Träumerei mit Schumann

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Harald Streicher hatte Werke von Schumanns „Fantasie“ zusammengestellt.
Harald Streicher hatte Werke von Schumanns „Fantasie“ zusammengestellt. (Foto: Waltraud Wolf)
Marion Kiefer

Der Förderverein der Conrad-Graf-Musikschule hat am Vorabend des Sommerfests der Musikschule zu einem Klavierabend mit Harald Streicher in das Refektorium des Kapuzinerklosters eingeladen. Der Pianist und Klavierpädagoge aus Tübingen hatte unter dem Titel „Fantasie“ ein Programm mit den Werken Op. 16 bis Op. 19 von Robert Schumann zusammengestellt.

Alle Stücke entstanden um 1838/39 – die Zeit, in der sich Robert Schumann und Clara Wieck die Erlaubnis zur Heirat vor Gericht von Claras Vater erstreiten mussten. Die dreiteilige, feinsinnig intonierte Arabeske op. 18 ließ die trotz vieler Konkurrenzveranstaltungen zahlreich erschienen Zuhörer zur Ruhe kommen und stimmte auf den Abend ein.

Die acht Fantasien op. 16 nannte Schumann „Kreisleriana“, in Anlehnung an E.T.A. Hoffmanns literarische Figur Kapellmeister Kreisler. Der Zyklus, in nur vier Tagen entstanden, sollte ein „Bild meines Charakters, meines Strebens“ sein. Die auch technisch sehr anspruchsvollen Sätze sind wechselhaft in Tempo und Charakter.

Es beginnt „äußerst bewegt“ und damit virtuos, gefolgt von einem mit „Sehr innig und nicht zu rasch“ überschriebenen Stück, das seinerseits von lebhaften Intermezzi unterteilt wird. Mal kraftvoll, mal zart, bald übermütig, bald nachdenklich, gegen Schluss erst aufgewühlt, dann heiter – so präsentieren sich die Fantasien, überreich an musikalischer Gestaltung und Harmonik. Harald Streicher gelingt es scheinbar mühelos, die richtigen Farben, den richtigen Pinselstrich zu wählen, um den Zuhörern das Bild lebhaft vor Augen zu führen.

Mit dem „Blumenstück“ op. 19 wollte sich Schumann nach eigener Aussage zum Lieblingskomponisten aller Wienerinnen machen. „Leise bewegt“ ist es überschrieben und variantenreich wie ein prächtiger Blumenstrauß, jede einzelne Blüte liebevoll gezeichnet auf dem Flügel im Refektorium.

Aus Rücksicht auf Streit mit Vater

Die Fantasie op. 17 beginnt „durchaus fantastisch und leidenschaftlich vorzutragen“, mit der Melodie über bewegtem Grund. Das Intermezzo „im Legendenton“ fordert Ehrfurcht ein – vor dem bewegenden Schlussteil des ersten Satzes, der an Beethovens „An die ferne Geliebte“ erinnert. Eigentlich sind ja alle diese Stücke für Clara – und wurden dann aus Rücksicht auf den Streit mit ihrem Vater doch nicht ihr gewidmet.

Die dreisätzige Fantasie in C-Dur klingt ganz leise und zart aus, und es bleibt tatsächlich diese Zeit der Stille, die dem letzten Ton den nötigen Raum zum Entschweben gibt. Erst dann atmen alle wieder ein, und es beginnt der lebhafte Beifall, der für die Dankesworte der Vorsitzenden des Fördervereins Waltraud Wolf nur mit Mühe unterbrochen werden kann. Harald Streicher war nun schon zum zweiten Mal mit einem Benefizkonzert zu Gunsten der Conrad-Graf-Musikschule in Riedlingen und hat seine Zuhörer begeistert.

Für die Zugabe wurde es noch einmal ganz still. „Das kennen Sie alle, da sage ich nichts an“, meinte der Künstler und entließ sein Publikum mit der „Träumerei“ in den Sommerabend.

Nein, es gab keine zweite Zugabe, auch nach minutenlangem Applaus nicht. Aber vielleicht gibt es ja wieder einmal ein Konzert?

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