Sorgen werden ernst genommen

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Hermann Kienle vom Landratsamt (links) und Bürgermeister Andreas Schneider beantworteten bei der Informationsveranstaltung in A
Hermann Kienle vom Landratsamt (links) und Bürgermeister Andreas Schneider beantworteten bei der Informationsveranstaltung in A (Foto: Marion Buck)
Stv. Redaktionsleitung

Die Andelfinger Festhalle ist am vergangenen Dienstag voll gewesen, als es um die Flüchtlingsunterbringung im Gasthaus Schwanen in Andelfingen und in der Traubengasse in Langenenslingen ging. Gemeindeverwaltung und Vertreter des Landratsamtes gaben Informationen, klärten die Unterschiede zwischen Gemeinschaftsunterkunft und Anschlussunterbringung und beantworteten die Fragen der Zuhörer. „Wir nehmen ihre Ängste und Sorgen ernst“, so Bürgermeister Andreas Schneider.

„Der Gemeinde wird ein großes Engagement abverlangt“, sagte Bürgermeister Andreas Schneider eingangs der Informationsveranstaltung. Die Containeranlage in der Traubengasse in Langenenslingen sei eine Gemeinschaftsunterkunft und werde vom Landkreis betrieben. „Die Gemeinde ist nicht unmittelbar zuständig“, so Schneider. Anders sei das bei der Anschlussunterbringung im Gasthaus Schwanen. Dafür sei die Gemeinde zuständig.

Zurzeit leben in Langenenslingen neun Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Weitere 38 Personen sollen laut Prognose des Landratsamtes dieses Jahr dazu kommen. Allerdings könne sich diese Zahl auch ändern, so Hermann Kienle vom Landratsamt, weil eine Prognose für 2016 schwierig sei. Man gehe davon aus, dass - wie im Jahr 2015 auch - etwa 2000 Flüchtlinge im Landkreis untergebracht werden müssen. Momentan kämen wöchentlich 80 bis 100 Personen an, die auf die freien Plätze in den Unterkünften verteilt würden.

Im Herbst hatte der Gemeinderat beschlossen, den „Schwanen“ in Andelfingen zu kaufen. „Die Gemeinde ist vorbereitet“, erklärte Schneider und sprach noch einmal die Irritationen um den Erwerb der Immobilie an. Damals hatte ein Bürger in der Gemeinderatssitzung die Frage gestellt, ob die Gemeinde den Schwanen gekauft habe. Diese Frage beantwortete Schneider damals mit „Nein“. Anderntags wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Da es mehrere Interessenten gegeben habe, habe er so reagieren müssen, erklärte Schneider.

Ende der Woche wird die Gemeinde nun die Gebäude der Gaststätte übernehmen. Schneider rechnet mit einer zügigen Zuteilung der Flüchtlinge. „Wir werden die Personen vorbehaltlos aufnehmen“, so Schneider. Er erwarte, dass sie sich integrieren und die Regeln befolgen wie jeder andere auch. „Wir hoffen auf Ihre Mithilfe.“ Einige Mitbürger engagieren sich bereits in einem Helferkreis in Langenenslingen. Eine davon ist Petra Hiebsch, die am Dienstagabend sagte: „Die beste Form der Integration ist, den Flüchtlingen die Hand zu reichen.“ Treffen finden im vierwöchigen Rhythmus statt. Informationen gibt es bei Hauptamtsleiter Philipp Huchler.

Hermann Kienle vom Landratsamt sprach über die aktuelle Situation. Baden-Württemberg müsse 13 Prozent der Flüchtlinge aufnehmen. Sechs bis acht Wochen bleiben die Geflüchteten in den Landesaufnahmestellen, werden registriert, personalisiert, medizinisch untersucht und stellen ihren Asylantrag. Dann werden sie auf die Landkreise verteilt und leben in der vorläufigen Unterbringung (Gemeinschaftsunterkunft) - so lange wie das Asylverfahren läuft, längstens zwei Jahre. Dann kämen die Gemeinden mit ins Boot, die für die Anschlussunterbringung zuständig seien.

44 Prozent der Flüchtlinge komme aus Syrien, 9 Prozent aus Afghanistan, 7 Prozent aus dem Irak. 60 Prozent der Geflüchteten hätten eine Bleibeperspektive. „Die Flüchtlinge sind jung“, sagte Kienle. 70 Prozent sei unter 30 Jahre alt, 40 Prozent gelte als alleinstehend. Allerdings hätten viele der hier als alleinstehend Registrierten in ihrem Heimatland Familie, fügte die für Langenenslingen zuständige Sozialarbeiterin Karin Küchle an. Sie seien alleine geflüchtet und hofften darauf, die Familie nachzuholen. „Nicht jeder junge alleinstehende Mann ist ein Sicherheitsrisiko“, erklärte Kienle und sagte auch, dass man null Toleranz gegenüber Männern zeige, die Frauen belästigten. Weiter ging der Leiter des Sozialamts im Landratsamt auf die Sozialleistungen für die Geflüchteten und auf die Betreuung durch der Flüchtlinge durch Sozialarbeiter und Ehrenamtliche. „Wir haben an allen Standorten ehrenamtliche Helfer. Mittlerweile sind es über 1000.“

Kienle und Schneider beantworteten die Fragen der Zuhörer (siehe Kasten). Am Ende der Veranstaltung konnte einiges geklärt werden. Schneider hofft, dass die Aufnahme der Flüchtlinge ohne größere Probleme vonstatten gehe. Kienle wünschte sich von den Langenenslingern „ein offenes Herz für Flüchtlinge“.

Fragen und Antworten

„Wer kocht für die Flüchtlinge?“ In beiden Unterkünften herrsche Selbstverpflegung. Es gebe Gemeinschaftsküchen für zehn bis 15 Personen. Die Flüchtlinge müssten sich organisieren, so Kienle.

„Wer ist Ansprechpartner bei Problemen - bei Vermüllung, Lärm, Belästigung?“ Für die Gemeinschaftsunterkunft in Langenenslingen gibt es eine zuständige Sozialarbeiterin des Landratsamtes. Sollte am Wochenende etwas passieren, gibt es eine Notfallnummer. Für die Flüchtlinge in Andelfingen ist die Gemeinde zuständig. Bei Lärmbelästigung und ähnlichem die Polizei.

„Was kommen für Leute?“ Die Gemeinde wünschte sich möglichst viele Familien, wenig alleinstehende Männer, so Schneider. Kienle äußerte, dass versucht werde, die Menschen gerecht im Landkreis zu verteilen. Es würden keine reinen Männerheime eingerichtet. Man versuche zwei Drittel Familien, ein Drittel alleinstehende Männer zusammen unterzubringen. Die Familien würden die Männer disziplinieren und die soziale Kontrolle funktioniere so gut.

„Wo kaufen die in Andelfingen ein? Wir haben nur einen Metzger und einen Bäcker.“ Wie andere auch müssten die Flüchtlinge lernen, mit dem Bus nach Riedlingen oder Langenenslingen zu fahren. Auch das sei ein Teil der Integration - Einkaufen, Bus fahren, Pünktlichkeit lernen, so Kienle.

„Sind die Leute registriert und wird das kontrolliert? Oder stellen sie mehrere Anträge und kassieren?“ Geld gebe es nur für denjenigen, der registriert sei und auch physisch vor Ort, antwortete Kienle.

Eine weitere Frage zielte auf die dunkle Straße bei der geplanten Gemeinschaftsunterkunft. Es werde nach einer Lösung gesucht, sagte Schneider. „Welche Integrationsmaßnahmen plant die Gemeinde? Die Leute müssen beschäftigt werden.“ Die Kinder sollen im Kindergarten integriert werden, die Leute sollen sich in der Gemeinde bewegen. Deutschunterricht könnten Ehrenamtliche geben, wenn Bedarf bestehe.

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