Verabschiedung von Schulleiter Georg Knapp: Er hat Kreisgymnasium geprägt

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Redaktionsleitung

Weitere Bilder finden Sie unter www.schwaebische.de unter der Ortsmarke Riedlingen. Dort wird am Dienstag auch ein Video hochgeladen.

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17 Jahre lang hat Georg Knapp die Geschicke des Kreisgymnasiums Riedlingen geleitet und die Richtung vorgegeben. 1822 Abiturienten hat er in dieser Zeit das Zeugnis in die Hand gedrückt. Am Montagnachmittag ist er als Schulleiter vor vielen Gästen aus Politik, Gesellschaft und der Schulfamilie verabschiedet worden, auch wenn er offiziell erst am 1. August ausscheidet. Er habe das Kreisgymnasium zu einer „Kaderschmiede“ in der Region gemacht, lobte Landrat Dr. Heiko Schmid. Und seine Nachfolgerin Anja Blüthgen, die in der Veranstaltung als neue Direktorin bestellte wurde, sagte zu ihm: „Du hast ein großes Erbe hinterlassen.“

Im August 2001 ist Georg Knapp als Nachfolger von Franz-Josef Gester zum Schulleiter bestellt worden, wobei er bereits 1983 seine Tätigkeit als Lehrer am Kreisgymnasium aufgenommen hat. In diesen 17 Jahren seiner Schulleitung hat sich viel bewegt. „Es sei eine bewegende, eine umbrechende, eine immer schneller werdende Zeit der Reformen“ gewesen, betonte der Landrat in seiner Rede.

Viele Neuerungen

Was sich in der Zeit alles getan hat, ließen verschiedene Redner Revue passieren: Umstellung auf das achtjährige Gymnasium 2004, die erneute Umstellung auf G 9 als Modellschule 2013; das offene Ganztageskonzept; die Vorbereitungsklasse für Flüchtlinge; der Ausbau der Kooperationen mit anderen Schulen und mit Unternehmen oder die pädagogischen Schwerpunktsetzungen etwa bei der Lesekompetenz. Auch die Bildung von Arbeitsgemeinschaften, wie der Einrichtung der Singeklasse oder des sinfonisches Blasorchesters wurden hervorgehoben. Diese werben für die Schule, „sie sind für Schüler und Eltern ausschlaggebend für die Schulwahl“, so der Landrat.

Landrat Schmid ging auch auf die vielen Um- und Weiterbauten in den vergangenen Jahren ein, die der Landkreis als Schulträger vorgenommen hat. Vom Atrium über die Mediothek bis hin zur sanierten Sporthalle, den naturwissenschaftlichen Räumen und Lehrerstützpunkten. Aber bei alldem hob Schmid die Bedeutung des Schulleiters hervor, dessen Engagement, Kompetenz, pädagogischer Sachverstand und dessen Führungsstärke. „Sie werden der Schule fehlen“, so Schmid.

Offenheit für Veränderung

Lob kam an diesem Festakt, der von über 130 Chormitgliedern, und dem sinfonischen Blasorchester der Schule umrahmt wurde, auch von Dr. Susanne Pacher, der Abteilungspräsidentin im Regierungspräsidium Tübingen. Sie rückte in ihrer Rede auch das pädagogische Verständnis des scheidenden Schulleiters in den Vordergrund. „Werte kann man nicht lehren, sondern nur vorleben“, zitierte sie Viktor Frankl. „Dieser Gedanke passt perfekt zu Ihnen“, so Susanne Pacher, und: „Die Entfaltung der sozialen Verantwortung gehört wesentlich zu Ihrem Bildungsverständnis.“ Sie attestierte ihm in diesen 17 Jahren „Offenheit für Veränderung und Weiterentwicklung“.

Viele Zitate wurden auch in den weiteren Abschiedsreden zum Besten gegeben – mal in Deutsch, mal in Latein, wie es sich für ein allgemeinbildendes Gymnasium gehört. Als Mitglied der erweiterten Schulleitung dankte Bernd Lippmann seinem bisherigen Chef. Er attestierte nicht nur einen guten Führungsstil, der stets von Wertschätzung geprägt gewesen sei, sondern vor allem: Knapp sei jemand, dem die Menschenbildung am Herzen liege. „Schulische Bildung ist nicht nur der Abiturschnitt, sondern vor allem was die Menschen daraus machen“, so Lippmann.

Aufregende Jahre

„Georg Knapp hat die Schule geprägt“, betonte der Personalratsvorsitzende Michael Finkbeiner. Auch er nannte die vergangenen Jahre in der Schullandschaft, aufgrund des politischen Reformeifers, „aufregend“. Knapp habe dabei das Schulschiff mit sicherer Hand geführt. Elternvertreterin Veronika Bobke hob die gute Kommunikation von Schulleitung und Eltern hervor und die Gelassenheit, die Knapp ausgestrahlt habe. Auch die Schülervertreter Leander Vieten und Celine Poyatos Requena dankten für die Freiheiten die die SMV erhalten habe. Für die Schulleiter in Riedlingen dankte Werner Rieber für das gute Miteinander.

„Ja, ich habe es gerne gemacht“, zog Georg Knapp Bilanz seiner Schulleiterzeit. Er flocht aber auch Nachdenkliches ein. Von Traumjob wollte er insofern sprechen, als zum Traum auch Alpträume gehören. „Und die gibt es immer wieder.“ Aber: „Ich habe in meinem Schulleiterdasein nicht nur schattige und unwirtliche Passagen durchschreiten müssen, sondern auch herrliche Sonnenplätze in den Höhenregionen zusammen mit der Schulgemeinschaft erklimmen dürfen“, betonte Knapp, der in seinen Abschiedsworten den Wegbegleitern aus der Schule, dem Kollegium, den Behörden und Partnern dankte – und zuvorderst seiner Frau und seiner Familie.

Managerin und Visionärin

Die Verabschiedung von Georg Knapp war zugleich die Einsetzung von Anja Blüthgen, die ab dem 1. August die Schulleitung übernimmt. Glückwünsche kamen vom Schulträger, dem Regierungspräsidium und den Kollegen. Seit 2009 ist sie an der Schule tätig, nun rückt sie als erste Frau an die Spitze des Riedlinger Gymnasiums.

„Ich bin sicher, Sie werden den Spagat zwischen Kollegialität und Führungskraft schaffen“, so Landrat Schmid. Und Susanne Pacher bvom Regierungspräsidium betonte: „Sie werden neue und andere Schwerpunkte setzen als Herr Knapp. Und das ist auch gut so!“. Die Aufgaben sind da: die Reform der Kursstufe oder die Unterrichtsentwicklung. Dabei verlange Schulleitung beides: Verwalten und Visionen entwickeln, so Pacher. Dieses Selbstverständnis ließ auch Anja Blüthgen in ihrer „Antrittsrede“ durchscheinen. Sie wählte das Bild des Schiffes „KGR“. Dabei sieht sie sich als Teil des Teams: Sie werde nicht von der Brücke aus lenken, sondern als Teil der Mannschaft. Dabei gelte es die Sehnsucht nach dem blauen Meer, nach dem „Mehr“ zu wecken. Ihre Rolle sieht sie vielfältig und zitierte dabei einen Buchtitel des Philosophen Richard David Precht: „Wer bin ich, und wenn ja wie viele?“ Sie sieht sich als Managerin, Motivatorin, Krisenmanagerin und auch Visionärin. Aber bei allem Respekt vor der Aufgabe, „ich bin motiviert. Lassen Sie uns die Segel hissen.“

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