Statt Heiliger Messe jetzt Online-Andacht

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Statt Heiliger Messe jetzt Online-Andacht
Statt Heiliger Messe jetzt Online-Andacht (Foto: Berthold Rueß)
Schwäbische Zeitung
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Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat am Montag ihre Empfehlungen für den Umgang mit Gottesdiensten in der Corona-Krise überarbeitet und massiv verschärft. So sind alle öffentlichen Eucharistiefeiern und anderen Gottesdienste bis einschließlich 19. April abgesagt. Die Sonntagspflicht ist für diesen Zeitraum ausgesetzt. Die Kirchen in der Diözese bleiben aber geöffnet, um Gläubigen die Möglichkeit zum Gebet zu geben. Dies hat Bischof Dr. Gebhard Fürst zusammen mit dem von ihm geleiteten Krisenstab der Diözese am Montagvormittag beschlossen. Die Absage bis 19. April gilt auch für alle Veranstaltungen kirchlicher Träger. Alle Pfarrbüros sind weiterhin als pastorale Anlaufstellen zu den gewohnten Zeiten per Telefon oder E-Mail erreichbar. Die pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weiterhin in seelsorgerlichen Fragen ansprechbar.

Die Erstkommunionsfeiern werden auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben. Die Firmungen, die bis Ende Mai geplant waren, werden abgesagt und im Zeitraum von September 2020 bis März 2021 nachgeholt. Auch Trauungen werden bis Ende Mai in der Diözese Rottenburg-Stuttgart nicht stattfinden. Tauffeiern sind zu verschieben. In dringenden Ausnahmesituationen können Priester und Diakone das Taufsakrament im engen Familienkreis spenden. Beerdigungen finden nach den behördlichen Vorgaben der teilnehmenden Personenzahl weiterhin statt. Trauerfeiern und Requien müssen nachgeholt werden.

Im Allgemeinen wird die Hauskommunion und Krankensalbung eingestellt. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger stehen aber auch in dieser Krisensituation an der Seite der Kranken. Bei einer dringlichen Notwendigkeit (zum Beispiel einer lebensbedrohlichen Situation) bringen sie – unter Beachtung der geltenden rechtlichen Lage und der besonderen Hygienemaßnahmen – auch weiterhin die Heilige Kommunion und spenden die Krankensalbung.

Die Diözese verweist auf die medialen Gottesdienstübertragungen, die ausgeweitet werden. So wird die sonntägliche Eucharistiefeier um 9.30 Uhr in der Domkirche St. Martin in Rottenburg bis auf weiteres live auf der Homepage der Diözese unter drs.de übertragen. Für die Feier der Kar- und Ostertage werden noch Lösungen erarbeitet.

Die Kirchengemeinderats- und Pastoralratswahl findet am 22. März 2020 statt, allerdings ausschließlich als Briefwahl. Die Wahllokale bleiben geschlossen. In Gemeinden mit allgemeiner Briefwahl haben die Wähler die Briefwahlunterlagen bereits erhalten. Abgabefrist für Wahlbriefe ist Sonntag, 22. März, 16 Uhr im Einwurfbriefkasten des jeweiligen Pfarramts. In Gemeinden mit Briefwahl auf Antrag werden die Fristen verlängert. Briefwahl kann in diesem Fall bis Freitag, 3. April , 12 Uhr beim jeweiligen Pfarramt beantragt werden. Abgabefrist für Wahlbriefe ist Sonntag, 5. April, 16 Uhr. Das Wahlergebnis für die Diözese Rottenburg-Stuttgart wird am 6. April bekanntgegeben.

Am vergangen Sonntag wurde der Gottesdienst der Riedlinger Kirchengemeinde St. Georg auf der Südseite noch feiert – aber auf der Südseite der Kirche im Freien gefeiert. „Das Wetter hat mitgespielt“, berichtet der 2. Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Dietmar Bartnik. So sei ein größerer Abstand zu den anderen Gläubigen einzuhalten. Wer wollte, konnte einen Campingstuhl mitbringen. Das Brauttor sei offen gestanden, um dem Organisten Zeichen für seinen Einsatz geben zu können. Geplant war, die österlichen Gottesdienste im kleineren Rahmen auch im Freien zu feiern. Dies hat sich allerdings mittlerweile durch die Entscheidung der Diözese erledigt.

Nachdem die Evangelische Landeskirche in Württemberg am Samstag in einem Schreiben an alle Pfarrämter dringend empfahl, „ab sofort und bis auf Weiteres auf Gottesdienste zu verzichten“, finden auch in der Evangelischen Kirchengemeinde Riedlingen bis auf Weiteres keine Gottesdienstfeiern in den Kirchen statt. Bereits am vergangenen Sonntag wurden die Gottesdienste abgesagt. Man habe versucht, möglichst viele Gläubige in der Gemeinde telefonisch oder per E-Mail zu informieren, berichtet Pfarrerin Anne Mielitz. Wer es trotzdem nicht mitbekommen habe, dem hab sie es an der Kirchentüre mitgeteilt – und sei durchweg auf Verständnis gestoßen. Stattdessen wurden Texte zum mitnehmen ausgelegt. Die Ertinger Pfarrerin Julia Kaiser hat einen „Online-Gottesdienst“ auf die Homepage der Kirchengemeinde gestellt. Es gibt sogar einen Songtext zum Mitsingen, den die Fresh Band eingespielt hat: „Lege deine Sorgen nieder.“ „Man kann jetzt viel Kreativität freisetzen“, merkt Anne Mielitz an. Sie bedaure aber sehr, dass gerade jetzt keine Gottesdienste stattfinden können, schließlich sei Ostern für die evangelischen Christen das wichtigste Fest im Jahreslauf. Auferstehungsgottesdienste unter freiem Himmel haben an Ostern haben Tradition – die Pfarrerin befürchtet jedoch, dass auch dies künftig nicht mehr möglich sein wird. „Seelsorge wird wichtiger denn je“, glaubt sie. Aber auch diese müsse nach Möglichkeit auf Telefongespräche oder E-Mails beschränkt bleiben. In Ausnahmefällen, beispielsweise für Trauergespräche, könne aber auch ein persönliche Treffen vereinbart werden, soweit die hygienischen Voraussetzungen gewährleistet sind. Bestattungen im kleinen Kreis können unter freiem Himmel stattfinden; Trauergottesdienste müssten gegebenenfalls nachgeholt werden.

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