Mechtild Kniele

Das ganze Wochenende über hat die „Heimatkarawane“ in Riedlingen Station gemacht. Der Landesverband Amateurtheater in Baden-Württemberg hat anlässlich seines 100-Jahre-Jubiläums dieses Projekt ins Leben gerufen und Menschen aus Riedlingen und Umgebung zur Teilnahme eingeladen.

Am Freitagabend um 17 Uhr war der Startschuss, die „Karawanserei“ war der Saal des Lichtspielhauses in Riedlingen, wo sich im Lauf des Abends rund 30 Erwachsene und eine genauso große Zahl von Kindern und Jugendlichen eingefunden haben, um sich zunächst einmal kennenzulernen, indem man miteinander singt, tanzt, redet und isst und trinkt. Ein feines Fingerfood-Buffet haben die Veranstalter aufgebaut und für jeden Teilnehmer ein weißes T-Shirt mit dem Logo der „Heimatkarawane“ mitgebracht.

Babette Ulmer, die künstlerische Leiterin, begrüßte und führte kurz in das Projekt ein. Die Heimatkarawane möchte nachhaltig lokale und regionale Netzwerke interkultureller Zusammenarbeit stärken, Raum für innovative kulturelle Begegnungskonzepte im ländlichen Raum schaffen und Kulturbegeisterte verschiedenster Heimaten zusammenbringen. Riedlingen ist die „dritte Karawanserei“ im ländlichen Raum, zuvor machte die Karawane Rast in Hayingen und Zwiefalten.

Bürgermeister Marcus Schafft, der nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als aktiver Teilnehmer an allen dei Tagen anwesend war, freute sich auf eine gute interkulturelle und interaktive Zusammenarbeit und auf ein positives gemeinsames Heimatgefühl. Dieses Gemeinschaftsgefühl wurde im Anschluss sofort umgesetzt, indem alle im Saal aufgefordert wurden, miteinander ein Lied zu singen und sich im Rhythmus dazu zu bewegen. Dieses „Warm-up“ war sehr erfolgreich, ebenso wie ein Willkommenslied, in dem der Text auf Persisch, Deutsch, Arabisch und Spanisch vorgetragen wurde und ein kleines Kennenlernspiel mit viel Dynamik und Witz.

Genauso abwechslungsreich und bunt waren anschließende Kurzpräsentationen, bei denen die Teilnehmer zeigten, wo ihre jeweiligen Schwerpunkte liegen: ein ausdrucksvoll vorgetragenes Gedicht von Erich Kästner (Verena), ein etwas makabres Liebeslied auf der Gitarre („Käfer“), klassische Cellomusik (Gabi), die szenische Lesung einer Kurzgeschichte von Michael Ende (Simone mit Freunden). Beeindruckend war Clown Toni, der einen Kopfstand machte, rhythmisch mit den Beinen wackelte und die Ode an die Freude auf einer Mundharmonika blies. Die Kinder des Riedlinger Koffertheaters begeisterten in ihrem kleinen Stück mit reizenden Dialogen, mit einem rasanten Lied und zeigten sehr viel Talent und Spielfreude. „Jetzt weiß ich endlich, warum es Koffertheater heißt“, meinte Babette Ulmer, denn die kleinen Schauspieler hielten an langen Stäben Koffer, die auf- und zuklappen konnten, um sich so miteinander zu unterhalten.

Am Samstag konnten sich die Teilnehmer zu verschiedenen Workshops melden und dort gemeinsam Dinge entwickeln und verweben, die am Sonntagnachmittag zur Aufführung kommen sollten. Drei große Workshops für die rund 50 Teilnehmer haben sich gebildet, die sich schwerpunktmäßig befasst haben mit Formen des Theaters, mit solistischem Singen und Singen im Chor, mit Instrumentalmusik und Improvisation.

Am Sonntag gab es zum Abschied der Heimatkarawane, die nun Winterpause macht, eine gemeinsame Vorstellung aller Teilnehmer und den Projektleitern. Auf der Bühne des Lichtspielhauses saßen viele Musiker mit ihren Instrumenten (Piano, Gitarren, Violoncello, Cajon, Akkordeon und Klanghölzer und nicht fehlen durfte Gisela O’Grady Pfeiffer mit ihrer singenden Säge). Dazu gesellten sich Sänger, die sich im Chor und solistisch präsentierten oder den Refrain mitsummten. Auf der Tanzbühne zeigten sich Akrobatinnen und Akrobaten, darunter als „prominentester Teilnehmer“ Bürgermeister Marcus Schafft und die wuseligen Kinder des Koffertheaters.

Erschöpft und sehr zufrieden waren nach drei intensiven Tagen Babette Ulmer und ihr Team. Sie alle waren total begeistert, wie Riedlingen klingt und die Riedlinger waren begeistert von der Heimatkarawane und von den vielen Ideen und Anregungen, die sie in der „Karawanserei“ mitnehmen durften.

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