Singen, schunkeln, lachen, lästern

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Hat gut gechmeckt: 300 Männer beim Froschkuttlen im Ratssaal.
Hat gut gechmeckt: 300 Männer beim Froschkuttlen im Ratssaal. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Männer gelten gemeinhin nicht als große Sänger, als schunkelfreudig oder als kommunikativ. Und eine braune Brühe mit Innereien in einem Suppenteller würde am Mittagstisch zumeist keine Jubelstürme entfachen. Aber am Fasnetsdienstag ist alles anders: Die Froschkutteln werden herbeigeschrien, über 300 Männer im Saal singen mit Inbrust das Gole-Lied und schunkeln was das Zeug hält und bei den Vorträgen beweisen die Männer Wortwitz: Mal mit feinem Humor, mal mit derbem Spaß. Und immer sind die Geschichten über Missgeschicke und Blamagen mit einer Prise Spott und Schadenfreude gewürzt, so dass die Veranstaltung hervorragend mundet.

Kalt ist es an diesem Morgen. Nachdem der Rauch der Stumpen über dem Rathaus aufgestiegen ist, geht es im Kantelmarsch um den Stock. So mancher ohne Handschuhe ist froh, zu den Klängen der Stadtkapelle unter dem Spalier der Gole-Begleiter in den Rathaussaal schlüpfen zu dürfen, wo auf die über 300 Männer die mit Wein und Wecken gedeckten Tische warten. Und die Männer ihrerseits warten nun auf die Vorträge, um sich am Witz und an den Missgeschicken anderer amüsieren zu können.

Einmal mehr macht Lothar Sauter den Auftakt und begrüßt in Reimform „mit Gebätsche“ die Ehrengäste und den Kretsche. Der 200. Geburtstag von der Gelbsucht und den Löwen machte Sauter zunächst zum Thema, nicht ohne Seitenhiebe auf die Raumschaft zu verteilen.

Dem geplatzten HGR-Empfang widmete er sich hernach. Zum 150-Jährigen wollte der HGR zu einem Festakt mit dem Motto „Pasta et Musica“ - oder übersetzt auf Schwäbisch; „Nudla, Musik und au a Soß.“ Dazu ein Festredner Guido Wolf. Kostepunkt 65 Euro. „Doch ging die Sache in die Hos’, keiner will Nudla, Musik und Soß“. Grund: „Weil lädst du einen Schwaben ein, muss es für die recht billig sein.“ Aber Sauter hat die Lösung: „Drum schlag ich vor ihr lieben Leute, den HGR feiern wir heute“ – der Rahmen passt: Die Prominenz sei da, die Stadtkapelle spiele Musica, als Festmahl gibt es Froschkutteln und „Kretsche hält ganz stante pede, statt Guido Wolf dann die Festrede.“

Das Thema Krankenhaus griff Sauter auch noch kurz auf: „Die Kassenärztliche Vereinigung, macht für uns keinen Finger krumm. Nach aktuellen Ärztelisten gäb, es in Ulm ja Internisten.“ Und der Landkreis „gab also viel Geld aus, aber keins für unser Krankenhaus“. Auch die Knöllchen am Flohmarkt wie die geplanten Kürzungen für die Vereine nahm Sauter in seinem heftig beklatschten Vortrag aufs Korn.

Den Abschluss des Froschkuttelns machte traditionell Klaus „Gogo“ Gegier. Wenn er zu seinem „Hello again...“ ansetzt – ist der Stimmung schon famos im Saal. Die geplante Landesgartenschau hat es Gegier angetan – und im Stile des Goethe Gedichts „Kennst du das Land...“ begann er ausgesprochen literarisch. Aber dabei blieb es nicht, auf seine unnachahmliche Art setzte er die Pointen. Zunächst schwelgte er in Visionen für die Landesgartenschau: „Wo im Glockenbad ein Einhorn lebt, a Magnetbahn um den Stock ’rum schwebt. Wo man von oben immer dann, auf leere Läden blicken kann. Die sehen da, ich sag’s voraus, it anders als von unten aus.“ Dazu Hirsche, die aus dem Brunnen saufen, „wo der Flamigo steht auf einem Bein und strullert in die Donau rein. Wo der Schreijäg mit sehr viel Mühe, sei Zille stochert durch die Brühe“, „ja dann sind wir für sehr viel Geld, der Gartennabel in der Welt.“ Aber ganz wurde Neufra natürlich nicht vergessen: „Und unser Storch fliegt mit Entzücken über Neufra auf dem Rücken. So spart er sich sehr viel Verdruss, weil’s Elend er nicht sehen muss.“

Auch Zunftmeister Thomas Maichel schritt ans Pult und erzählte in pointenreichen Reimen die Geschichte der Herren Ba. und Bö., die auf einem Männer-Segelausflug mit ihren Fischerkenntnissen prahlten. Aber die Angler-Kenntnisse waren im Gegensatz zu ihrem Anglerlatein eher begrenzt – was selbst die Fische bemerkten: Denn „wäret se it im Wasser gwea, hät ma se Träne lache gsea“.

Der vierte Vortrag kam von Harry Reiner. Er hielt eine gereimte Laudatio auf den langjährigen, nun verstorbenen Fahnenschwinger „Motsche“, der ihm als Kind ein Vorbild war. Danach berichtet auch er über ein Missgeschick eines Zunftmitglieds, der sich beim Tanzen im Kreuz mehrfach eine Verletzung zuzog – etwa als er den Publikumsdiver machte, das Publikum aber zur Seite wich.

Dazwischen wurde gesungen, die „sehr guten Froschkutteln gegessen“ und dann ging es wieder – mit etwas Verspätung – auf die Rutsche: Hinab, dem Narrenvolk und den Weibern von der Stadt entgegen.

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