„Stolpersteine“ zur Erinnerung

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Stolpersteine mit den Namen von deportierten Juden werden am heutigen Dienstag in Riedlingen verlegt. Unser Archivbild zeigt St
Stolpersteine mit den Namen von deportierten Juden werden am heutigen Dienstag in Riedlingen verlegt. Unser Archivbild zeigt Stolpersteine aus München. (Foto: Archiv: dpa/Sven Hoppe)
Schwäbische Zeitung
Waltraud Wolf

Am heutigen Dienstag, 24. Mai, verlegt Gunter Demnig in Riedlingen „Stolpersteine“. Sie erinnern an Juden, die während des Dritten Reiches deportiert, ermordet oder vertrieben wurden.

Auf die Initiative von Stadtrat Jörg Boßler geht die Würdigung von Menschen zurück, die lange in gutem Miteinander mit ihren Nachbarn lebten, bis ihnen im Nationalsozialismus nach dem Leben getrachtet wurde. 20 Steine werden von dem Künstler Gunter Demnig, der die Idee dazu entwickelt hat, in Riedlingen vor den Häusern in den Straßenbelag eingelegt, in dem die Juden lebten oder arbeiteten. Auf den Termin mitten inden Ferien hatte Boßler allerdings keinen Einfluss. Der wurde ihm vom Künstler vorgegeben.

An Herbert Oettinger wird zweimal gedacht, am Haus Marktplatz 14, wo er arbeitete und in der Zollhauser Straße 20, wo er lebte. Ihm und seiner Familie gelang die Flucht in die USA, beziehungsweise für Sohn Lothar Larry mit einem Transport nach England. David, Rosa und Frida Weil konnten sich ebenfalls nach Amerika retten, doch Isak Strauss, Rosa Weils Vater, wurde 1942 im Alter von 70 Jahren deportiert und in Theresienstadt ermordet. Sie wohnten am Marktplatz 9, wo heute die Volksbank-Raiffeisenbank ihre Dienste anbietet.

Auch Karoline Carry und Herbert S. Oettinger wurden 1942 deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet, wie die von Hand eingeschlagenen Lettern auf den beiden Messingtafeln vor dem Haus Lange Straße 8 verkünden werden. Stolpersteine vor dem Geschäftshaus gibt es auch für ihre Kinder Ernst Walter und Eva Irene, die 1937, bzw. 1939 in die USA flohen.

Der Verlegung der Stolpersteine für Albert und Irma Bernheim und ihre drei Kinder vor dem Gebäude Marktplatz 15, in dem sich heute eine Apotheke befindet, wird David Bernheim, der Sohn von Eric Bernheim, mit seiner Familie aus Frankreich beiwohnen. Die Eltern wurden ermordet, die drei Kinder retteten sich.

Unter der Überschrift „Stolpersteine – Spuren und Wege“ skizziert Gunter Demnig danach im Lichtspielhaus seinen künstlerischen Werdegang von 1968 an, einschließlich des Projektes, das ihn auch nach Riedlingen führte. Beginn ist um 18 Uhr. Mehr als 56 000 Stolpersteine hat er inzwischen europaweit verlegt.

Unterstützt wurde die Aktion außer von der Stadt Riedlingen, welche die Kosten für die vorbereitenden Arbeiten durch den Bauhof trägt, auch von der Katholischen Kirchengemeinde, die ein Spendenkonto eingerichtet hatte. Alle 20 Stolpersteine konnten so finanziert werden.

Die Verlegung der Steine beginnt um 13 Uhr. Treffpunkt ist in der Lange Straße 8. Der Vortrag beginnt um 18 Uhr im Lichtspielhaus. Er ist kostelos.

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