Titanic aus Pizzakartons - Schemmerhofer bastelt seit einem Jahr an Modell

 Die Titanic steht zwischen Wohn- und Esszimmer. Seit fast einem Jahr arbeitet der Schemmerhofer Thomas Feller daran.
Die Titanic steht zwischen Wohn- und Esszimmer. Seit fast einem Jahr arbeitet der Schemmerhofer Thomas Feller daran. (Foto: Andreas Spengler)
Redakteur

Thomas Feller bringt zum Vorschein, was sich kaum jemand vorstellen kann. Der Schemmerhofer hat das Wrack der Titanic nachgebaut. Doch statt auf teure Modellbauteile setzte der 52-Jährige auf eine günstigere Alternative: aus Gips, Holz und vor allem Pizzakartons. Und das hat einen ernsten Hintergrund.

Thomas Feller hat sie gezählt, jede einzelne Stunde. 215 Stunden lang arbeitet er bereits an seinem Modell der Titanic. Darüber führt er Buch. Und das Ende ist noch lange nicht in Sicht. Neben seinen Esstisch steht ein fast raumfüllendes Schiffswrack. Es ist 1,5 Meter lang und wiegt jetzt mit der massiven Holzplatte, auf der es steht, mehr als 100 Kilo. Vor allem aber ist es so detailreich, dass es dem Original in allen Einzelheiten gleicht. Allein ein Anker am Schiffsbug besteht aus 14 Einzelteilen. Und Feller zählt stolz auf, was er schon alles geschafft hat: den Kesselraumlüfter, den Innenraumlüfter, die große Freitreppe, den Fitnessraum. Alles im Maßstab von 1 zu 100. Feller ist gar nicht mehr zu bremsen. Es fehlen aber noch Ankerketten, Verladekräne, Winden und so viel mehr.

Arbeitslosigkeit als Antrieb

Anfang des Jahres hat Feller mit dem Bau des Wracks begonnen. Auf Grundlage eines Fotos in einem Buch. Die Begeisterung für den Modellbau begann schon früh. „Das habe ich von meinen Eltern mitbekommen. Mein Vater hat mir immer wieder gezeigt, wie Modelle gebaut werden.“ Was Thomas Feller daran begeistert, kann er nur schwer in Worte fassen. „Es ist die Faszination, etwas zu schaffen, was andere nicht können“, sagt er schließlich. Und man merkt ihm seinen Stolz an. Vielleicht auch, weil der Modellbau für Feller mit einem unangenehmen Kapitel seines Lebens verbunden ist, das nun hinter ihm liegt.

 Für die vielen Details ist reichlich Fingerspitzengefühl gefragt.
Für die vielen Details ist reichlich Fingerspitzengefühl gefragt. (Foto: Andreas Spengler)

1997 rutschte Thomas Feller in die Arbeitslosigkeit. Morgens ging er auf Arbeitssuche oder zum Arbeitsamt. Mittags aber wollte er „nicht nur auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen“. „Ich hab mir die Aufgabe gemacht, was anzufangen mit meiner Zeit.“ Noch bevor er seine Umschulung zum Zerspanungstechniker begann, machte er sich an die Arbeit.

Verkauft für 100 Euro

„Die Titanic ist ein Schiff, das fast jeder kennt“, sagt er. Die Bilder des Wracks faszinierten ihn, seit er denken kann. Doch der Schemmerhofer musste kreativ werden. Das Geld war knapp, dafür hatte er reichlich Zeit.

Ich habe geschaut, wie ich mir den Modellbau leisten konnte.

Thomas Feller

Schließlich begann er das Modell aus einfachen Kartons aufzubauen. „Besonders gut geeignet sind Pizzakartons, die einseitig beschichtet und damit sehr stabil sind.“ Das erste Schiffsmodell verkaufte Feller schließlich bei Ebay für 100 Euro. Doch danach bedauerte er den Verkauf und beschloss, ein zweites, größeres und detailreicheres Modell zu bauen. Daran arbeitet er bis heute.

Was am schwersten war

„Wenn ich fertig bin, trinke ich dann schon auch mal ein Bier darauf“, erzählt er. Am Ende möchte er sein Kunstwerk mit einem Glaskasten schützen. Noch weiß er nicht genau, was er dann damit anfangen soll. Möglich wäre es, das Schiff öffentlich auszustellen. Vielleicht im Rathaus. Doch das ist für Fellner im Moment noch gar nicht so wichtig.

Wenn ich fertig bin, trinke ich dann schon auch mal ein Bier darauf.

Thomas Feller

Er möchte fleißig weiterbauen. Am schwierigsten ist und war es, die Zerstörungen am Schiff nachzubilden. Beim Aufprall der Titanic auf dem Meeresgrund wurde das Oberdeck eingedrückt, der Stahl verzog und verbog sich. Diese Beschädigungen versuchte Thomas Feller nachzuahmen. Ihm ist wichtig, dass das Schiff so originalgetreu wie möglich aussieht.

Mahnmal für das Unglück

Ein Bekannter fragt ihn, ob er es nicht von innen ausleuchten konnte. Das wollte Feller nicht. „Da unten auf dem Meeresgrund ist doch niemand, der einfach mal das Licht anschaltet“, sagt er beinahe ernst. Ein anderer Bekannte fragte, ob er nicht noch ein paar menschliche Körper hinzufügen wollte. Doch das fand Feller „absolut pietätlos“. Wenn sein Modell fertig ist, möchte er die Kartons mit einer realistischen Rostfarbe übermalen. Er wolle sein Modell als Mahnmal verstanden wissen, als Modell, das die Menschen auch zum Nachdenken anrege.

Und wenn dann der letzte Pinselstrich gesetzt ist und Thomas Feller voller Stolz auf sein vollendetes Werk blickt, dann denkt er schon an die nächste große Aufgabe: Das Modell, das bislang in seinem Wohnzimmer steht, ist nur ein Teil des Schiffs. Die Titanic brach beim Aufprall auseinander. Den vorderen Teil möchte Feller innerhalb eines weiteren Jahres fertigstellen. Der zweite Teil, das Heck, hingegen soll dann folgen. Feller sagt: „Und der ist mindestens so kompliziert und aufwendig wie der erste Teil.“

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