Stadthallenareal: Hotelinvestor kündigt Rückzug an

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Was nun nach dem Rückzug des Hotelinvestors? In der Klausurtagung soll das weitere Vorgehen beraten werden.
Was nun nach dem Rückzug des Hotelinvestors? In der Klausurtagung soll das weitere Vorgehen beraten werden. (Foto: Archiv/Jungwirth)
Redaktionsleitung

Einen Tag nach der Bitte um Vertragsauflösung durch Wirtschaftsförderer Alexander Leitz kommt nun die nächste Nachricht eines Rückzugs. Dieses Mal eines Investors: Walter Harscher, der auf dem Stadthallenareal ein Hotel bauen und auch betreiben wollte, hat in einer Mail an Wirtschaftsförderer Alexander Leitz seinen Abschied aus dem Projekt Stadthallenareal angekündigt. Bürgermeister Marcus Schafft und Vertreter von Gemeinderatsfraktionen reagierten mit großem Bedauern – hoffen aber noch, dass der Hotelbetreiber wieder an Bord kommt.

Alexander Leitz hat den geplanten Hotelinvestor darüber informiert, dass er als Projektverantwortlicher der Stadt seinen Hut nehmen will. Die Antwort von Walter Harscher kam prompt: „Ich verstehe Sie voll und ganz und auch ich habe Herrn Selg (Arche Wohna, Anm. der Redaktion) gestern gesagt, dass ich mich aus dem Projekt verabschiede“, so die Mail. Und er ergänzt, „denn ich bin auch kein Spielball des Stadtrats“.

Sollte der Hotelbetreiber und Investor seine Ankündigung wahr machen und sich aus dem Projekt zurückziehen, wäre dies ein herber Schlag für die weitere Entwicklung am Stadthallenareal. Denn unabhängig von den verschiedenen Modellen „Verwaltungslösung“ oder „Neue Mitte“ – das avisierte Outdoor-Hotel durch Harscher war unumstritten und ein fester Baustein beider Konzepte.

Verlässlichkeit fehlt

„Das Hotel ist und war ein wesentlicher Baustein des Projekts“, betont Bürgermeister Marcus Schafft. Aus seiner Sicht bringt die kurze Mail das Dilemma auf den Punkt: Investoren könne man nicht „hin- und herschubsen“, diese brauchen eine Verlässlichkeit und ein Gesamtkonzept. „Die Position der Stadt Riedlingen ist dadurch nicht besser geworden“, sagt er. Am Anfang war Begeisterung bei allen Beteiligten, doch die sei nun abgeflacht. Das Vertrauen sei nicht mehr da. „Um dieses Vertrauen müssen wir wieder werben“, so Schafft. Gemeinsam.

Er hofft, dass es gelingt in der Klausurtagung Geschlossenheit zu erreichen, um Investoren zusammen zu überzeugen. Dabei erwartet er auch Vorschläge von den Befürwortern des von der Mehrheit des Gemeinderats getragenen Konzepts der „Neuen Mitte“. Denn aus seiner Sicht kann man mit den jetzigen Vorgaben keinen Bebauungsplan entwickeln, der Grundlage für das weitere Vorgehen auf dem Stadthallenareal ist. Denn der bisherige Beschluss sieht vor, dass der Bebauungsplan – der festlegt, was auf dem Grundstück entwickelt werden darf – Stück um Stück gemacht wird. Auch die Frage der Stadthalle, wann und ob eine neue kommen soll, sieht er ungeklärt.

Hotel war unstrittig

Dass mit Walter Harscher möglicherweise der Hotelbetreiber wegfällt, findet Manfred Schlegel – Fraktionssprecher der Mtg! – „außerordentlich bedauerlich“. „Herr Harscher und sein Konzept hat uns alle überzeugt“, betont er. „Das Hotel war für alle unstrittig, es wundert mich, dass dieses als erstes aufpoppt.“

Wie auch Bürgermeister Marcus Schafft betont auch Schlegel, dass Handlungssicherheit für alle Beteiligten geschaffen werden muss. Aus seiner Sicht gibt es einen klaren Mehrheitsbeschluss mit einem Arbeitsauftrag für die Verwaltung, dass das Konzept „Neue Mitte“ genauso vom Stadtplaner durchgeplant wird, wie das Verwaltungskonzept. „Beides soll gleichberechtigt behandelt werden, dass am Ende zwei durchgearbeitete Konzepte stehen.“ In der Klausurtagung gehe es darum, den Gemeinderatsbeschluss zu konkretisieren und Details zu planen.

Haltung zur Stadthalle?

Daran hapert es aus Sicht von Schafft. Der verweist etwa darauf, dass es im Konzept „Neue Mitte“ keine einheitliche Meinung zur Stadthalle gebe. Neubau oder Sanierung und in welchem Zeitfenster? Harscher hatte gegenüber verschiedenen Gesprächspartnern betont, dass er keine Baustelle direkt vor seinem neuen Hotel h

aben wolle. Auch das gehört zu den festen Rahmenbedingungen.

Doch Schlegel sieht diese Problematik weniger: Er könnte sich eine Stadthalle an einem Standort „deutlich weiter hinten“ vorstellen, so dass die Baulärmproblematik für das Hotel keine so große Rolle spiele. Allerdings gäbe es dann auch keine kurzen Wege für Synergieeffekte mit dem Hotel.

Das Geld fehlt

Doch einen Stadthallen-Neubau sieht Schlegel im Moment grundsätzlich kritisch: „Letztlich haben wir das Geld nicht“, sagt er. „Es bleiben bei der idealsten Betrachtung drei Millionen Euro an der Stadt hängen, bei 1,5 Millionen Euro an Rücklagen.“ Wenn die Bürger sich im Bürgerentscheid dafür aussprechen und eine langfristige Verschuldung in Kauf nehmen würden, dann wäre das so. Aber er will nicht der Gemeinderat sein, der die Verschuldung nach oben treibt.

Schlegel hat neben dem geplanten Vollsortimenter in der „Verwaltungslösung“ ein Problem mit dem Verkauf der Flächen an die Investoren: Die Stadt kaufe „drittklassige Äcker“ und verkaufe aber die Filetstücke.

Auswirkungen für die Bürger?

„Schwierig“ nennt Josef Martin (Fraktionssprecher der SPD) die Botschaft vom Rückzug Harschers. Allerdings könne er nicht erkennen, wieso Harscher „Spielball des Gemeinderats“ sei. Allerdings zeige sich der potenzielle Hotelbetreiber nach seinen Informationen bereit, mit Gemeinderäten das Gespräch zu suchen.

Doch unabhängig davon sieht Josef Martin noch viel Klärungsbedarf. Zu vieles sei noch vage, zu vieles wurde noch nicht ausführlich diskutiert und beleuchtet. Bei zu vielen Punkten fehlen aus seiner Sicht noch die Informationen, um ein umfassendes Bild zu haben. Vor allem beim Finanzierungskonzept sind für ihn noch viele Fragen offen. Daher wünscht er sich auch konkrete Informationen der Investoren zu ihrem hinterlegten Finanzierungskonzept. Welcher Umsatz ist vom Investor für einen Vollsortimenter angenommen, damit die von ihm in seiner Planung enthaltenen Zahlen erreicht werden können? Welche Folgen hätte dies im Verdrängungswettbewerb? Denn aus seiner Sicht ist die Lebensmittler-Verteilung in der Stadt gut. „Es geht mir nicht um die Vermeidung von Konkurrenz von anderen Betriebe, sondern darum, welche Auswirkungen solche Dinge insgesamt und für die Bürger haben“, so Martin.

Ungelöste Verkehrsfrage

Auch die Verkehrsfrage hält er nicht im Ansatz gelöst: Denn durch die erhoffte hohe Frequenz steigt auch das Verkehrsaufkommen. Gleichzeitig soll die Hindenburgstraße beruhigt werden. Wie passt das zusammen? „Diese und weitere Fragen will ich nicht gesiebt über Dritte vorgetragen erhalten, weil dann Rückfragen nicht möglich sind“, so Martin. Darum hofft er, dass Vertreter aller Beteiligten an der Klausurtagung teilnehmen.

Auch Hermann Hennes von den Freien Wählern sieht noch Gesprächsbedarf. Einer seiner Kritikpunkte: Wie sollen die öffentlichen Parkplätze auf dem Stadthallenareal künftig betrieben werden? Nicht dass diese künftig nicht mehr für die Öffentlichkeit zur Verfügung stünden.

10 000 Verlierer

Hennes steht der „Verwaltungslösung“ grundsätzlich kritisch gegenüber: „Das ganze Konzept war zu groß gegriffen“, sagt er. Und kritisiert auch den gesamten Prozess. Damit ist er nicht alleine, letztlich sind alle unzufrieden. Alles habe gut angefangen, sagt Manfred Schlegel. Doch der Knackpunkt war für ihn, als die Verwaltung eigenmächtig nur noch mit einem Investor gesprochen habe. Misstrauen hat sich aufgebaut. Für ihn ist der Prozess ein Negativbeispiel, wie es nicht laufen soll. „Und nun gibt es 10 000 Verlierer in Riedlingen.“

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