Geschichten aus dem „Kölner Keller“

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 Marco Fritz machte in Alberweiler eine Regelschulung und erzählte von seinen Einsätzen als FIFA-Schiedsrichter.
Marco Fritz machte in Alberweiler eine Regelschulung und erzählte von seinen Einsätzen als FIFA-Schiedsrichter. (Foto: Felix Maucher)
Schwäbische Zeitung

Die Schiedsrichtergruppe (SRG) Riß hat ihre Mitglieder in dieser Woche zu einer ganz besonderen Schulung eingeladen. Auf Einladung des Ausschusses kam FIFA-Schiedsrichter Marco Fritz aus Korb bei Stuttgart in den Pfarrstadel nach Alberweiler. Der 41-Jährige hielt eine Regelschulung und erzählte Interessantes aus der Welt des internationalen Fußballs. Beispielsweise über die erste Rote Karte in der Champions League für Cristiano Ronaldo.

Fritz, der seit der Saison 2009/10 Spiele in Deutschlands höchster Spielklasse leitet, kommt dort momentan auf die Zahl von 127 Begegnungen. Auf der FIFA-Liste steht der Bankkaufmann aus der Nähe von Stuttgart seit 2012. Sein bisheriger Höhepunkt war die Leitung des DFB-Pokalfinals 2016 zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund (4:3 i. E.).

Fritz’ Vortrag behandelte die Regelschulung, die jede Bundesliga-Mannschaft vor Saisonbeginn erhält. Anhand vieler Szenen der Fußball-WM wurde ausgiebig über deren Auslegung diskutiert. Insbesondere das Thema „Video- Assistent“ stand hierbei im Fokus, sorgt dieser doch nach wie vor hin und wieder für Unverständnis bei Fans und Spielern. Fritz berichtete aus dem Alltag im „Kölner Keller“, wie das Video-Assist- Center des DFB im Boulevard häufiger tituliert wird und davon, dass ein Spiel als Video-Assistent im Vergleich zum Schiedsrichter auf dem Platz mental nur unwesentlich leichter zu „leiten“ sei. Die Tatsache, dass ihm beim Topspiel am Samstagabend als Videoschiri 26 verschiedene Kameraeinstellungen zur Verfügung stehen, sorgte für Aufsehen unter den 120 Anwesenden Schiedsrichtern und Bezirksmitarbeitern.

Im Anschluss an sein Referat gab er mitunter auch spannende Einblicke in das Seelenleben eines Top-Schiedsrichters nach einem schwierigen Spiel. So beschrieb er die Tage nach dem Champions-League-Spiel zwischen dem FC Valencia und Juventus Turin, in dem es auf Hinweis von Fritz zu einer Roten Karte für Cristiano Ronaldo kam, als „nicht vergnügungssteuerpflichtig“. In solchen Fällen wäre er ganz froh, kein Profi-Schiedsrichter zu sein, sondern sich unter der Woche auch „mit anderen Dingen beschäftigen“ zu können.

Natürlich sei der Spagat zwischen FIFA-Schiedsrichter mit internationalen Reisen und Job in Stuttgart nicht immer einfach, nichtsdestotrotz gäbe es auch nach der Altersgrenze von 47 Jahren ein Berufsleben, in das man sich integrieren müsse.

Respekt und Wertschätzung

Dass ihm aber der Amateurfußball nach wie vor am Herzen liegt, zeigt die Tatsache, dass er bei seinem Heimatverein als Vorstand Sport fungiert und, wenn es der Einsatzplan zulässt, er jedes Spiel seiner Mannschaft vor Ort verfolgt. Trotz hohem medialen Interesse und großen Drucks sei das Verhältnis zu den Spielern der Bundesligaclubs in der Regel entspannt, so Fritz. Dadurch, dass man sich über die Saison verteilt bis zu sechs Mal auf dem Platz begegne, herrsche untereinander ein ausgewachsener Respekt sowie gegenseitige Wertschätzung für die Leistung des anderen. Auch Thomas Müller, Marco Reus und Co. wissen also: ohne Schiri kein Spiel.

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