Stampfkartoffeln und mehr

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Ein „Satiriker der anderen Art“: Otto Jägersberg las im Kapuzinerkloster.
Ein „Satiriker der anderen Art“: Otto Jägersberg las im Kapuzinerkloster. (Foto: Ursula Kliebhan)
Ursula Kliebhan

Tradition habe die Herbstlesung im Kapuzinerkloster, hat Herbert Theisinger, der Stiftungsvorsitzende der Werner-Dürrson-Stiftung, gesagt. In Erinnerung an Dürrson hatte die Stiftung in Kooperation mit der Ulrich’schen Buchhandlung zu dieser unterhaltsamen Lesung im Kapuzinerkloster eingeladen. Zu Gast war der Schriftsteller und Filmemacher Otto Jägersberg.

Jägersberg las aus seinen jüngsten Werken „Keine zehn Pferde“ und „Die Frau des Croupiers“. „Schließlich komme ich aus Baden-Baden, da gibt es viele Croupiers und die haben auch Frauen“, erklärte er den Zuhörern. Matthias Kehle, der stellvertretende Stiftungsvorsitzende, stellte den Autor vor und beleuchtete einige Stationen in der Karriere des 76-jährigen „Satirikers der anderen Art“. Denn er unterhält mit subtilem Witz, Pointen schweben ganz beiläufig im Raum. Sein Schreiben ist geprägt von Johann Peter Hebels Kalendergeschichten, auch von Arno Schmidt, Grimmelshausen und Dada.

Amüsante Odyssee

Gleich zum Einstieg des amüsanten und nie langweiligen Abends im Refektorium des Klosters lernen die Zuhörer den Humor Jägersbergs kennen. Eine Odyssee des Zuspätkommens zu einer Lesung in der Maggistadt Singen am Hohentwiel. Verirrungen und Verwirrungen bis er schließlich im „Literaturverlies“ eskortiert von Polizei samt Martinshorn ankommt und die Durchsage hört: „Otto Jägersberg liest aus der Aktentasche“. Die hatte er in Riedlingen zum Glück nicht dabei. Denn das Missgeschick, das ihm in Singen passierte (sicher ging da die Fantasie des Dichters und Denkers durch) blieb den Riedlingern Literaturfreunden gottlob erspart. Der Griff in eine Rasierklinge verlieh dem Abend dort eine blutige Wende. Nun konnte man die anfängliche Befangenheit vor einer Lesung, von der er eingangs sprach, sehr gut verstehen.

In seinen Büchern hat alles Platz, man kann ihn nur schwer in eine Schublade stecken. „Gedichte sind sehr kurz, erwarten Sie keine langen, bei denen Sie nachdenken müssen“, versprach Jägersberg. Es ging um die Erfindung der Feinstrumpfhose, die bei Verbrechern ganz schön doof aussieht. Mit Schuhen in Pfützen zu treten, bedeutet den Himmel auf Erden. Oder die Gattin warnt davor, die falschen Frauen zu küssen. Sie: „Du solltest deine Haltung zu Frauen überdenken!“ Er: „Hiermit geschehen.“

Immer wieder spielt Essen eine Rolle, sei es bei der Begegnung Ganghofers mit Kaiser Wilhelm II, der ihn mit Kuchen und Zwieback verköstigt. Oder „Stampfkartoffeln“. „Das war auch Nietzsches Lieblingsspeise,mein Verhältnis zu Stampfkartoffeln ist heute noch einwandfrei.“ Das Rezept gab es obendrein: „Fünfmal rechtsrum, fünfmal linksrum. Wer vor einer Portion Stampfkartoffeln nicht in die Knie geht, den meide.“

Auch die Fahrt nach Riedlingen sei schwierig gewesen, es werde einem schwindlig, „überall diese runden Dinger“. Und es sei nicht einfach gewesen, in Riedlingen zu speisen. „Alles ausgebucht, schließlich haben wir noch lobenswerte Maultaschen in Brühe im Hirsch gefunden.“ Zum Abschluss, nachdem Jägersberg das Geheimnis um Mata Hari, Friesenmädchen, Tänzerin und Agentin, gelüftet hatte, stellte ihm Matthias Kehle zwei, drei Fragen. Hebel sei ein großes Vorbild, natürlich auch Georg Groddeck, Schriftsteller und Psychoanalytiker. „Ich liebe ambivalente Charaktere, in deren Rolle ich schlüpfe, daran habe ich Freude“, verriet Jägersberg. Warum es immer wieder um Essen ginge? „Herrscher teilen gerne karges Essen mit dem Volk, der Kaiser war kein Feinschmecker, er war mit Suppe zufrieden... er ist in England aufgewachsen.“

Zum Dank für diesen erfrischenden Abend überreichte Herbert Theisinger Otto Jägersberg „Lohmann, oder die Kunst sich das Leben zu nehmen“ , die romaneske Biografie Dürrsons.

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