Graffiti sollen Schemmerberger Dorffeste verschönern

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Graffiti-Künstler Daschu erklärt den Kindern aus Schemmerberg, worauf es beim Sprayen ankommt und welche Gestaltungsmöglichkeite
Graffiti-Künstler Daschu erklärt den Kindern aus Schemmerberg, worauf es beim Sprayen ankommt und welche Gestaltungsmöglichkeiten es gibt. (Foto: Birga Woytowicz)
Crossmedia-Volontärin

Im ländlichen Raum gehören Graffiti nicht zum Alltagsbild und werden nur selten gern gesehen. Die Dorfkultur Schemmerberg möchte das ändern. In dieser Woche hatten Jugendliche Gelegenheit, sich mit Spraydosen an Bauzäunen auszutoben. Auch wenn die Kunstwerke keine Gemäuer zieren, sollen sie von Dauer sein.

Es ist der zweite und letzte Tag des Ferienkurses. Auf dem Dorfplatz stehen acht Bauzäune in einem Halbkreis. Sechs davon strahlen in Orange-, Gelb-, Rot- und Blautönen. Darauf sind verschiedene Schriftzüge zu erkennen. Vor einer Leinwand kniet Daniel, ein weißes Blatt Papier liegt vor ihm, darauf steht die Abkürzung „lol“ für „laughing out loud“. Im Jugendslang: sich kaputtlachen.

Mit kritischem Blick gleicht der Zwölfjährige die Vorlage mit seinem Graffiti ab. „Ich bin gerade dabei, die Buchstaben auszufüllen. Das ist Phase zwei“, sagt er. Zuerst habe er die Konturen in Gelb aufgesprüht. Wenn er alles mit Weiß ausgefüllt habe, gehe es an die Verschönerung. „Lol ist ein einfaches, kurzes Wort. Habe ich so im Kopf gehabt und finde es ganz cool“, sagt Daniel.

Die Kinder haben sich viele englische Begriffe ausgesucht, darunter funky oder crazy. Zwischendurch fallen auch jede Menge englischer Fachbegriffe, die sie in dem Kurs gelernt haben: „Es gibt verschiedene Arten bei den Schriftzügen, zum Beispiel den Wild- oder den Simple-Style“, erklärt der zwölfjährige Erik. Entweder sei der Schriftzug schlicht, aber gut lesbar, oder aber die Buchstaben seien so verzahnt und ausgestaltet, dass man sie gar nicht mehr entziffern kann.

Die kleinen Motive dienen als Lückenfüller. Einen Tag zuvor haben die Jugendlichen die Grundfarben aufgetragen und fleißig „getaggt“: Ein „Tag“ ist der Künstlername beziehungsweise die Signatur eines Sprayers. Luca hat sich für seine Initialen LG entschieden. „Es macht Spaß, so frei zu sprühen. Wir können unsere eigenen Ideen einbringen“, sagt Luca.

Kursleiter Daschu möchte nur bei seinem Künstlernamen genannt werden. Beim Sprayen komme es auf die richtige Technik an: „Wie fest drücke ich? In welcher Entfernung muss ich zur Wand stehen? Dafür muss man erst ein Gefühl bekommen“, sagt er. Das sei gar nicht so einfach. Auch deshalb sei der Kurs erst für Kinder ab zwölf Jahren geeignet. „Die Jüngeren haben so kleine Hände, die können die Dosen auch gar nicht richtig halten.“ Neben der richtigen Technik gelte es vor allem, Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Die Farbe könne schädlich für Atemwege und die Haut sein. „Ich spraye nie ohne Mundschutz und Handschuhe“, sagt Daschu.

Kinder entdecken neues Hobby

Die Kinder stellten sich gut an. „Gerade jetzt am zweiten Tag geht es den meisten viel besser von der Hand“, sagt Daschu. Bis auf Felina, die bereits bei einem Kurs dabei war, hatte zuvor noch keines der Kinder eine Spraydose in der Hand. Leicht falle ihr das Sprayen aber nicht, sagt die Zwölfjährige. „Mein Graffiti muss irgendwie noch schöner werden. Ich muss noch mal an die Ränder ran.“ Es könne nicht alles auf Anhieb klappen, sagt Erik. Und das sei auch gar nicht schlimm: „Das Graffiti sieht zwar nicht genau so aus wie auf der Skizze. Aber es ist irgendwie schön anders.“ Er hat Blut geleckt. „Ich möchte mir jetzt auch für zu Hause eine Leinwand und Farben kaufen.“

Auch Daschu empfiehlt: „Als Anfänger kann man am besten auf Leinwand oder Karton üben.“ Legale Spray-Flächen seien im Übrigen auch dünn gesät. In Ravensburg und Ulm gebe es Plätze, in Biberach kämen allmählich immer mehr hinzu, sagt der Künstler.

In Schemmerberg bleibt es vorerst bei den Bauzäunen. Sie sollen regelmäßig zu sehen sein, erklärt Peter Stegmaier von der Dorfkultur Schemmerberg. Der Verein hatte die Idee für den Ferienkurs. „Die Vereine können die Zäune bei Festen als Absperrgitter benutzen.“ Das sei nachhaltig und auch optisch ein Hingucker.

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