„Wir sind jung und brauchen die Welt“

Lesedauer: 5 Min
Redaktionsleitung

„Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, klingt es am Freitagvormittag am Marktplatz von Riedlingen und auch um den Stock. Dazu machen die rund 20 Schülerinnen und Schüler die entsprechenden Bewegungen. Zusätzlich machen sie mit ihren Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam: Klima- und Umweltschutz. Die Initiative „Fridays for Future“ ist diesen Freitag noch ein bisschen mehr auch in Riedlingen angekommen.

Morgens um 9 Uhr sind es noch zwölf Schülerinnen und Schüler, die sich am Marktplatz treffen. Die Hälfte von ihnen von der Franz-von-Sales-Mädchenrealschule Obermarchtal, die andere Hälfte vom Kreisgymnasium. Diese Woche ist es eine ganz „legale“ Demonstration, die beim Landratsamt angemeldet wurde. Die Schüler haben sich über eine regionale Whatsapp-Gruppe zu „Fridays for Future“ zusammengefunden.

Das Anliegen wird im Gespräch klar. „Wir haben keinen Planeten B“, sagt eine Schülerin. Deshalb soll man aufhören, den Regenwald abzuholzen, Plastik zu benutzen, Meere zu verschmutzen. Die Pole schmelzen weg, das Klima kippt – darauf wollen die Schüler aufmerksam machen. Auch mit Plakaten: „Wir wollen eine Zukunft“, steht da oder „Wir sind jung, wir brauchen die Welt“ und „Sagt Nein zu Plastik“.

Dabei wollen sie auch bei sich selbst anfangen, wie sie im Gespräch mit einer Passantin betonen. Die moniert, dass Schüler für Umwelt- und Klimaschutz auf die Straßen gehen, aber um die Schulen der meiste Müll liegt. „Wie sieht’s denn um eure Schule aus?“, fragt sie. Die Schüler geben ihr zum Teil recht, verteidigen sich aber auch: Sie sammeln Müll ein, sie würden aufräumen. Ein paar Schülerinnen betonten, dass sie versuchen möglichst umweltschonend zu leben. Beispiele: Wo möglich, den ÖPNV benutzen, kein Plastik und keine Einwegbecher verwenden und auch Second-hand-Kleidung tragen.

Die Teilnehmer verwehren sich gegen das Argument, dass sie auch mittags demonstrieren könnten, ohne die Schule zu verpassen: Das würde weniger Aufmerksamkeit bringen und – „was bringt es uns einen Tag in der Schule zu sein, und keine Zukunft zu haben“.

Keine wilden Demos

Die Schulleiter begrüßen grundsätzlich, dass sich die Schüler politisch für den Klimaschutz engagieren. Doch unentschuldigtes Fehlen können sie nicht tolerieren. „Als Schulleiter und Pädagoge bin ich froh, dass unsere Jugend sich politisch zeigt“, sagt Dr. Matthias Hoffmann vom Progymnasium Bad Buchau. Aber beim Thema Präsenz ist er klar: Die Linie gebe das Schulgesetz vor, unentschuldigtes Fehlen ist nicht vorgesehen. Aber er spricht sich gegen Pauschalierungen aus. Doch bislang stellt sich das Thema in Bad Buchau nicht.

„Wir halten uns an die Vorgaben des Kultusministeriums“, sagt Anja Blüthgen, Schulleiterin des Kreisgymnasiums. Demokratieverhalten soll in der Schule trainiert werden, aber die Schulpflicht darf nicht aus den Augen verloren werden. Wer unentschuldigt fehlt, müsse mit den normalen Strafmaßnahmen rechnen, so Blüthgen. Man lasse nur Kinder zu Demos gehen, wenn Eltern dies beantragt haben.

„Zu einer wilden Demo lassen wir keine Kinder gehen“, betont auch Werner Rieber, Rektor der Realschule. Wer dennoch im Unterricht fehlt, riskiert einen Verhaltenseintrag. Die Thematik werde im Unterricht aufgegriffen, auch die SMV sei involviert. „Wenn daraus eine pfiffige Aktion wird, ist es gut“, so Rieber, der es persönlich gut findet, dass sich die Schüler engagieren.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen