Zeitung als Ausdruck von Meinungsfreiheit

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 Winfried Aßfalg nahm die rund 90 Besucher auf eine Reise in die Zeitungsgeschichte mit.
Winfried Aßfalg nahm die rund 90 Besucher auf eine Reise in die Zeitungsgeschichte mit. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Mit einem Vortrag vom Vorsitzenden des Altertumsvereins zur Zeitungsgeschichte in Riedlingen feierte die Schwäbische Zeitung ihr 300-Jähriges. Die rund 90 Besucher erlebten im Spital zum Heiligen Geist einen unterhaltsamen Abend: Schönes Ambiente, kurzweiliger und informativer Vortrag, ein launiger Regierungspräsident Klaus Tappeser, der zum Jubiläum gratulierte, und das Spiel auf dem Hammerflügel als Sahnehäubchen.

Einen passenden Rahmen hat sich die Schwäbische Zeitung Riedlingen ausgesucht, um ihr 300-jähriges Erscheinen zu feiern: die frühere Kapelle im ehemaligen Spital zum Heiligen Geist am Wochenmarkt. Und hier, im Raum der Galerie im Erdgeschoss, befindet sich der weltberühmte Hammerflügel des in Riedlingen geborenen Wiener Klavierbauers Conrad Graf. Auf ihm demonstrierte Anita Bender, Pianistin aus Biberach, was diesen weltberühmten kleinen Flügel ausmacht. Mit Schubert bis Schumann zeigte sie furioses Klavierkönnen in der besonderen Musikzimmeratmosphäre mit den dicht um den Flügel sitzenden Zuhörern. Viel Lob und großer Applaus.

Als gebürtiger Saulgauer lobte Regierungspräsident Klaus Tappeser in seinem Grußwort Riedlingen als „Stadt des Geistes“ und zählte von St. Agnes bis zum Kapuzinerkloster die herausragenden Stätten des Städtles auf. Da sei es nachvollziehbar, dass Riedlingen auch stolz sei auf 300 Jahre Zeitung. Gedruckte Zeitung – heute nicht mehr selbstverständlich bei zunehmender Digitalisierung. Er ermutigte die Redaktionsmitglieder, ihre „vierte Gewalt“, mit Macht und Verantwortung auszuüben.

Bürgermeister Marcus Schafft erinnerte mit dem Zitat des Artikels fünf des Grundgesetzes über die Meinungs- und Pressefreiheit an die Wichtigkeit der Zeitung. Schafft zeigte sich stolz, dass Riedlingen die älteste immer noch erscheinende Zeitung in Württemberg entwickelt hat und Riedlingen immer noch Redaktionsstandort ist: „300 Jahre Kontinuität.“

Und Bruno Jungwirth, Leiter der SZ-Lokalredaktion in Riedlingen, beschrieb den Wandel im „Zeitungsgeschäft“: Wurden vor 20 Jahren noch die fertigen Zeitungsseiten am Abend per Boten ins Druckhaus gefahren, erledige das ein Knopfdruck. Nahezu sofort seien Artikel des Folgetages auch digital zu lesen. Der Trend zur Digitalisierung wachse; auch das mache sich in der Redaktion in Riedlingen mit einem geänderten Arbeitsumfeld bemerkbar. Die Menschen schnell, ausgewogen, korrekt zu informieren, sieht Jungwirth nach wie vor als die Aufgabe des Redaktionsteams.

Und Winfried Aßfalg – Museumsleiter, Vorsitzender des Altertumsvereins und Ehrenbürger der Stadt – präsentierte die „Geschichte und Geschichten“ zur Riedlinger Zeitung, wie Jungwirth seine Ausführungen vorstellte. In Aßfalgs rund 45 minütigen informativen und unterhaltsamen Vortrag, gab er den Besuchern einen Überblick über die Geschichte der Zeitung, die eng mit der Familiengeschichte Ulrich-Haag verbunden ist. Von einer Familien-Saga sprach Aßfalg, denn von Gründervater Valentin Ulrich bis 2001 waren Zeitung und Verlag in Familienhand. „Eine unglaubliche Konstante schwäbischer Unternehmertradition“, so Aßfalg.

Mit dieser Veranstaltung in der ehemaligen Kapelle, den „heiligen Hallen“ werde Ulrich ins „Wallhalla“ der wichtigen Riedlinger aufgenommen, die Aßfalg 2005 im Buch „Lauter Riedlinger“ verewigt hat. Ulrich war eine schillernde Persönlichkeit, lebte in Stuttgart, Ehingen, Grüningen und Riedlingen. Er hat die Zeitung gedruckt, bevor er das eigentliche Druckprivileg aus Wien erhielt. Aber er hat es erhalten.

Hernach zeichnete Aßfalg die facettenreiche Entwicklung der Familie und des Verlags nach (siehe Kasten), ging aber auch auf andere Aspekte ein. So war es etwa damals nicht üblich, dass in der Zeitung Lokalnachrichten abgedruckt wurden. Das war erst ab 1922 der Fall. Bis dahin beherrschten Nachrichten vom Hofe oder Papst die Zeitung. Aber auch Skurilitäten sind dort zu finden, wie der Museumsleiter an amüsanten Beispielen zeigte. So war etwa damals schon eine absonderliche Geschichte aus dem österreichischen Oberndorf zu lesen, wo drei Räuber einen Pfarrer zwei Mal zu Ader ließen – erst finanziell, indem sie ihn ausraubten, und dann auch ganz real: weil der Überfall doch sicher seine Gesundheit angegriffen habe.

Viele Aspekte, Querverbindungen oder Informationen zu weiteren Aktivitäten der Verleger packte Aßfalg in seinen mit viel Applaus bedachten Vortrag, verbunden mit dem Wunsch: „Mögen der Schwäbischen Zeitung und hier vor allem der Ausgabe Riedlingen (...) viele gute Jahre vergönnt sein. Schreiben Sie mutig in die Zukunft!“

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