Dieser Mann pilgert 1050 Kilometer nach Rom und begegnet dem Papst

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 Papst Franziskus signiert den Pilgerausweis von Rudolf Link (l.).
Papst Franziskus signiert den Pilgerausweis von Rudolf Link (l.). (Foto: privat)

Zwischen den Stempeln im Pilgerausweis steht mit blauem Kugelschreiber eine Unterschrift: Franziskus. Für Rudolf Link aus Haslach ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Seine Pilgerreise von Lausanne nach Rom endete mit einer Audienz beim Papst. Doch während viele Audienzbesucher Franziskus nur aus den hinteren Reihen sehen konnten, stand der 70-Jährige ihm direkt gegenüber. Mehr noch: Er konnte sogar kurz mit ihm sprechen, über die Pilgerreise und den Arbeitskreis Faustin-Mennel-Schule, der Kinder in Argentinien, dem Heimatland des Papstes, unterstützt.

Rudolf Link ist beruflich um die halbe Welt gereist. Von Grönland bis Nigeria betreute der Elektromeister Großanlagen. Privat unternahm er Abenteuerreisen auf den Spuren der großen Seefahrer nach Tahiti, zu den Osterinseln und nach Patagonien. Vor einigen Jahren entdeckte der heute 70-Jährige eine ganz andere Art des Reisens. Eine, bei der das Abenteuer Besinnung auf sich selbst und Spiritualität heißt: das Pilgern.

Ausgangspunkt war eine schwere Erkrankung. Nach einem Herzinfarkt erhielt Rudolf Link von seinem Arzt den Rat zu laufen. So entstand 2008 die Idee, die 300 Kilometer nach Flüeli, dem Wirkungsort des Heiligen Nikolaus von der Flüe, zu pilgern. Ein Jahr später lief er die 1100 Kilometer Jakobsweg von Flüeli nach Lourdes, um dann zwei Jahre später die 1200 Kilometer von Lourdes nach Santiago de Compostela zurückzulegen. Höhepunkt seiner Pilgerreisen bildeten aber im vergangenen Jahr die Via Francigena und der Franziskusweg von Lausanne nach Rom.

Die 1050 Kilometer führten Link von der Schweiz über Assisi nach Rom. Manche Angststrecke erwies sich als einfach zu bewältigen, manche vermeintlich normale Etappe entpuppte sich als extrem anstrengend. So hatte der Haslacher gehörigen Respekt vor dem großen St. Bernhard und bewältigte die Strecke mit Links. „Den Berg hätte ich gerade nochmal laufen können“, erinnert er sich. Die Apenninberge hingegen machten ihm zu schaffen. „Einmal dachte ich sogar ans Abbrechen, aber ich habe zu Gott gesagt, probieren wir es.“ Der Schweiß sei nur so getropft, erzählt der 70-Jährige, der froh ist, nicht aufgegeben zu haben. Rudolf Link gehört zu den Pilgern, die bevorzugt alleine gehen. „Einmal bin ich 14 Tage ohne Begleitung unterwegs gewesen. Es gibt Menschen, die halten das nicht aus, mir macht es nichts“, sagt er. Nicht, dass er nicht ab und zu Gesellschaft gehabt hätte. Zu dem Neuseeländer, mit dem er eine Woche lief, pflegt er noch immer Kontakt.

Jeder pilgert anders

Aber auch bei ihm stellte er fest, dass die Vorstellungen übers Pilgern eben oft sehr unterschiedlich sind. Dazu zählt auch die Frage, ob ein Wanderer auf dem Jakobsweg religiös ist oder nicht. Für Rudolf Link begann der Tag mit einem Gottesdienstbesuch. Auch abends ging er gerne noch in die Kirche. „Pilgern ist ein Gehen mit Gott“, sagt er. „Für mich war schon die erste Pilgerreise Ausdruck der Dankbarkeit dafür, dass ich gesund bin und leben darf.“

60 Tage war der Haslacher unterwegs auf dem Franziskusweg. „Das Pilgern verändert einen“, sagt der 70-Jährige. „Man gewinnt eine andere Sichtweise auf das Leben. Man wird gelassen.“ Am 18. Oktober erreichte er schließlich gesund und mit 8000 Fotos auf der Kamera Rom. „Ich stand auf dem Petersplatz und war einfach nur überwältigt und aufgewühlt“, erinnert er sich. Doch der eigentlich überwältigende Augenblick sollte wenige Tage später folgen.

Ein Gespräch mit dem Papst

Noch von Deutschland aus hatte Link über die Diözese Rottenburg-Stuttgart eine Einlasskarte für eine Papstaudienz beantragt. Mit Verweis auf den Faustin-Mennel-Arbeitskreis, bei dem er sich zusammen mit anderen für Kinder in Argentinien engagiert, hatte er geschrieben: Es sei sein größter Wunsch, den Papst aus der Nähe zu sehen. Sein Wunsch ging in Erfüllung. Bei der Audienz erhielt er einen der begehrten Plätze vorne, er stand in der zweiten Reihe. Als der Papst kam, gingen die zwei vor ihm Stehenden zur Seite und er konnte aufrücken. „Ich zeigte Papst Franziskus unseren Prospekt mit der Aufschrift ,Hoffnung für Kinder in Argentinien’“, erzählt er. Der aus Argentinien stammende Franziskus, der auch deutsch spricht, redete daraufhin mit ihm und unterschrieb sowohl den Prospekt als auch den Pilgerausweis. „Das war ein sehr emotionaler Moment für mich“, sagt Rudolf Link. „Ich hätte nie gedacht, dass ich den Papst so treffe. Es ist ein Traum.“

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