Die Gemeinde Rot an der Rot hat die Pläne des Landkreises für ein Backbonenetz gutgeheißen. Jetzt fehlt nur noch das Okay der S
Die Gemeinde Rot an der Rot hat die Pläne des Landkreises für ein Backbonenetz gutgeheißen. Jetzt fehlt nur noch das Okay der Stadt Biberach, bevor der Kreistag die weiteren Beschlüsse fassen kann. (Foto: Jan Woitas)

Der Gemeinderat Rot an der Rot hat als 42ster im Landkreis Biberach dessen Pläne für eine Kreis-Datenautobahn gutgeheißen. Da sich Langenenslingen und Altheim im Einvernehmen mit dem Landratsamt einem ähnlichen Vorhaben im benachbarten Kreis Sigmaringen angeschlossen haben, steht jetzt nur noch das Votum der Stadt Biberach aus – dann ist der Weg frei, dass der Kreistag im Juli die nächsten Schritte hin zu einem überörtlichen Glasfasernetz für schnelles Internet beschließt.

In der Stadt Biberach gibt es schon viele schnelle Glasfaserleitungen durch den Ausbau der Ewa Riss in früheren Jahren, sagte Manfred Storrer, der zuständige Dezernent im Landratsamt Biberach. Auch Rot an der Rot war gemeinsam mit Tannheim recht früh dran, die beiden Gemeinden haben Mitte Mai ein eigenes Netz mit Anknüpfung an eine Glasfaser entlang es Illerkanals in Betrieb genommen. „Ein großes Kompliment, dass Sie so weitblickend die Weichen gestellt haben“, lobte Storrer im Roter Rat. Dieses „Paradeprojekt“ finde im baden-württembergischen Innenministerium große Beachtung.

Auf Roter Gebiet muss der Landkreis daher nur wenige Trassen ganz neu graben, wenn er in den nächsten drei bis vier Jahren ein Glasfasernetz zwischen den Gemeinden inklusive Schnittstellen zu den Nachbarkreisen und überregionalen Knoten knüpfen will. Vielmehr wird das „kleine“ Backbonnetz Rot-Tannheim sozusagen fürs „große“ Kreis-Backbonenetz mit genutzt: Wo technisch möglich. zieht der Kreis eine zweite Glasfaser in die bestehenden Leerrohre von Rot und Tannheim ein. Wo dies technisch nicht gehe, soll der Kreis freie Kapazitäten der Glaserfaser dieser Gemeinden anmieten, sagte Manuel Hommel vom Fachbüro Geo Data – also quasi Datenvolumen auf deren Leitung buchen.

Aus mehreren Richtungen am Netz

Um die Einbindung der Gemeinde Rot zu komplettieren, müsse nur noch ein Lückenschluss zwischen Tristolz und Füramoos hergestellt und ein kleines Stück Glasfasertrasse vom Roter Ortsteil Zell in Richtung Illerbachen neu gebaut werden. So profitiere auch Rot an der Rot mittelbar von der überörtlichen Kreis-Datenautobahn, sagte Hommel. Denn eines von mehreren Zielen ist, durch Ring- und Maschenstrukturen die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Sollte etwa die Verbindung zum Illerkanal je unterbrochen werden, wäre das Gemeindegebiet immer noch von Füramoos und Illerbachen aus am überörtlichen Netz.

Dagegen sei es nicht möglich, Dörfer wie etwa Wirrenweiler unmittelbar vom Kreis-Backbone profitieren zu lassen. Die Räte Berthold Hengge und Wolfgang Moosburger erkundigten sich, ob dies nicht durch eine geschicktere Trassenwahl zu bewerkstelligen wäre; denn obwohl Rot an der Rot früh die Initiative ergriffen habe, gebe es immer noch etliche „weiße Flecken“, stellten sie fest. Bürgermeisterin Irene Brauchle erwiderte, dass ein überörtliches Backbonenetz nur bis zu den Verteilerkästen der Telekom reiche. Da Wirrenweiler am Telekom-Verteiler in Mühlhausen hänge, müsse eine zu lange Strecke über die langsameren Kupferkabel überbrückt werden – jeder Meter Kupfer dämpft das Datensignal. „Da hilft uns das Backbone nicht“, sagte sie. Solche Orte ließen sich nur durch einen Netzausbau mit Glasfaser bis in die einzelnen Haushalte (FTTB) angemessen versorgen.

Ortsnetz kostet Zeit und Geld

Was ja das Endziel ist. Das überörtliche Netz zwischen den Gemeinden schafft der Landkreis. Wie 41 Kreisgemeinden zuvor sagt jedoch Rot an der Rot mit dem Ratsbeschluss grundsätzlich zu, daran mit einem Verteilnetz anzuknüpfen und auf eigene Kosten an einem FTTB-Ortsnetz zu stricken. Ohne konkrete zeitliche Vorgabe wohlgemerkt, darauf wies Brauchle ausdrücklich nochmals hin. Die Rathauschefin und Kreisdezernent Storrer sagten unisono, dies werde sicher nicht ohne kräftige Finanzspritzen vom Staat gehen und viele Jahre dauern. Eine Zwischenlösung könnte die nächste Generation des Mobilfunknetzes sein (5G). Auch dies basiere freilich auf einem möglichst flächendeckenden Glasfasernetz, mache das Kreis-Backbone also keineswegs überflüssig, sagte Storrer.

Der Roter Rat fasste die nötigen Beschlüsse einstimmig.

Zusatzinformationen: Netcom BW hat den Netzbetrieb bis 2024 sicher

Weil Rot an der Rot und Tannheim mit einem eigenen Glasfasernetz besonders früh dran waren, ist in den Vereinbarungen mit dem Landkreis ein Punkt festgehalten: Beide Gemeinden haben den Betrieb ihres Netzes bis 2024 an die Netcom BW übertragen. Dies bleibt so. Für die Zeit danach wird es in die zeitlich gestaffelte Netzbetreiber-Ausschreibung für den gesamten Landkreis integriert. Sollte der Betreiber derselbe bleiben, ändert sich für die Internetkunden nichts. Sollte 2024 ein anderer Netzbetreiber zum Zug kommen, muss dieser der Netcom BW Zugang zum Netz gewähren. Es läge dann an der Netcom, ob sie an den Endkundenverträgen mit den Rotern und Tannheimern festhält, auch wenn sie gegebenenfalls nicht mehr selbst Netzbetreiber sein sollte. Andernfalls müssten sich die Internetkunden 2024 einen anderen Anbieter suchen. Ein wesentlicher Vorteil eines kreisweiten Netzes ist, dass es für Betreiber attraktiver ist. Die Verantwortlichen hoffen so auf Pachterlöse für das mit Steuergeldern finanzierte Glasfasernetz.

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen