Vereine machen beim Roter Dorffest gemeinsame Sache - Erfolgsrezept seit 27 Jahren

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Judith Ezerex

Zum 27. Mal haben die Menschen am Wochenende das Roter Dorffest gefeiert. Mit seinem abwechslungsreichen Programm vor der Kulisse des Klosters erreichte der Dorffestausschuss wieder sein Ziel: Ein Fest zu organisieren, bei dem für alle Generationen etwas dabei ist und das, so Dorffestvorstand Stefan Sigg: „Zu oberschwäbischen Preisen.“

War am Samstagmorgen der Himmel noch regenverhangen und die Straßen und Flohmarktstände recht nass, so behielten zum Dorffesteinzug die Wolken ihre Wassermassen für sich und erlaubten einen fast pünktlichen Start. Dorfvolk, historische Gruppen und die Roter Vereine folgten dem Fanfarenzug Zell und dem Dorffestauschuss durch das Obere Tor, verteilten Leckereien an die Zuschauer und zeigten sich in bester Festlaune. Ganz so wie es sich Bürgermeisterin Irene Brauchle vorgestellt hatte: „Unser Fest wird auch nach ganz oben dringen“, zeigte sie sich beim Empfang der Ehrengäste im Rathaus zuversichtlich, dass die Sonne die Wolken vertreiben werde. Ein schönes Fest zu gestalten, sei die Motivation der 21 beteiligten Vereine: „Sie haben dieses Fest geschaffen.“ Und das besteht nun schon seit geraumer Zeit. Während früher jeder Verein für sich allein gefeiert habe und deshalb das Festzelt ständig auf und wieder abgebaut wurde, wie sich der ehemalige Vorsitzende des Dorffestvereins Albert Angele erinnert, haben vor 27 Jahren acht oder zehn Vereine beschlossen, gemeinsam ein Dorffest zu feiern. Und so entwickelte sich über die Jahre hinweg ein Fest, in dem sich bis heute jeder eingetragene Verein in Rot einbringen kann. Alle Generationen kommen auf ihre Kosten, denn es soll stets familientauglich sein, sagt Vorstand Sigg über die Vision hinter dem Fest.

Die Evangelische Kirchengemeinde unterhält und bespaßt die jüngsten Besucher im Kinderprogramm, die Musikvereine sorgen für Volksfeststimmung, das Senioren- und Pflegezentrum lädt Pflegebedürftige zum Verweilen ein und das historische Spiel erlaubt Geschichtsinteressierten einen Einblick in die Analen und Legenden des Bistums Rot vor authentischer Kulisse. Wer auf dem Dorffest war, weiß deshalb auch, was der längst verstorbene Abt des Klosters Peter Recutitus mit dem Bobohle der Roter Narrenzunft gemein hat.

Alltag im 14. Jahrhundert

Währenddessen haben Jäger und Sammler die Möglichkeit, an langen Flohmarktständen zu flanieren und Schnäppchen zu ergattern oder sich von „Omas Butterwaffeln“, allerlei Zuckerzeug und traditionsreicher schwäbischer Cuisine verköstigen zu lassen. Dass Tradition und Kultur hier voll im Fokus stehen, wird nicht nur durch die altehrwürdigen Mauern des Klosters deutlich, dessen Kirchentüren zum Fest weit geöffnet sind, sondern auch die herkömmlichen Gewänder und das authentische Dorftreiben an der Klostermühle zeichnen ein Bild vom Alltag des Klosterlebens im 14. Jahrhundert.

Auch den Nachbargemeinden, der Obrigkeit und der Feuerwehr sieht sich Brauchle in ihrem Grußwort zum Dank verpflichtet, denn ohne sie, ist sie sich sicher, würde das Fest niemals funktionieren. Es ist ein Fest von allen für alle – alle Vereine, alle Gruppen, alle Einwohner, alle Altersstufen und alle Gäste und damit qualifiziert sich das Roter Dorffest als eines der bedeutendsten in der Region, ist sich Josef Rief, Mitglied des Bundestags, sicher und kann, laut Irene Brauchle, „bestimmt noch 100 werden“.

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