Ungeahnte Ereignisse erwarten Riedlingen und seine Region im Jahr 2020

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 Ein Fenster in die Zukunft Riedlingens: die Kristallkugel.
Ein Fenster in die Zukunft Riedlingens: die Kristallkugel. (Foto: Schneider, Christoph)
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Ein neues Jahr hat begonnen – und die Erwartung an ein gutes 2020 ist groß in der Region. Die Redakteure der SZ Riedlingen haben einen tiefen Blick in die Kristallkugel gewagt und einige Erkenntnisse protokolliert. Nachstehend die nicht ganz ernst gemeinten Vorhersagen.

Januar – in Altersteilzeit regieren

Das neue Jahr hat für die meisten ganz ruhig begonnen. Nicht so für Zwiefaltens Bürgermeister Matthias Henne, der sich im Wahlkampfmodus um den Bürgermeistersessel in Bad Waldsee bemüht. In Zwiefalten sorgt man sich indes um einen potenziellen Nachfolger, sollte Hennes Wahlkampf von Erfolg gekrönt sein. Was rechtes sollte es schon sein und Erfahrung sollte ein möglicher Nachfolger haben, wird in der Münstergemeinde gewünscht. Man überlegt hin und her und kommt auf eine geniale Idee: Bürgermeister-Ruheständler kehren in den Chefsessel zurück. Und damit das Ganze nicht zu anstrengend für Petermann, Gebele, Dahler und Riedlinger wird, führt die Gemeinde ein Job-Sharing ein. Von Montag bis Donnerstag regiert abwechselnd einer der Methusalems und freitags ist Casual Friday.

Februar – Stadtverkehr gründlich kontrollieren

In der Riedlinger Hindenburgstraße ist der Blitzer schon wieder kaputt. Des Nächtens heulen lautstark die Motoren auf, die Raser nutzen die desolate Situation des Kontrollturms aus. Zuerst überlegen Bürgerwehr und Golebegleiter gemeinsam, ob sie nachts Streife laufen sollen. Dann haben Landratsamt und Stadtverwaltung einen gemeinsamen Geistesblitz. Blitzer werden ähnlich der Hängelampen in der Fußgängerzone über der Straße angebracht – alle 50 Meter ein Gerät, von der Schwarzach- bis zur Donaubrücke. Vandalen haben selten eine Leiter dabei und können deshalb nichts mehr ausrichten. Keine aufheulenden Motoren mehr. Es kehrt Ruhe ein.

März – das Atom-Endlager kommt

Die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe hat Neufra zum bestmöglichen Standort für die Endlagerung von Atommüll auserkoren. Demnach biete die geologische Gegebenheiten des Ortes optimale Sicherheit, um Brennstäbe für eine Million Jahre quasi strahlungssicher einzulagern. Zugleich muss gewährleistet sein, dass der radioaktive Abfall gegebenenfalls auch nach 500 Jahren wieder an die Erdoberfläche hervorgeholt werden kann. Für das Vorhaben wird die Trasse der Donautalbahn ausgebaut, außerdem müsste ein Teil der Bevölkerung umgesiedelt werden, denn der Betrieb der Lagerstätte wird erheblich viel Fläche in Anspruch nehmen. Das Bundesumweltministerium ließ verlauten, die Region Riedlingen werde im Zuge des Baus der Endlagerstätte von Ausgleichszahlungen und neuen Arbeitsplätzen profitieren.

April – ersprießliches Jubiläum in Bad Buchau

Bad Buchau feiert sein 1250-Jahre-Jubiläum – und die ganze Stadt ist außer Rand und Band. Als wahre Lokalpatrioten beteiligen sich die Buchauer in Massen an der Aktion „1250 Buacha für Buacha“ am „Tag des Baumes“ und selbst eine Hand voll Kappler machen mit. Doch die Aktion läuft etwas aus dem Ruder und bald ist die Stadt komplett aufgeforstet. Das bringt den neuen Tourismusbeirat auf die Idee, den neu entstandenen Wald touristisch zu vermarkten. Mit dem Buchauer Baumwipfelpfad möchte man dem Skywalk in Scheidegg mächtig Konkurrenz machen. Der einzige Haken: Die Setzlinge sind noch so klein, dass vorerst nur Kleinkinder in den Genuss kommen. Da heißt es, sich in Geduld zu üben. Denn spätestens bis 2040 soll der Baumwipfelpfad dann für die Allgemeinheit freigegeben werden – bis zu einer gewissen Gewichtsklasse zumindest.

Mai – Tofu statt Wurst

Riedlingen hat die Vegan-Verordnung für den Bereich der Altstadt erlassen. Ab sofort dürfen Gaststätten, Marktstände und Supermärkte ausschließlich vegane Lebensmittel auf dem Gebiet zwischen Historischem Altstadttor, Donauufer der Altstadt, Brühlgraben und Grabenstraße anbieten. Nach langer Diskussion hat sich der Gemeinderat auf das Gesetzeswerk verständigt, um ein positives Signal im Kampf für den Tier- und Klimaschutz zu geben. Die Metzgerei Hagmann hat versichert, sie werde in ihrer Altstadt-Filiale fortan Tofu-Produkte anbieten. Der Fleischerei-Betrieb werde auf ein Areal jenseits des Flusses verlegt. Tierschutzvereine der Region begrüßen die Verordnung und sprechen von einem Vorzeige-Projekt für ganz Deutschland.

Juni – Klinik für die Schönheit

Schluss mit lustig. Das Riedlinger Krankenhaus ist Geschichte. Zumindest für Kassenpatienten bleiben die Türen künftig geschlossen. Allerdings zeigt ein Schönheitschirurg Interesse am Gebäude. Er will in Riedlingen Oberschwabens tollste Schönheitsklinik eröffnen. Die Pläne für den Umbau liegen in der Schublade. Im Erdgeschoss wird künftig Fett abgesaugt, im ersten Stock werden krumme Nasen gerade und im dritten Stock die Lippen aufgespritzt. Wer Bedarf an einer kompletten Überholung hat, mietet sich im vierten Stock ein. Die Rekonvaleszenz verbringen die verschönerten Patienten in Stock fünf und sechs – mit Blick auf den Bussen.

Juli – Stadthallen-Areal blitzt auf

Weil sich im Städtle nun so viele Schöne und Reiche die Klinke in die Hand geben, muss auf dem Stadthallen-Areal schnell etwas passieren. Edelboutiquen, Parfümerien und Juweliere wollen ansiedeln. Es bedarf eines zweiten Hotels auf dem Areal, denn künftig werden mehr chinesische Touristen erwartet. Silit will auf dem Gelände einen exklusiven Showroom eröffnen und Gästen aus China Anreize bieten, deutsche Qualitäts-Töpfe aus schwäbischem Stahl zu erwerben.

August – Gomez wertet Bolzturnier auf

Beim diesjährigen Bolzerturnier in Hailtingen kicken neben Mario Gomez auch der vormalige Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Am Rande des Turniers kündigt Gomez an, er wolle nach seiner Profikarriere Trainer beim FV Neufra werden und in die vielversprechende Herren-Mannschaft investieren. Sein Ziel sei es, das Team innerhalb von fünf Jahren in die Regionalliga Süd zu führen.

September – den Wald aufwerten

Unter dem Motto „Mehr Finanzkraft für unsere Kommune“ beabsichtigt die Gemeinde Langenenslingen ihren Gemeindewald profitabler nutzen und steigt ins Warentermingeschäft ein. Noch in diesem Jahr sollen Zertifikate für Waldparzellen mit Holzeinschlagrechten für das Jahr 2050 gehandelt werden. Der Kämmerer erhofft sich hohe zusätzliche Einnahmen, weil die Nachfrage nach deutschem Qualitätsholz in den afrikanischen und südasiatischen Wachstumsmärkten steigt. Einher mit der Zertifikatsausgabe geht auch eine massive Aufforstung von Gemeindeflächen. Die erhofften Erträge sollen in einen Pensionsfonds fließen, um drohende Altersarmut zu bekämpfen.

Oktober – warmer Schlamm lockt Touristen

Die Adelindis-Therme in Bad Buchau nimmt ein innovatives Bio-Angebot in ihr Portfolio auf und wird das Thermalbad um ein großes Becken erweitern. Angedacht ist eine Heilschlamm-Therme, die Federsee-Sedimente vom Grund des Gewässers auf 39 Grad erwärmt. Die einmalige Wirkung des Schlamms gegen Arthrose soll insbesondere älteren Menschen zugute kommen. Jüngste Ausgrabungen haben gezeigt, dass Bewohner der Region bereits in der Eisenzeit Federseeschlamm erhitzten und für bislang unbekannte Riten nutzten. Die Investition wollen die Stadt Bad Buchau und die Adelindis-Therme gemeinsam stemmen. Die Stadt erhofft sich davon mehr Kurgäste.

November – Funkmast wächst auf dem heiligen Berg

Das Landratsamt strebt eine effiziente und schnelle Lösung an, um die Netzabdeckung des Mobilfunks im westlichen Kreisgebiet zu verbessern: Auf dem Bussen soll ein Mobilfunkturm von 63 Metern Höhe entstehen, der eine Vielzahl von Richtfunkantennen beherbergen wird. Dadurch haben Smartphones optimalen Empfang. Die Gemeinde Uttenweiler hat sich mündlich mit dem Landratsamt auf dieses Vorgehen verständigt. Uttenweiler erhält im Gegenzug eine Entschädigung für die Baumaßnahme: zwei Millionen Euro. Die katholische Kirche und der Bund für Umwelt und Naturschutz kündigen Proteste an.

Dezember – Breitbandausbau total in Ertingen

Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Ertingen erwartet man noch immer den kostenlosen Breitbandausbau durch die Telekom. Die Frist, um die Verträge abzuschließen, ist erneut bis zum Jahresende verlängert worden. Allerdings werden jetzt 5392 Anschlüsse benötigt. Bürgermeister und Gemeinderäte haben alle Hände voll zu tun, die letzten Einwohner zum Anschluss zu bewegen. „Nichts ist unmöglich“, nennt der Verwaltungschef sein Motto. Per Satzung wird ein Anschlusszwang angeordnet, der rückwirkend für sämtliche Wohnräume gilt. Am Ortseingang wird noch rasch eine Siedlung mit den für die Schule nicht mehr benötigten Containern hochgezogen. Die Nachfrage nach Eigentumscontainern mit betreutem Surfen ist enorm.

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