Werden die Straßenbaupläne in Riedlingen gekippt?

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Bleibt der Bahnübergang in der Hindenburgstraße dauerhaft geöffnet?
Bleibt der Bahnübergang in der Hindenburgstraße dauerhaft geöffnet? (Foto: Bruno Jungwirth)
Schwäbische Zeitung

Nun muss der Gemeinderat Riedlingen Farbe bekennen: Welche Straßenplanungen sollen in Riedlingen umgesetzt werden? Denn die Signale aus dem Verkehrsministerium und dem Regierungspräsidium sind deutlich: Sollte die Ostumfahrung und damit die Verkehrsentlastung für die Neue Unlinger Straße kommen, braucht es den Ausbau des Römerwegs mit Brücke auf die B 311 sowie die Schließung des Bahnübergangs nicht mehr. Entweder – Oder. Die Stadt muss sich nun positionieren.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 soll mit der Planung der Ostumfahrung begonnen werden, so die Botschaft vom 21. Juni aus Stuttgart. So sieht es die neue Prioritätenliste des Landes vor. Doch eine Fußnote in dieser Liste macht auf dieses Dilemma aufmerksam: „Planungsbeginn in Abhängigkeit der Umsetzung kommunaler Maßnahmen im Nahbereich der Maßnahme“, heißt es dort. Sprich: Es geht um die Umsetzung der planfestgestellten und damit rechtskräftigen Eisenbahnkreuzungsgesetzmaßnahmen. In diesem Teil des EBKrG-Pakets sollte der Bahnübergang Hindenburgstraße geschlossen und dafür die Römerstraße ausgebaut werden. Auf Höhe des Schützenhauses sehen die Pläne eine Brücke mit Anschluss an die B 311 vor.

Behörden rücken ab

Bei der Erstellung der Pläne noch zu Zeiten von Bürgermeister Hans Petermann war auch ein Anschluss an eine mögliche Ostumfahrung vorgesehen, die an dieser Stelle von der B 311 abschwenken und oberhalb des Vogelbergs um Riedlingen herum führen sollte. Doch von einem „Sowohl Eisenbahnkreuzungsgesetzmaßnahmen als auch Ostumfahrung“ sind die Behörden nun wohl abgerückt. Durch die Entlastung auf der Durchfahrt auf der neuen Unlinger Straße ist nach Landessicht eine Schließung des Bahnübergangs nicht mehr notwendig – und damit auch das ganze 14 Millionen Euro teure Straßenbauvorhaben, an dem sich die Stadt mit rund zwei Millionen Euro beteiligen müsste.

Derzeit gilt in der Stadt die Beschlusslage, dass beide Straßenbauprojekte begrüßt werden. Im März 2017 wurde im Bauausschuss der Stadt bei sieben zu fünf Stimmen beschlossen, an den Straßenplanungen im Römerweg und der Schließung des Bahnübergangs festzuhalten. Auch die Ostumfahrung wird von der Mehrheit gutgeheißen. Doch sollte das Land auf ein „entweder - oder“ für eines der Projekte drängen, müssten sich die Räte entscheiden.

Abstimmung steht an

Darauf angesprochen hält sich Bürgermeister Marcus Schafft bedeckt. Er habe die Befürchtung, dass der Planungsbeginn sich über das Jahr 2025 hinauszögere, sollte die Stadt an den Straßenplänen Römerweg/Bahnschließung festhalten, so Schafft.

Zunächst stehen nun Abstimmungsgespräche zwischen den Verantwortlichen im Verkehrsministerium, im Regierungspräsidium und der Stadt an. Dabei soll der ganze Komplex der Straßenplanungen auf dem Tisch. Denn die planfestgestellte Eisenbahnkreuzungsmaßnahme beinhaltet auch Punkte wie einen Park+Ride-Platz jenseits der Bahngleise auf der Seite der Neuen Unlinger Straße und eine Fußgänger- und Radfahrerbrücke über die Gleise. Diese Punkte sollen unstrittig behalten werden.

Kommt die Südumfahrung

Aber auch eine weitere Frage gilt es noch für die Räte zu klären: Soll der 2. Abschnitt der Südumfahrung von der Abzweigung der L 277 (Straße nach Altheim) bis zum Tuchplatz verwirklicht werden? Kostenanteil der Stadt an dieser über acht Millionen Euro teuren Maßnahme: rund eine Million. Im Februar 2015 hatte der Rat beschlossen, dass die Südumfahrung der Rechtssicherheit wegen im förmlichen Planfeststellungsverfahren weiter verfolgt wird. Damals hieß es, dass es nicht nur um Verkehrsentlastung, sondern auch um die Aufwertung der Quartiere und die Erhöhung der Wohnqualität gehe.

Doch inzwischen gibt es auch andere Gedankenspiele – nämlich: den Verkehr weiterhin über die Hindenburgstraße und die Weiler Straße zu leiten und diese zweispurig auszubauen. Ein Nadelöhr – die einspurige Holzbrücke – soll im Jahr 2020 entfallen, wenn die neue Brücke zweispurig gebaut wird. Im weiteren Verlauf könnte der Verkehr auch durch die Engstellen der Weilerstraße zweispurig geführt werden. Dabei müssten auch keine Häuser abgebrochen werden müssten, wie es Stadtrat Stefan Schmid in der jüngsten Sitzung des Rats befürchtet hatte. Stattdessen wurde von Verwaltungsseite eine Auflösung einer Gehwegseite an dieser Stelle ins Spiel gebracht.

Zweispurig durch die Weilerstraße

Sollte der Verkehr auch künftig durch die Hindenburgstraße, den Tuchplatz und die Weilerstraße als „Hauptverbindung“ geführt werden, ist damit auch eine Aufwertung zur Kreisstraße – inklusive Trägerschaft durch den Landkreis – vom Tisch. Denn die war bei einer Realisierung der Südumfahrung in einer Vereinbarung zwischen Landkreis und Stadt vom März 2009 in Aussicht gestellt worden. Noch im März diesen Jahres hatte Schafft davon gesprochen, dass eine Prüfung durch den Landkreis anstehe, ob die Hindenburgstraße auch ohne Schließung des Bahnübergangs zur Kreisstraße aufgewertet werden könne. Doch, dass eine Straßenführung durch die Riedlinger Quartiere als eine „Straße des überörtlichen Verkehrs“ gewertet und damit zur Kreisstraße erhoben werden, ist mehr als unwahrscheinlich. Zumal die Vereinbarung von 2009 eine Aufstufung zur Kreisstraße erst nur nach der Umsetzung der der Abschnitte I (Ausbau Römerweg) und III (Südumfahrung bis zum Tuchplatz) in Aussicht stellt.

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