Musikverein begeistert mit einfühlsamen Interpretationen

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 Der Musikverein Aßmannshardt hat in St. Michael ein Konzert gegeben.
Der Musikverein Aßmannshardt hat in St. Michael ein Konzert gegeben. (Foto: Philipp Zell)
Schwäbische Zeitung

Der Musikverein Aßmannshardt hat den Zuhörern in St. Michael ein Kirchenkonzert mit ungewöhnlicher Literatur und sensibler Interpretation geboten. Die Kirche war voll besetzt.

Der Musikverein Aßmannshardt eröffnete sein Kirchenkonzert mit der „Fantasia in G-Dur“ von Johann Sebastian Bach. Mit sicherem Stilempfinden führte Dirigent Bernd Biffar das Orchester durch das feierliche Werk, das trotz seiner Klangfülle transparent und gut strukturiert wirkte. Der Komponist Frigyes Hidas war nicht zum ersten Mal auf dem Programm des Musikvereins zu finden. Sein Werk „Festive Music“ schrieb Hidas zum 40-jährigen Gedenken an das Ende des zweiten Weltkriegs und des Faschismus. Die aufwühlende Komposition erinnerte die Zuhörer an die Schrecken des Kriegs. Die langen Passagen wurden spannungsvoll musiziert im tiefen Blech, im weiteren Verlauf dramatisch gesteigert in einem gewaltigen, aber nie überzogen klingenden Tutti.

Auf das turbulente Werk folgte „The Last Night of Fall“, eine melancholische Komposition von Etienne Crausaz, die die letzte Herbstnacht mit ihrer langen Dunkelheit beschreibt. Lange Melodiebögen im Horn und im hohen Holz sowie warme Tongebung in den tiefen Registern vermittelten Ruhe und Kontemplation. Mit dieser Interpretation bewies das Orchester erneut seine hohe Flexibilität bei der Gestaltung unterschiedlicher Musikstile.

Mit ungewöhnlichen Harmonieabfolgen überraschte Howard Hanson in seinem Werk „Chorale and Alleluia“. Beim Choral korrespondierten fein aufeinander abgestimmt die Holz-und Blechregister miteinander, bis sich das ganze Orchester schwungvoll im Alleluia vereinte. Das Schlagwerk gab der Interpretation durch präzise Technik und gut abgestufte Dynamik die nötige Tiefe gab. Wiederum dramaturgisch gut platziert erklang nach dem klanggewaltigen „Chorale“ das Stück „Afterlife“ von Rossano Galante, in dem er seine Gedanken über das Weiterleben nach dem Tod in Musik setzte. Die Ruhe, die das Orchester in seiner Interpretation ausstrahlte, wurde der Intention des Werks mehr als gerecht.

In solistischen Passagen verbreitete das hohe Holz sphärische Klänge. Würdevolle Wohlklänge in den Trompeten und ein Klang, der im Nichts verschwand, machten auch dieses Stück zu einem Hörgenuss. Dass Musik nicht nur wirkt, wenn große Klangmassen bewegt werden, beweist Mario Bürki mit seiner „Hymn for my Daughter“. Sie besticht durch ihre schlichte Melodie, die zunächst solistisch in Piccoloflöte, Horn und später im Englisch Horn ihre Schönheit entfaltet. Das Orchester begleitete die Melodie einfühlsam.

Mit „Sollt ich meinem Gott nicht singen?“ stand als letztes Stück eine vielfarbige Choralfantasie von Christian Sprenger auf dem Programm. Dass sich der Komponist in Sachen Choralbearbeitung auskennt, hört man an der ideenreichen und in sich schlüssigen Komposition. Weiche Klarinetten, die schier unbemerkt aus dem Orchester aufsteigen und erstmalig die Melodie vorstellen, wechseln mit Blechbläsersätzen, die an die Posaunenchortradition erinnern, ab. Selber Posaunist, wusste der Komponist seine Instrumentalkollegen mit klangvollen Posaunensätzen ins rechte Licht zu rücken. Das Orchester zeigte sich gewohnt klangschön und ausgewogen, die Soli in den Registern wurden souverän und dem musikalischen Kontext entsprechend vorgetragen. Dirigent Bernd Biffar hielt sein Orchester stets in klanglicher Balance und interpretierte die Werke einfühlsam und mit Wissen um Nuancen. Nach den beiden Zugaben „Palladio“ von K. Jenkins und dem traditionellen „Großer Gott, wir loben Dich“ endete ein das Konzert mit langanhaltendem Applaus.

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