Zeichnungen mit kühner Linienführung

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Die gebürtige Riedlingerin Käthe Schönle vor der eigens für die Ausstellung im Kaplaneihaus geschaffenen Collage auf Plexiglas.
Die gebürtige Riedlingerin Käthe Schönle vor der eigens für die Ausstellung im Kaplaneihaus geschaffenen Collage auf Plexiglas. (Foto: Waltraud Wolf)
Waltraud Wolf

Die Ausstellung „Zeichnen + Wundern“ von Käthe Schönle im Kaplaneihaus in Riedlingen ist bis 29. Juli freitags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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„Mit einer kleinen Zeichnung, einigen Bleistiftstrichen, kann man schon einen wundersamen Raum öffnen, neugierig machen und im besten Fall die Betracher in Bann ziehen: Zeichnen + Wundern“, weist Käthe Schönle auf ihre Ausstellung beim Kunstkreis 84 Riedlingen hin. Diese wird am Donnerstag, 5. Juli, ab 19 Uhr im Kaplaneihaus eröffnet.

Nach 2001 ist es die zweite große Ausstellung der Riedlingerin in ihrer Heimatstadt. Damals, noch zu Beginn ihres Kunststudiums in Kassel waren kräftige Farben das Markenzeichen ihrer Malerei. Auch heute noch bearbeitet sie große Leinwände, arbeitet aber auch in kleinen Formaten. Manchmal mischt sie Zeichnungen und Malerei, verwendet neben Bleistift, Ölkreide, Acryl, Kohle oder Ölfarben.

Für Riedlingen hat sie vorrangig Zeichnungen ausgewählt, die sie häufig mit Bemerkungen versieht, auch in Spiegelschrift, um den Betrachter noch näher heranzuführen, zudem oft in Englisch. Szenen werden dargestellt, Beziehungen aufgegriffen, manche witzig, andere erschreckend ernst. Dr. Günter Baumann, Kurator des Böblinger Kunstvereins, schreibt über die Künstlerin: „Käthe Schönles poetisch-erzählerische Szenarien vermitteln faszinierende Bilder von destruktiver Lust und eigenwilliger Schönheit.“

Was zuweilen wie ein Sekunden-Handstreich aussehe, folge einer traumwandlerischen sicheren Komposition. Käthe Schönle ziehe förmlich und buchstäblich die Fäden dieser Szenarien. „So sehr es um exzentrische Situationen geht, die nah am Abgrund inszeniert sind, rebelliert die Künstlerin zugleich gegen den Sog nach unten: fast frohsinnig, verspielt, unprätentiös und mit einer kühnen Linienführung“. Gefühle aufzeigen und auslösen zu können mit diesen Zeichnungen und Notaten findet sie selber spannend.

Katharina Schönle wurde 1976 in Riedlingen geboren und legte 1995 am Kreisgymnasium ihr Abitur ab. Kunst zu studieren, war von Anfang an ihr Wunsch. Im ersten Jahr erhielt sie mit ihren Mappen zwei Absagen, im zweiten hätte sie an fünf Hochschulen studieren können. Sie entschied sich für Kassel. „Es ist ein hart umkämpfter Markt“, sagt die Künstlerin heute, Überzeugung und Durchhaltevermögen seien notwendig. Langfristig dran zu bleiben im freien Beruf sei eine Herausforderung, aber es funktioniere ganz gut. „Ich finde Erfüllung in dem Beruf“, betont sie, verschweigt aber nicht, wie viel Aufgaben es neben dem künstlerischen Schaffen gibt, die sie als freischaffende Künstlerin zu bewältigen hat. Trotzdem bleibe die Hälfte der Zeit für die Kunst, das Experimentieren mit dem Material, mit den Händen.

Nach dem Studium der freien Kunst und der visuellen Kommunikation 2006, die sie beide mit Auszeichnung abschließt, verschlägt es sie nach Wien; der Stadt, aus der ihre Großmutter mütterlicherseits stammt. „Es ist wie ein Dorf, so gemütlich, hat aber alle Vorzüge einer Großstadt“. Aus dem geplanten Jahr sind zwölf und ihr Lebensmittelpunkt mit Ehemann und zwei Kindern geworden. Aus dem künstlerischen Aspekt sei Wien eine gute Adresse, hat sie erkannt: In den letzten zehn Jahren hat sich die Szene gut entwickelt, auch für Frauen. Interessant und überschaubar, nennt sie die Kunstszene in der österreichischen Hauptstadt. „Man kennt sich“ und doch sei sie international ausgerichtet. Seit 2009 hat sie in einem Atelierhaus beim Westbahnhof einen festen Arbeitsplatz.

Dort übt sie auch ihre Tätigkeit als Grafik-Designerin und Illustratorin für verschiedene Auftraggeber aus, so für Magazine oder das Volkstheater in Wien. Sie entwirft Kunstdrucke und Kinderposter. Zudem hat sie kleine Büchlein mit eigenen Zeichnungen herausgegeben. „Ein zweites finanzielles Standbein“, nennt sie dieses Aufgabenfeld. Verweisen kann sie auf eine Fülle von Ausstellungen in Deutschland und Österreich, aber auch der Schweiz und sogar China. In diese beiden Länder führten sie Stipendien.

Für Riedlingen hat sie rund 33 Arbeiten aus den letzten Jahren mitgebracht, hauptsächlich Zeichnungen, aber auch Collagen und etwas kleinformatige Malerei. Extra geschaffen hat sie eine großformatige Druckcollage für den hinteren Raum des Kaplaneihauses, die sie nach der Vernissage am Donnerstag vorstellen wird und ein echter Hingucker ist eine gedruckte Collage auf Plexiglas für das große Flur-Fenster. Musikalisch gestaltet wird die Eröffnung mit Gesang von Laura Schafranek, Lehrerin an der Conrad Graf-Musikschule.

Die Ausstellung „Zeichnen + Wundern“ von Käthe Schönle im Kaplaneihaus in Riedlingen ist bis 29. Juli freitags, samstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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