Starker Franken kostet Stadt eine Million Euro

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Der starke Schweizer Franken beschert der Stadt Riedlingen ein Minus von einer Million Euro.
Der starke Schweizer Franken beschert der Stadt Riedlingen ein Minus von einer Million Euro. (Foto: Oliver Berg)
Redaktionsleitung

Lange Zeit hat der Stadt Riedlingen die Kreditaufnahme in Schweizer Franken genützt. Dank des Zinsvorteils konnte die Stadt so Geld sparen. Doch seit der Freigabe des Franken holt das Währungsrisiko Riedlingen nun heftig ein. Die letzten Darlehen laufen 2020 aus. Zum aktuellen Kursstand hat die Stadt in der Endabrechnung ein Minus von einer Million Euro zu verkraften.

Insgesamt hat die Stadt knapp 30 Millionen Euro seit 1995 an Darlehen in Franken aufgenommen – sowohl im städtischen Haushalt, als auch im Wasser- und Abwasserwerk. Die letzte Darlehensaufnahme in der Schweiz erfolgte 2007. Der allergrößte Teil der Kredite sind bereits getilgt. Doch noch sind nicht alle Darlehen im Nachbarland fällig. Derzeit sind noch drei offen, zwei müssen 2019 zurückgezahlt werden, eines 2020.

Dann erst kann Schlussbilanz gezogen werden. Doch die Aussichten, dass die Stadt am Ende bei ihren Kreditgeschäften ein Plus gemacht hat, sind derzeit gering. Zwar hat die Stadt einen Zinsvorteil von durchschnittlich 1,22 Prozent mitgenommen. Aber der wurde wettgemacht durch den starken Schweizer Franken. Durch dessen Höhenflug im Vergleich zum Euro muss die Stadt eine deutlich höhere Summe zurückzahlen.

Nach aktuellem Stand hat die Stadt am Ende im Kernhaushalt durch diese Franken-Geschäfte ein Plus gemacht: Rund 330 000 Euro, so die Kämmerei. Auch im Wasserwerk wird mit einem Vorteil in Höhe von 100 000 Euro gerechnet. Doch im Abwasserwerk gehen Elmar Seifert und Bettina Neuburger von deutlich schlechteren Zahlen aus, denn diese Darlehen wurden als letzte aufgenommen und laufen noch: Nach momentanem Stand ist die Tilgungsdifferenz um 1,4 Millionen Euro höher als der Zinsvorteil. Das heißt im Saldo aller drei Haushalte hätte die Stadt ein Minus von rund einer Million Euro zu verkraften.

Suppe muss nicht Gebührenzahler auslöffeln

Aber diese Suppe müssen nicht die Gebührenzahler des Abwasserwerks auslöffeln. Das fällt voll auf den städtischen Haushalt zurück, wie Seifert und Neuburger erläutern. Denn: Die Kursdifferenz darf nicht an den Gebührenzahler weitergegeben werden. Gebührenerhöhungen, um diesen Kursverlust auszugleichen, sind also tabu. Stattdessen muss das Geld aus dem Stadtsäckel ans Abwasserwerk weitergegeben werden.

Mit dem Wissen von heute sind die Kämmerer deutlich vorsichtiger geworden. Finger weg von Devisengeschäften, so das Credo. Bei den letzten Kreditaufnahmen seien Schweizer Kreditinstitute gar nicht mehr abgefragt worden. „Nichts Spekulatives“, die Kämmerei vertritt die „konservative Linie“. Doch in den vergangenen Jahrzehnten sei das eine Möglichkeit gewesen, die man zum damaligen Zeitpunkt auch anders bewerten musste, so Seifert.

Insgesamt hat die Stadt inklusive Wasser- und Abwasserwerk seit 1995 zwölf Darlehen mit einer Darlehenssumme von knapp 30 Millionen Euro aufgenommen.

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