Zerstörtes Festzelt: Musikverein muss 30.000 Euro bezahlen

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Beim Wintereinbruch Ende April wurde das Festzelt in Zell komplett zerstört.
Beim Wintereinbruch Ende April wurde das Festzelt in Zell komplett zerstört. (Foto: Archiv/Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Das Datum des 26. Aprils 2017 wird der Vorstand des Musikvereins Zell-Bechingen, Franz-Michael Ott, sicher sein Leben lang nicht vergessen. Denn an diesem Tag hat der späte Wintereinbruch das Festzelt zerstört, das bereits für das Zeller Frühlingsfest aufgestellt war. Lange Monate war ungewiss, was dies für die Zukunft des Vereins bedeutet und welche Kosten am Musikverein bleiben. Nun, rund sechs Monate später, ist klar: Der Verein kommt mit einem blauen Auge davon. Die Versicherung des Zeltverleihs hat einen Großteil der Kosten übernommen. Am Musikverein bleiben dennoch knapp 30 000 Euro hängen.

Aber dass die Versicherung einspringen würde, das war lange Zeit überhaupt nicht sicher. „Nervenaufreibend“ nennt Ott die Tage, Wochen, Monate nach dem 26. April. Die Schadenssumme von rund 110 000 Euro hing wie ein Damoklesschwert über den Musikern des kleinen Riedlinger Teilorts. Die Zell-Bechinger haben in alle Richtungen Gespräche geführt, um Hilfe und Unterstützung zu erhalten. Mit dem Kreisverband wurde gesprochen, mit dem Landesverband. Die Bundes- und Landtagesabgeordneten wurden angesprochen und natürlich auch die Kommunalpolitik.

Und natürlich gab es viele Gespräche mit der Sparkassenversicherung – der Versicherung des Zeltverleihers und zugleich die Versicherung, bei der die Musikvereine im Lande angemeldet sind. Die hat nun rund 80 Prozent des Schadens übernommen, auch weil die Wettervorhersage – im Nachhinein – zu Gunsten der Zell-Bechinger ausfiel. Denn damals wurde Schneefall bis auf 700 Meter vorhergesagt. Zell liegt aber auf rund 550 Metern. So kam „höhere Gewalt“ als Ursache für den Schaden zum Tragen und ein Großteil der Summe wurde durch die Versicherung übernommen. Und das Damoklesschwert über dem Verein war schon nicht mehr ganz so scharf.

Am 1. Tag seines Urlaubs hat Franz-Michael Ott die gute Nachricht erhalten – und noch ein Geheimnis daraus gemacht. Denn vier Tage später hatte sein Stellvertreter seinen 40. Geburtstag. Dem hat er diese Nachricht mit unter die Geschenke gesteckt, erzählt Ott grinsend – und so dem Vize eines der schönsten Geschenke an dem Tag gemacht.

Aktionen gestartet

Doch muss der Verein über 28 000 Euro selbst schultern. Daran wird schon gearbeitet. Mit verschiedenen Aktionen will der Verein von den Schulden runterkommen. So wurde schon bei Firmenfesten die Bewirtung übernommen, so sind weitere Aktionen geplant, um die Summe zu reduzieren. Durch die Vermittlung des CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Dörflinger wird das Landespolizeiorchester voraussichtlich im März ein Benefizkonzert in Zell geben. Und auch eine Spendenaktion ist noch geplant.

Ott stellte auch eines klar: Die bisherigen Gewinne aus den Frühlingsfesten der vergangenen Jahre seien in die Instrumente und die Ausbildung der Jugendlichen geflossen. Anderslautende Gerüchte entsprächen alle nicht der Wahrheit.

Nun hat auch die Stadt ihr Scherflein zum Abbau der Schulden dazu gegeben. Der Kultur- und Sozialausschuss hat einstimmig beschlossen, den Musikverein wegen diesem immensen Schadensfall einen Zuschuss von 3000 Euro zukommen zu lassen. Das ist zwar mehr als die Vereinsförderung der Stadt üblicherweise vorsieht, aber der Schadensfall ist auch nicht der Norm entsprechend. Roland Uhl wies zwar noch auf den Gleichheitsgrundsatz hin – gleichwohl stimmte er zu –, aber Zell-Bechingens Ortsvorsteher Matthias Rettich war sich sicher: „Bei so einem Schadensereignis verstehen Vereine, dass man eine Ausnahme macht.“ Zumal auch viele benachbarte Musikvereine schon direkt nach dem 26. April ihre Unterstützung angeboten hatten.

Daugendorfs Ortsvorsteher Armin Lenz fragte zudem an, ob die Gemeinderäte nicht auf ihr Sitzungsgeld in einem Quartal verzichten und dies als Spende an den Musikverein weitergeben wollen. Dies sei auch in der Vergangenheit schon mal so praktiziert worden. Es wurde vereinbart, dass sich die Räte in den Fraktionen darüber beraten werden.

Seit 44 Jahren gibt es das Frühlingsfest in Zell-Bechingen, das letzte große, regelmäßig stattfindende Zeltfest im Raum Riedlingen, so Ott. Und er zeigte sich zuversichtlich, dass auch zum 100-jährigen Jubiläum des Musikvereins im Jahr 2033 ein Zeltfest stattfinden kann. Denn trotz der Schulden, die Voraussetzungen passen, so Ott: „Die Kameradschaft stimmt, wir packen wieder an“, sagte der Vorsitzende.

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