlich, dass es für den Neubau zweier Wohnheime ebenfalls bald grünes Licht gibt.

Der Leiter des Bereichs Kinder-Jugend-Familie der St.-Elisabeth-Stiftung (SES) stellte gemeinsam mit dem Schulleiter Bernhard Buck und dem Architekten Marcus Wörtz den aktuellen Planungsstand vor. Die finalen Beschlüsse müssen die SES-Aufsichtsgremien noch fassen. Ausgangspunkt der Überlegungen war der hohe Sanierungsbedarf, die ersten Pläne wurden bereits Ende 2012 vorgestellt.

Ringen mit den Behörden

Seither habe es „intensive Diskussionen mit den Förderbehörden“ gegeben, sagte Korek. Hintergrund ist das Ziel der Inklusion: Menschen mit Behinderungen sollen dezentral wohnen und am Leben der Gesellschaft teilnehmen. Die SES-Verantwortlichen sehen Ingerkingen indes als Kompetenzzentrum, in dem junge Leute mit problematischem Verhalten auf eine solche Teilhabe vorbereitet werden. Dafür sei die Entwicklungsphase, also die Jugendzeit, besonders geeignet, sagte Korek. Sie lebten durchschnittlich vier Jahre in Ingerkingen und zögen dann in kleinere Einheiten. Mehr als 70 Prozent der Bewohner hätten auch eine psychische Erkrankung. „Inklusion und ein Kompetenzzentrum widersprechen sich unserer Auffassung nach nicht“, sagte Korek. „Wir sind guten Mutes, dass wir den Förderausschuss überzeugen können.“ Im Oktober sollen die Behörden entscheiden.

Laut Koreks Aussage übersetzt die Sozialbürokratie das Stichwort Inklusion in eine Obergrenze von 24 Heimplätzen. Diese werden verteilt auf zwei neue Wohnheimgebäude als Ersatz für das Haus Raphael. Zudem sind in einem der Neubauten Zimmer für Mitarbeiter wie Praktikanten und Freiwillige im sozialen Jahr eingeplant. Die Wohnheimplätze im Haus Maria bleiben bestehen, aber alles in allem verringert sich die Zahl der Wohnplätze. Jeweils zwölf Plätze in Ulm und an einem noch nicht bekannten Standort im Kreis Biberach sollen einen Ausgleich schaffen.

Die bauliche Neuordnung erfolgt im laufenden Betrieb und daher in mehreren Abschnitten. In der ersten Phase erhält die Schule einen Teilneubau für die Verwaltung, eine Mensa, Therapieräume und sieben Klassenzimmer. Die Altgebäude der Schule werden „für sieben bis zehn Jahre saniert, dann sieht man, ob man mit der Inklusion weiter ist“. Parallel werden die zwei neuen Wohnheime auf dem freiem Feld im Nordteil des Geländes errichtet. Das alles dürfte vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen, erst danach kann das Haus Raphael abgerissen werden. Dadurch wird Platz gewonnen für neue Grünanlagen mit Sportfeldern sowie für Parkplätze. Die Anordnung soll eine Art „Schulboulevard“ ergeben.

Prägendes Gebäude bleibt

Architektonisch sieht das Konzept des Ulmer Büros Braunger & Wörtz vor, dass sich der Schulneubau dem Haus Maria unterordnet. Dieses Gebäude aus dem 19. Jahrhundert ist die Keimzelle des Geländes. Der Teilneubau der Schule wird zweigeschossig mit den Klassenzimmern und Arbeitsräumen oben. „Wir wünschen uns viel Holz“, sagte Wörtz, das sei angenehm für die Schüler und die Mitarbeiter. Holzstreben sollen wie „eine warme Schutzhülle für die Kinder“ wirken, dahinter ist großflächig Glas vorgesehen. Die neuen Wohnheime werden im nördlichen Teil des Geländes in den Hang hinein gebaut und erhalten auch von oben aus einen barrierefreien Zugang in den Garten.

Auf eine Frage von Gemeinderat Josef Rapp sagte Wörtz, eine Sanierung des Hauses Raphael sei „leider technisch und finanziell“ nicht vertretbar, bei einem Kostenvergleich mit einem Neubau würde man dafür auch keine Zuschüsse erhalten. Das Haus Raphael sei „ein schönes Gebäude“, aber prägend ist das Haus Maria – und das bleibt.

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