Wenn der Opa davonfliegt

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Im Stück geht’s zur Sache: (von links) Paul Gulde (Pfarrer), Andreas Reuchlin (Peter), Hubert Lotzer (Josef) und Sabine Blum (Fr
Im Stück geht’s zur Sache: (von links) Paul Gulde (Pfarrer), Andreas Reuchlin (Peter), Hubert Lotzer (Josef) und Sabine Blum (Frida). (Foto: RaDulescu)
Alexander Radulescu

Die Theatergruppe Pflummern hat in diesem Jahr den Schwank „Das große Geheimnis“ aufgeführt. In drei Aufführungen gaben die aktiven Mitglieder ihr schauspielerisches Können auf der Bühne zum Besten. Die Theatergruppe setzte für die Mittagsaufführung speziell für Senioren aus der Umgebung einen Bus ein, ließ sie abholen und bewirtete sie mit Kaffee und Kuchen. So kamen Senioren aus den Teilgemeinden Grüningen, Daugendorf, Zwiefaltendorf und dieses Jahr erstmalig auch aus Zell-Bechingen in den Genuss einer exzellenten Theateraufführung.

Der Schwank „Das große Geheimnis“ von Bernd Gombold spielt in einer Bauernstube des Ehepaars Elisabeth (Sabrina Vogel) und Peter Schäfer (Andreas Reuchlin). Beide treiben einen schwäbischen Bauernhof um, dem es wirtschaftlich nicht so gut geht. Die Bank „dreht den Geldhahn zu“. Bauer Peter hat deshalb gleich mit mehreren Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Aussicht auf die Auszahlung der Lebensversicherung zum 80. Geburtstag des Großvaters ist die einzige Hoffnung. Wenn da nicht Schwester Frida (Sabine Blum) wäre, die ihren Anspruch auf Alleinerbin stellt. Sie erscheint immer wieder in der Bauernstube, um sich auch ihren Anteil an der ihr angeblich zugebilligten Aussteuer zu holen und dem Bauer zu Verstehen zu geben, dass die Eltern ihr alles vererbt haben. Kein Geschirr und keine Vase ist vor ihr und ihrem Korb sicher.

Noch während den Geburtstagsvorbereitungen stirbt dann der Opa. Peter sieht dann schon die Lebensversicherung gefährdet und beschließt, den Opa noch nicht als gestorben zu melden und ihn die nächsten zwei Tage bis zum Geburtstag noch als lebend auszugeben.

Viele Verwechslungen

Eine zufällige Bekanntschaft im „Ochsen“ erinnerte ihn stark an seinen Vater und er beschließt, mit selbigem einen Deal auszumachen. Der Fremde (Hubert Lotzer) solle bis zur Auszahlung der Lebensversicherung am Geburtstag den Opa spielen.

Viele Verwechslungen und Unstimmigkeiten nehmen ihren Lauf. Auch der Pfarrer (Paul Gulde) erscheint immer wieder. Er ist um sein leibliches Wohl besorgt und bestellt schon mal seinen Geburtstagsbraten, da er mit dem einfachen Wurstwecken als Geburtstagsessen nicht einverstanden ist. Unter dem Motto: „Der Mensch lebt nicht nur vom Glauben alleine.“ In der weiteren Geschichte nimmt er aus Unkenntnis herumstehende Badekräuter zu sich und verfällt in drogenähnliche Halluzinationen und „fliegt“ in der Wohnstube herum, sieht Petrus und Erzengel Gabriel.

Zum Geburtstag kommt auch Tochter Sabine (Corinna Nisch) nachhause. Nach einem längeren Studienaufenthalt in Anatolien kommt sie in Begleitung ihres Verlobten Ali (Sven Lingnau) zurück. In der urschwäbischen Bauersfamilie und im Dorf werden darauf viele Vorurteile losgetreten. Sabine brachte es auf den Punkt mit ihrer Äußerung: „Für die (gemeint sind die Eltern und das Dorf) sind die aus Grüningen bereits Ausländer. Geschweige denn Menschen aus dem Hinterland von Anatolien.“ Außerdem: „alle Terroristen haben einen Bart.“

So wird Ali Ötztürk zunächst als Albrecht vorgestellt, da Sabine die Vorurteile der Leute nicht noch weiter schüren wollte. Doch es kommt, wie es kommen musste. Die Verstrickungen und Verwirrungen nehmen ihren Lauf. Das Theaterpublikum hatte seine wahre Freude an den Anhäufungen der vielen wortgewaltigen Charaktere und dem Wirrwarr des Aufeinanderprallens der schwäbischen und türkischen Mentalität.

Als dann die Mutter von Ali, Fatma (Rosita Pfeiffer), zu Besuch kommt, wurde sie im Dorf sofort verdächtigt, eine Terroristin mit Sprengstoffgürtel zu sein. Viel Sprengstoff entfaltete sich deshalb in den darauffolgenden Szenen. Es stellte sich heraus, dass Sabine schwanger ist und im Heißhunger am liebsten „Saitenwürstle“ mit Schokocreme isst. Die Heirat und der Name des Kindes ist bereits geplant. Der zu erwartende Junge sollte Kemal heißen und dem Beschneidungsritual unterzogen werden. Was Peter immer wieder zu der belustigenden Verdrehung der Buchstaben machte und er von seinem Enkel „Kamel“ redete.

Die anfangs in Tüchern verhüllte Fatma entpuppt sich als eine moderne und vermögende Geschäftsfrau mit Hotels in Antalya. Der Fremde stellt sich als Stiefbruder Josef heraus, der extra vom Opa zu seinem Geburtstag eingeladen wurde. Der Opa wollte dies ursprünglich zum Anlass nehmen, dieses „große Geheimnis“ bekanntzugeben.

Langsam näherten sich die Kulturen an. Peter musste erkennen, dass Ausländer nicht nach Knoblauch riechen und, dass seine neue Familie zwar keinen neuen Traktor in die Ehe der Tochter mitbringt, dafür aber zwei Hotels und Grundbesitz hat. Der Stiefbruder freundet sich mit Fatma an und will mit ihr in der Türkei weiterleben. Sabine die vom Opa als Alleinerbin bedacht worden ist, überlässt ihren Eltern die geerbte Lebensversicherung.

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