„Wie ein lebendiges Geschichtsbuch, das man alles fragen konnte“

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Eberhard Silvers †
Eberhard Silvers † (Foto: Archiv)
Schwäbische Zeitung

Die Gemeinde Rottum hat einen sehr engagierten Bürger verloren. Eberhard Silvers, Gemeinderat, Ortschaftsrat, Organist und Chronist, ist am 8. April im Alter von 86 Jahren gestorben.

„Wir sind sehr dankbar für all das, was er für unsere Gemeinde und die Ortschaft Rottum getan hat“, schreibt Bürgermeister Leonhard Heine in seinem Nachruf. Obwohl im Ruhrgebiet geboren und in der Großstadt Berlin aufgewachsen, identifizierte sich Eberhard Silvers mit seiner neuen Heimat in Oberschwaben so sehr und so gut wie kaum sonst einer. Viele Menschen der Region kennen seinen Namen, weil er für zahlreiche Festschriften und Vereine Artikel geschrieben hat. Er war, so erinnert sich Dekan Sigmund F. J. Schänzle, ein leidenschaftlicher Chronist. „Er war wie ein lebendiges Geschichtsbuch, man konnte ihn fragen, was man wollte.“

1929 in Essen geboren, wuchs er in Berlin auf. Zum Kriegsende 1945 wurde er mit 15 Jahren noch zum Kriegsdienst eingezogen und geriet sofort in russische Gefangenschaft. Mithilfe einer jungen russischen Ärztin sei er jedoch nach kurzer Zeit wieder freigekommen, erzählt Schänzle. Er holte sein Abitur nach und studierte in Fulda Theologie und Philosophie auf Lehramt. Als er an Tuberkulose erkrankte, musste er sein Studium unterbrechen. Er kam in die Lungenfachklinik nach Wangen ins Allgäu. Kurz darauf lernte er seine Frau Theresia kennen, die aus Rottum stammte. Die beiden heirateten und Silvers verlegte seinen Wohnsitz endgültig nach Oberschwaben.

Er arbeitete zuerst für den Caritasverband in Stuttgart, später unterrichtete er als Studienprofessor an den Berufsschulen in Göppingen und Biberach. Zudem war er lange Jahre Fachberater der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Bereich der Lehrerfortbildung. 1982 wurde er in den Gemeinderat Steinhausen an der Rottum gewählt und blieb Gemeinderat bis 1994. Von 1989 bis 1994 fungierte er auch als stellvertretender Bürgermeister.

Von 1984 bis 1999 arbeitete er zudem aktiv im Ortschaftsrat Rottum mit, ab 1994 war er stellvertretender Ortsvorsteher. In dieser Zeit, schreibt Heine, waren viele wichtige Entscheidungen innerhalb der Gemeinde zu treffen. Hierzu zählen der Bau des Rathauses, die Gemeindehalle in Rottum sowie der Bau der Kanalisation.

In der Seelsorgeeinheit St. Benedikt war er zudem als Organist im Einsatz. „Sein großer Dienst an den Gemeinden war jedoch seine ungeheure Kenntnis der lokalen Geschichte“, sagt Dekan Schänzle. Wie sonst keiner sei er vertraut gewesen mit den geschichtlichen Daten der Region. Keine Festschrift beinhalte nicht mindestens einen Artikel von ihm. Zudem erstellte Silvers im Laufe der Jahre ein lückenloses Inventarverzeichnis der Kunstgegenstände der Seelsorgeeinheit - das von ihm hierfür entwickelte System hat inzwischen viele Nachahmer gefunden. Silvers war zudem Mitglied der Soldatenkameradschaft Rottum.

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