Smartphones sind Alltag für Kinder– und Cybermobbing häufig auch

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Prof. Bela Mutschler informierte viele Eltern in der Aula des Kreisgymnasiums über die Nutzung von Neuen Medien.
Prof. Bela Mutschler informierte viele Eltern in der Aula des Kreisgymnasiums über die Nutzung von Neuen Medien. (Foto: SZ- Jungwirth)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Internetfähige Handys (Smartphones), Facebook und WhatsApp gehören für viele Kinder und Jugendliche längst zum Alltag. Doch diese Programme bringen auch Gefahren mit sich: Kinder werden über das Internet gemobbt, Kind geben ihre Daten preis. Wie Eltern mit der Situation umgehen sollten, beschrieb der Ravensburger Professor Bela Mutschler in einem Vortrag im Kreisgymnasium auf Einladung des Schulfördervereins. Sein wichtigster Ansatzpunkt, die Beziehungsebene: Eltern sollten mit ihren Kindern im Gespräch bleiben.

Die Datenlage ist eindeutig. Fast 80 Prozent der Zwölfjährigen haben bereits ein Smartphone, bei den Älteren sind es deutlich über 90 Prozent. Genutzt wird das mobile Internet weniger als Informationsquelle, sondern vor allem um zu spielen, um Filme zu schauen, und um miteinander zu chatten, also sich auszutauschen. Mit entsprechenden Folgen: 78 Prozent der Kinder und Jugendliche wissen um Gewalt- oder Pornovideos, rund 30 Prozent wissen von Freunden, die solche bekommen haben. Und sogar bei den Zwölf- bis 13-Jährigen haben bereits acht Prozent solche Videos erhalten.

Aus diesem Grund hält Mutschler eine völlige Ablehnung von Smartphones und den entsprechenden Apps wie Facebook und WhatsApp angesichts der Durchdringung nicht für sinnvoll, denn „wir müssen mit der Realität umgehen.“

Realität bedeutet eben, die Akzeptanz von entsprechenden Videos. Realität bedeutet auch die Akzeptanz von Cybermobbing, wie Mutschler darlegte. „Durch die neuen Medien erhält das eine andere Dimension“, so der Ravensburger Professor und lieferte entsprechende Zahlen: 14 Prozent – das heißt jedes 7. Kind oder jeder 7. Jugendliche – sind bereits gemobbt worden, so eine repräsentative Umfrage. „Das Thema ist nicht so weit weg“, so Mutschler. Vor allem Mädchen sind davon betroffen. Die Gründe für Mobbing sind die gleichen wie in der echten Welt: Es geht um Macht, es geht um Minderwertigkeitskomplexe und um Langeweile.

Zu Mobbing gehören Diffamierungen, Belästigungen, Nötigung oder Bedrängungen. Die Anonymität des Netzes macht dies einfacher. Wobei die meisten Täter ihre Opfer kennen und die Auslöser für Mobbing fast immer in der realen Welt zu finden sei. Dementsprechend rät der Professor dazu, das Thema auch in der realen Welt zu klären: Von Angesicht zu Angesicht. Er rät zudem dazu, die Jugendlichen zu Zivilcourage zu ermutigen – dass sie eingreifen, wenn sie entsprechendes entdecken.

Der Einstieg ins Internet erfolgt meist über die „WhatsApp“, eine App zum Chatten. Die ist eigentlich erst ab 16 erlaubt, aber viele Jüngere nutzen sie, um miteinander zu reden oder Filme zu schicken. Das soziale Netzwerk Facebook wird erst für Ältere interessant. Mutschler machte auch hier die Gefahren deutlich: „Facebook ist kein gemeinnütziger Verein, das ist der reine Kapitalismus. Denn Facebook sammelt, Daten, Daten, Daten.“ Diese kann er dann für Werbung nutzen und entsprechend teuer verkaufen.

Für Datenschutz sensibilisieren

Wichtig sei es die Kinder schon frühzeitig für dieses Thema zu sensibilisieren: Welche Daten zeige ich; Wo zeige ich mich; Wie zeige ich mich. Und auch „WhatsApp“ ist auf Daten aus, vor allem auf Nummern: Das Programm kann auf die Kontakt zugreifen und erhält so viele Handynummern. „Das ist ein echter Schatz“, so Mutschler.

Eltern, so seine Überzeugung, können dieser Realität nicht fliehen, sondern müssen sich ihr stellen. Die Nutzung zu verbieten hält er nicht für zielführen. Als Möglichkeit schlägt er vor, dass Eltern mit ihren Kindern feste Nutzungszeiten des Smartphones vereinbaren sollten; dass Eltern sich mit anderen Eltern austauschen und vor allem: Dass Eltern mit ihren Kindern sprechen. „Reden, reden, reden“, so sein Tipp, so dass sie Ansprechpartner für ihr Kind bleiben.

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