Sehr unterhaltsame „Lückenbüßer“

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Glossen und Musik – die Mischung macht’s: Rainer Bohner und Waltraud Wolf gestalteten zusammen den Abend.
Glossen und Musik – die Mischung macht’s: Rainer Bohner und Waltraud Wolf gestalteten zusammen den Abend. (Foto: Eva Winkhart)
Eva Winkhart

Vor etwa 100 Zuhörern haben am Sonntagabend Waltraud Wolf und Rainer Bohner eine mit viel Applaus bedachte Lesung mit Musik veranstaltet. „Vorwiegend heiter“ war der Titel der unterhaltsamen eineinhalb Stunden mit Glossen aus Wolfs reichem Fundus und von Bohner vertonten Liedern zu Texten verschiedener Verfasser – bis zu Hannes Waders berühmtem „Heute hier, morgen dort“ zum Mitsingen. Fast 800 Euro an Spenden konnten zum Schluss gezählt werden. Auch das ein Indiz für den gelungenen Abend.

Bereits im Vorhof des Kapuzinerklosters wies ein Schild den Weg: „Zum Benefizkonzert.“ Zahlreich kamen die Freunde und Kollegen, die Verwandten und Bekannten; das Refektorium des ehemaligen Kapuzinerklosters fasste die Menge der Gäste kaum. „Ich bin überwältigt!“, begann Waltraud Wolf ihr kleines Vorwort – auch zur Erklärung der besonderen Situation. Üblicherweise stehe sie hier als Vorsitzende des Fördervereins der Conrad Graf-Musikschule, um die Gäste zu begrüßen. Nun jedoch in einer für sie fremden Rolle. „Lückenbüßer“ seien sie und Rainer Bohner eigentlich deshalb geworden, weil keiner der geplanten Programmpunkte für die Benefizveranstaltung im Frühjahr geklappt habe.

In dieser „Frust-Phase“, erzählte sie, sei ihr eine ihrer Glossen in die Hände gefallen, von 1968. Beim erneuten Durchlesen habe sie den Entschluss gefasst: „Dann machst du halt selber was!“ Ein vielteiliger Fundus an solch kurzen Geschichten war da – und als Rainer Bohner für die musikalische Unterstützung zusagte, sei der Plan realisierbar geworden. Nun könnte sie Textchen vorlesen, pointiert, jedoch nicht polemisch, manche lustig, alle selber erlebt oder ihr zugetragen: Glossen. Mit Ironie und Selbstironie.

Die von ihr in vielen Jahren verfassten kurzen Ausführungen sind Begriffen zugeordnet wie „Jugendliche“ oder „Männer und Frauen“ oder „Dies und Das“. Viele Situationen kamen darin zutage, die nahezu jedem der Zuhörer vertraut sind. Waltraud Wolf schaffte es, diese in wohlgesetzte Worte zu kleiden, immer mit dem Schalk im Hinterkopf. Schmunzeln und wissendes Kopfnicken, lautes Lachen und viel Applaus zeigten, wie lebensnah und für ihr Publikum nachvollziehbar ihre Geschichtchen sind.

Da kommt die Beerdigung einer Reihe von Stubenfliegen vor, ein unerfüllbarer Osterwunsch – da der Opa den Geldbeutel mit in den Himmel genommen hat –, verschluckte Kontaktlinsen, die gewonnene Überraschung, die beim Einlösen Schwierigkeiten machte, ein Schnäppchenkauf, der durch notwendige Ergänzungen überhaupt kein Schnäppchen mehr wurde und die im Haushalt verschwundenen Schneebesen, die für das Schlagzeug des Sohnes neue Verwendung gefunden hatten. Alltagssituationen, unterhaltsam verpackt. Mit „eher feuilletonistischem Charakter“ beleuchteten sie Zwischenmenschliches, beschrieb sie Waltraud Wolf.

Wie im eigenen Wohnzimmer

Im Stil der Liedermacher schaffte Rainer Bohner mit seiner Stimme, seiner Gestik und dem Gitarrenspiel die passende Stimmung. Ohne elektronische Verstärkung, fast wie im eigenen Wohnzimmer waren seine Vorträge die würdige Ergänzung zu den Glossen. Von ihm vertonte Gedichte von Rilke und Morgenstern wechselten mit eigenen Texten. Ein Gedicht, verfasst von seiner damals elfjährigen Tochter und von ihm mit Tönen versehen, hieß „Ich bin ein Mensch“. Darin verglich sich das Mädchen mit einem Adler, einer Möwe, einem Schimmel, einem Löwen, deren Stärken und freien Bewegungen.

Ein selbst geschriebenes Lied nannte Bohner „Das Leben ist ein Auf und Ab“ – mit der Quintessenz: Es ist schaffbar zu zweit. Ein ähnliches Thema behandelte er auf unterhaltsame Weise in einem Lied „aus meinem Fundus“: Was schief geht ist gar nicht so wichtig, wenn der Mensch nicht alleine ist. Auch Schwäbisches – zwei Michel Buck-Gedichte zu Gitarre und Mundharmonika – hatte er in seinen Vorträgen, eingestreut zwischen die Glossen-Kapitel.

Mit langanhaltendem Applaus wurden die beiden Vortragenden bedacht – und erhielten als Dank die sonst von Waltraud Wolf selber verteilten Schokolädchen aus den Händen von Marion Kiefer. Ein entspannter, entspannender früher Abend an diesem eiskalten Maisonntag.

Die Personen

Waltraud Wolf arbeitet seit 50 Jahren als Journalistin, für Tageszeitungen, auch für die Schwäbische Zeitung Riedlingen – überwiegend mit ernsthaften Texten, am Rande mit unterhaltenden Glossen. Ihre erste Glosse erschien im Schwäbischen Tagblatt in Tübingen. Lokales, Persönliches, Unterhaltendes spießt sie in ihren pointierten Textchen auf.

Rainer Bohner ist Lehrer an der Freien Waldorfschule Biberach und Musiker. Er spielt mit verschiedenen Bands, in unterschiedlichen Genres. Bekannt ist er vor allem als Gitarrist und Liedermacher. Er lebt, wie auch Waltraud Wolf, in Altheim.

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