Eine Welt ohne Bienen ist unvorstellbar

Lesedauer: 7 Min
Schön anzuschauen, aber Gift für Biene und Mensch. Wolfgang Höschele entdeckt das Johanneskreuzkraut überall. Er will es zum Sch
Schön anzuschauen, aber Gift für Biene und Mensch. Wolfgang Höschele entdeckt das Johanneskreuzkraut überall. Er will es zum Schutz der Bienen bekämpfen. (Foto: Birga Woytowicz)
Crossmedia-Volontärin

Wer die Aktion „Illertal blüht für unsere Bienen“ unterstützen möchte, kann auf das Konto DE 4665 4913 2007 2320 001 spenden. Für weitere Fragen steht Wolfgang Höschele unter Telefon 08395/636 zur Verfügung.

Zum bundesweiten Tag der deutschen Imkerei am Sonntag, 8. Juli, lädt der Bezirks-Imkerverein Iller- und Rottal von 11 Uhr an zum Frühschoppen ins Bienenmuseum in Rot an der Rot ein. Es befindet sich im Abtsgarten. Nachmittags gibt’s Kaffee. Der Verein informiert über Bienen, Imkerei und seine Arbeit. Der Imkerkollege Franziskus Burkhardt bietet den Besuchern kostenlos Käse und Honigproben an.

Keine Äpfel, keine Erdbeeren, auch kein Gemüse und schon gar keinen Honig: Eine Welt ohne Bienen ist unvorstellbar. Und doch lauern überall Gefahren, die die Tiere ernsthaft bedrohen. Zum Tag der deutschen Imkerei am kommenden Sonntag, 8. Juli, öffnet das Bienenmuseum in Rot in der Rot seine Türen und gibt Einblicke in die Welt der Bienen und Imker.

„Die Bestäubung ist die wichtigste Aufgabe der Bienen. Sie übernehmen davon 80 Prozent. Für den Rest sind Insekten verantwortlich“, sagt Wolfgang Höschele, Vorsitzender des Imkereivereins Iller- und Rottal. Über 50 Jahre imkert Höschele schon. Er kümmert sich um 26 Bienenvölker. Die anderen Hobbyimker im Verein hätten im Schnitt je zwei bis drei Völker. Das sei auch sinnvoll: „Es kann immer mal passieren, dass ein Volk den Winter nicht überlebt. Dann hat man noch ein anderes.“

Vor sechs Jahren rückte Höschele in den Vereinsvorstand. Seitdem seien die Mitgliederzahlen stetig gewachsen: „Damals waren es 32 Mitglieder, heute haben wir 62. Darunter auch vier Jugendliche.“ Damit die Bestäubung innerhalb des Bezirksvereinsgebietes flächendeckend gesichert ist, wünscht sich Höschele aber eine noch höhere Dichte an Hobbyimkern: „Es wäre gut, wenn es in jeder Gemeinde zumindest fünf Imker gäbe.“

Mit den Jungimkern ist zwar auch die Zahl der Bienenvölker gewachsen. Gerettet sind die Tiere dadurch aber noch nicht. Diese Rechnung wäre zu einfach. Die aktuell größte Gefahr für Bienen? „Die Varroamilbe macht uns zu schaffen. Das ist ein Parasit, der sich in den Waben einnistet“, erklärt Höschele. Und zwar schon bei der Brut. „Wenn die Tracht vorbei ist, behandeln wir die Völker mit Ameisensäure. Aber ganz milbenfrei bekommen wir sie nicht.“

Langfristig würden daher viele Völker an der Milbe zugrunde gehen. Allerdings gebe es Bestrebungen, Varroaresistenzen zu züchten: „Ziel ist es, dass die Bienen die Milben frühzeitig erkennen und die Larve sofort herausreißen, in der sich der Parasit vermehrt“, so Höschele. Ein Ökologe sei bereits auf ein Volk im Jugendhaus der Gemeinde aufmerksam geworden: „Seit über 30 Jahren soll sich das Bienenvolk dort schon halten.“ Möglicherweise hätten diese Tiere bereits eine Resistenz entwickelt.

Noch keine akute, aber schwelende Gefahr sei das Jakobskreuzkraut: „Es sieht schön aus, aber ist hochgiftig und lebensbedrohlich – auch für den Menschen. Wenn das Kraut ausblüht, verbreiten sich Fallschirme, die an Autos haften bleiben und sich verbreiten.“ Durch die Pollen lande das Gift letztlich auch im Honig. Zu finden sei das Jakobskreuzkraut überall. Mähen allein reiche aber nicht: „Dadurch wächst das Kraut nur verstärkt nach.“ Im besten Fall würde es ausgerissen und verbrannt. Hier müsse die ganze Gesellschaft mit anpacken – und zwar direkt vor der eigenen Haustür: im Garten und am Bordstein.

Ein eher geringeres Problem sieht Höschele in der Landwirtschaft: „Das Problem der Pestizide ist allgemein bekannt.“ Die Bauern zeigten Verständnis. Beim Spritzen komme es nicht nur darauf an, welche Mittel die Landwirte verwenden: „Es muss flach gespritzt werden, damit die Mittel nur auf der Pflanze haften und nicht mit dem Wind aufgenommen werden“, erklärt Peer Neuhaus, ein Vereinsmitglied. Zudem müsse nachmittags oder abends gespritzt werden: „Dann fliegen die Bienen nicht mehr. Morgens um elf kommen die zur vollen Blüte.“

Blühstreifen sind ein Segen

Letztlich trügen die Bauern auch über das sogenannte Greening zum Schutz der Bienen bei, ergänzt Wolfgang Höschele: „Zehn Prozent ihrer Fläche müssen die für Blühsträucher oder -flächen freihalten.“ Die Flächen seien jedoch die bessere Wahl für die Bienen: „Dann können sie im Spätsommer und Herbst noch genügend Pollen einsammeln, um den Winter zu überstehen.“

Auch der Imkereiverein selbst versucht den Lebensraum der Bienen zu erweitern und hat dazu die Aktion „Illertal blüht für unsere Bienen“ ins Leben gerufen: Der Verein will in allen Gemeinden 7000 Krokusse pflanzen: „Das ist die erste blühende Blume, die Bienen die Möglichkeit gibt, Pollen zu holen.“ Finanziert wird die Aktion mit Spendengeldern.

Wer richtig aktiv werden möchte, ist im Verein auch gern gesehen. Über Lokalvereine kann ein Starterpaket mit der Grundausrüstung beschafft werden. Außerdem müssen Jungimker einen Kurs besuchen und können im Anschluss ihren ersten Ableger mit nach Hause nehmen und zu einem Volk heranzüchten. Kostenpunkt: insgesamt rund 550 Euro. Für gewöhnlich würden die Unkosten durch den Honigertrag gedeckt: „Aber es kann auch mal nichts abfallen. Es ist ein Hobby.“ Wer imkert, tue dies aus Leidenschaft.

Wer die Aktion „Illertal blüht für unsere Bienen“ unterstützen möchte, kann auf das Konto DE 4665 4913 2007 2320 001 spenden. Für weitere Fragen steht Wolfgang Höschele unter Telefon 08395/636 zur Verfügung.

Zum bundesweiten Tag der deutschen Imkerei am Sonntag, 8. Juli, lädt der Bezirks-Imkerverein Iller- und Rottal von 11 Uhr an zum Frühschoppen ins Bienenmuseum in Rot an der Rot ein. Es befindet sich im Abtsgarten. Nachmittags gibt’s Kaffee. Der Verein informiert über Bienen, Imkerei und seine Arbeit. Der Imkerkollege Franziskus Burkhardt bietet den Besuchern kostenlos Käse und Honigproben an.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen