Die Glocken sollen bald wieder läuten

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Kirchengemeinderat Albrecht Martin ist einer der wenigen, die regelmäßig in den Glockenstuhl hinaufsteigen. Die dunklen Flecken
Kirchengemeinderat Albrecht Martin ist einer der wenigen, die regelmäßig in den Glockenstuhl hinaufsteigen. Die dunklen Flecken im Holz weisen auf Fäulnis hin. (Foto: SZ-Fotos: Katrin Bölstler)
Schwäbische Zeitung

Sie ist eine der schönsten und bedeutendsten Kirchen entlang der Oberschwäbischen Barockstraße: die St.-Verena-Kirche in Rot an der Rot. Jedes Jahr zieht sie Hunderte Besucher an, die staunend die barocke Pracht bewundern. Für die Roter Katholiken ist sie jedoch noch viel mehr: ihre Heimatkirche, in der sie ihre Kinder taufen, ihre Toten zur letzten Ruhe geleiten und zur Messe gehen. Seit knapp anderthalb Jahren ist nun klar: Der Glockenstuhl ist stark sanierungsbedürftig. Zwei Glocken dürfen aus Sicherheitsgründen nicht mehr geläutet werden, Teile des Gebälks sind marode. Die Diözese Stuttgart-Rottenburg und das Amt für Denkmalpflege übernehmen einen Teil der Kosten. Die Kirchengemeinde muss jedoch selbst 100000Euro an Spenden aufbringen.

Albrecht Martin ist stellvertretender Kirchengemeinderatsvorsitzender, bei ihm laufen die Fäden rund um das Thema Sanierung zusammen. Zum Termin erscheint er mit einem dicken Aktenordner. Darin sind all die Unterlagen gesammelt, die inzwischen belegen, was alles genau im Glockenstuhl saniert werden muss und wie viel es kosten wird.

Balken haben sich abgesenkt

Auf die Schäden aufmerksam wurde die Gemeinde, als vor anderthalb Jahren eine routinemäßige Wartung anstand. „Dabei kam heraus, dass unter anderem manche der Holzbalken sich abgesenkt haben, was die ganze Konstruktion in eine Schieflage gebracht hat“, erklärt er. Dadurch, dass die Balken aufgrund von Feuchtigkeit und anderen Einflüssen ihre Position verändert haben, haben nun manche der Glocken eine leichte Schieflage. Beim Läuten schrammen sie am Gebälk vorbei und fräsen dabei richtige Rillen ins Holz.

St. Verena verfügt über zwei Glockentürme, erklärt Martin. Im südlichen Glockenturm befinden sich sechs Glocken auf drei Stockwerken. Die Angelus- und die Dreifaltigkeitsglocke auf der untersten Ebene stehen zurzeit still. Beide stammen aus dem Jahr 1681. „Der Glockenstuhl und die Sakristei sind älter als die restliche Kirche, die zwischen 1777 und 1786 erbaut wurde“, erklärt Martin, während er in den Turm hinauf führt. Stufe um Stufe geht es immer weiter hinauf. Die Treppe ist eng, die Stufen sind schief und abgenutzt. Auch sie werden bei der Sanierung erneuert. Um zu den einzelnen Glocken zu gelangen, müssen die Besucher sich zwischen Balken hindurchschlängeln und dabei stets auf ihr Gleichgewicht achten. Die Feuchtigkeit, erklärt Martin, dringe durch die Schallluken in den Glockenturm. Über die Jahrhunderte sei so mancher Balken von innen verfault und morsch geworden.

Er zeigt auf einen Balken vor sich, der an manchen Stellen schon ganz schwarz ist. „All das müssen wir auswechseln“, sagt er und zeigt auf weitere morsche Stellen. Bei den ersten Glocken angekommen, deutet er auf die Stelle, an der sich jene Glocke beim Läuten bereits in das Holz gefressen hat. Und auch auf den anderen Ebenen sind ähnliche Schäden sichtbar. Über den immens großen Dachboden, weitere endlose Treppen hoch und runter, geht es danach in den nördlichen Glockenturm. Dort befindet sich die Verenaglocke, die nur an Festtagen geläutet wird. Sie stammt aus dem Jahr 1701 und ist 4,5 Tonnen schwer. Auch hier sind ähnliche Schäden erkennbar.

Die Kosten für die Sanierung werden laut Gutachten auf 680 000 Euro geschätzt. Bisher hat die Kirchengemeinde 85 000 Euro an Spenden akquiriert. Fehlen aktuell also noch 15 000 Euro. Martin ist sich jedoch sicher, dass sie auch noch diesen Betrag zusammenbekommen. „Die Kirche ist es wert und viele Menschen haben uns schon unterstützt, auch die örtlichen Firmen“, sagt er. Inzwischen liegt sogar die Baugenehmigung vor, im Juli sollen die entsprechenden Arbeiten ausgeschrieben werden.

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