Diese Friedenslinde erinnert seit 150 Jahren an Kriegsveteranen – Infotafel enthüllt

Ortsvorsteher Fabian Egle enthüllt die Tafel.
Ortsvorsteher Fabian Egle enthüllt die Tafel. (Foto: Fotos: gerhard Rundel)
Schwäbische Zeitung

150 Jahre nach der Pflanzung der Friedenslinde hat Ortsvorsteher Fabian Egle aus Alberweiler am Sonntagvormittag die neue Informationstafel bei der Friedenslinde auf dem Hessenbühl enthüllt. Alberweiler Bürger haben sich dafür stark gemacht und in den Pfarrbüchern von damals recherchiert, um die exakten Daten und Fakten auf der neuen Tafel lesen zu können.

Rund 50 interessierte Bürger kamen zu diesem idyllischen Standort der 150 Jahre alten Linde – 700 Meter südwestlich von Alberweiler auf einer Anhöhe gelegen mit Aussicht in drei Richtungen. Am 16. März 1871 wurde diese Linde nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871) gepflanzt. Gestiftet wurde das Pflänzlein von Baron Richard von König zu Warthausen. Dokumentiert wurde das Ereignis vom damaligen Pfarrer Franz Joseph Huber in der Pfarrchronik.

Ermahnung für Kinder und Kindeskinder

Neun Soldaten aus der Pfarrei Alberweiler haben am damaligen Krieg teilgenommen, schreibt Pfarrer Huber. „Das Glück hat alle neun Soldaten auf den gefahrvollen Wegen und Stegen Frankreichs begleitet und jeden Unfall von ihnen abgewendet“, schreibt der Pfarrer wörtlich. „Am 18. Juli 1871, also genau heute vor 150 Jahren sind diese Soldaten teilweise ganz, beziehungsweise auf Urlaub zurückgekehrt und wurden vom ganzen Ort willkommen geheißen“, sagte Ortsvorsteher Egle in seiner Ansprache.

Die heute mächtige Linde mit einem Durchmesser von etwa 1,50 Meter und einer ungefähren Höhe von 25 Metern wurde 1974 zum Naturdenkmal erhoben. Der 88-jährige Hermann Dobler, ein Nachfahr vom Kriegsveteran Sebastian Maier (Sohn des Geißenbauern), erzählte bei der offiziellen Feier einige Anekdoten über die Linde. Er kenne diese Linde seit seiner Kindheit, da seine Eltern hier ein Grundstück bewirtschafteten. Talwärts von der Linde wurde früher Mergel abgebaut und dabei wurden sogar Wurzeln von der Linde freigelegt. Zu seiner Mutter sei immer der Nachbar Alois Manz, ebenfalls ein Veteran gekommen und habe folgendes Gedicht über die Friedenslinde aufgesagt: „Die Linde auf dem Hessenbühl, die sagt in hundert Jahren viel. Sie soll Kinder und Kindeskinder ermahnen, dass in Alberweiler sind gewesen neun Veteranen.“

Tafel war zum Teil falsch

Die Linde soll später die Menschen noch an die Schicksale des Krieges erinnern, habe der Nachbar gesagt. Dobler wünscht sich, dass die Linde noch viele Jahrzehnte überlebt. An heißen Sommertagen soll die Gemeinde an die Linde denken und ebenfalls mit Wasser versorgen. Weiter wünsche er sich, dass der talseitige Bewuchs um die Linde entfernt wird, dass sie wieder so frei stehen könne wie früher.

Hildegard Epple, die zusammen mit Hermann Dobler die Geschichte um die neue Tafel im Februar dieses Jahres ins Rollen brachte, erzählte der SZ: „Der Knackpunkt war die vorhandene Tafel. Vieles was hier stand, war einfach falsch.“

Idyllisches Plätzchen mit schöner Sicht

„Es stand nur Gruscht drauf, den niemand interessiert hat“, sagte Hildegard Epple. Sie, Dobler und andere haben sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengetan, um die Fakten zu recherchieren und dieses Plätzchen hier oben schön herzurichten. Ebenfalls habe man sich bei der Gemeinde um eine neue Informationstafel bemüht.

Heute ist es ein idyllisches Plätzchen, mit schöner Aussicht und einem Bänkchen, ideal zum Verweilen - inmitten von Kornfeldern. Susanne Blersch von der Gemeindeverwaltung hatte die Geschichte um die Friedenslinde samt Dokumenten in einem Fleyer aufgearbeitet und den Besuchern auf den Weg gegeben.

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