Zwischen Putztuch und Designermode: Was den Riedlinger Gallusmarkt ausmacht

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 Kathrin Bamberger (rechts) bietet beim Riedlinger Gallusmarkt Designer-Mode an und berät ihre Kundinnen individuell.
Kathrin Bamberger (rechts) bietet beim Riedlinger Gallusmarkt Designer-Mode an und berät ihre Kundinnen individuell. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Das Treiben ist bunt auf dem Gallusmarkt in Riedlingen und das Angebot an Waren vielfältig. Stark vertreten sind Textilien, aber auch Haushaltswaren und -helfer. Ob Tücher, Pasten oder sonstige Mittel, alles was zum Putzen taugt, wird auf so einem Markt zum wahren Wundermittel.

Sie anzupreisen und unter die Leute zu bringen, da ist Peter Stoker ein Meister. Er nennt fast alle Frauen „Schätzchen“ und hat stets einen kecken Spruch auf den Lippen: „Der Lappen-Joe macht alle Hausfrau’n froh und die Männer ebenso“, dichtet er verkaufssteigernd.

Bei Edeltraud und Josef Hänle dagegen ist es in erster Linie der Nachwuchs, der sich über ihr Angebot freut. Ihr Süßwarenwagen steht vor dem Wasserwirtschaftsamt, wie lange schon, das weiß er schon gar nicht mehr.

35 bis 40 Jahre schätzt der Mann, der seine Fingerfertigkeit beim Brennen von Mandeln meisterhaft beherrscht. Schließlich kommt es auf Sekunden an, verrät er. Manchmal kann man sich an den Tüten noch die Hände wärmen, so unmittelbar werden sie zubereitet.

Geschmack der Kunden ist vielfältiger als früher

Was sich in den Jahrzehnten verändert hat? Der Geschmack der Kunden ist vielfältiger geworden. Inzwischen gibt es Mandeln, die mit Vanille, Nugat, Kokos oder – für die Erwachsenen – auch mit Amaretto oder Rum verfeinert werden.

Wurden früher nur Mandeln und vielleicht auch Erdnüsse in die erhitzte Zuckermasse gegeben, so gehören heute ganz selbstverständlich fast alle Nusssorten zum Programm.

Die Geschäfte laufen gut, sagt der Händler. Schließlich ist so ein Markt etwas Besonderes. Und wenn es dennoch zu Diskussionen zwischen Eltern und Kindern gibt, setzen sich die Kleinen meistens durch, lässt er wissen, bei Oma und Opa sowieso. Magenbrot gehört ebenfalls zum Marktklassiker. Was nicht mehr angeboten wird, ist Pfefferminzbruch. „Der kommt nicht mehr an.“

 Peter Stoker hat für jeden Schmutz ein Mittelchen parat und einen lockeren Spruch auf den Lippen.
Peter Stoker hat für jeden Schmutz ein Mittelchen parat und einen lockeren Spruch auf den Lippen. (Foto: Waltraud Wolf)

Das Ehepaar Hänle, das seit Jahren bereits von Tochter Nicole Strahl unterstützt wird, hat seinen Verkaufswagen in Riedlingen schon am verkaufsoffenen Sonntag aufgestellt.

Ansonsten sind Hänles mit ihren Leckereien noch am Fohlenmarkt in der Donaustadt und insgesamt im ganzen süddeutschen Raum unterwegs, um mit Leckereien zu verwöhnen.

Für Kathrin Bamberger war das Engagement beim Riedlinger Gallusmarkt zunächst einmal ein Experiment. Schließlich bietet sie hochwertige Designer-Mode an, die man nicht unbedingt auf einem Krämermarkt vermutet.

Ich wollte etwas anderes machen als die anderen. Kathrin Bamberger

Inzwischen hat sie eine Stammkundschaft gewonnen, die weitere Interessenten auf sie aufmerksam macht und das inzwischen seit rund zehn Jahren. Die gelernte Schneiderin, die 1985 mit ihrer Familie aus der damaligen DDR ausreiste und zunächst in München Kunstgeschichte studierte, verschlug es dank der Liebe ins Oberland, wo sie sich wieder ihrem eigentlichen Beruf widmete.

„Ich wollte etwas anderes machen als die anderen", beschreibt sie ihr Angebot. Mit gefilzten Blüten fing es an. Renner sind ihre Walkjacken mit besonderen Schnitten und Formen, Hingucker die selbst kreierten Hüte aus „gekochter Wolle“ und immer mit viel Chic.

Gestrickte Schulterwärmer

Die könne man zusammenlegen und in die Tasche stecken, erklärt sie den Unterschied zu gefilzter Ware. Das Besondere an ihnen ist auch die „Garnierung“. Die gestrickten Schulterwärmer erhalten ihren Pfiff durch die eingefilzte Wolle.

„Fast wie ein Bild wirkt das“, schwärmt sie. Den Entwurf und die Fertigung ihres Schmucks schätzt sie als Ausgleich zur Näherei. Da könne sie spielerisch kreativ sein, während die Näharbeit hohe Konzentration verlange. Ihr Stammplatz ist am Weibermarkt vor der einstigen Boutique „Casablanca“, wobei ihr ein bisschen Kummer bereitet, dass sie zwischen den großen Ständen ganz versteckt wirkt.

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