Die Sternsinger sind unterwegs.
Die Sternsinger sind unterwegs. (Foto: Archiv: Thomas Warnack/dpa)
Schwäbische Zeitung

Die Sternsinger sind ab 2. Januar unterwegs und sammeln Spenden für Kinder. In diesem Jahr stehen Kinder mit Behinderung im Mittelpunkt der Aktion. Im Interview erklärt Benjamin Wahl, Diözesanleiter des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die weltweit größte Hilfsaktion. Auch in Riedlingen sind die Sternsinger unterwegs (siehe Kasten).

In den ersten Januarwochen ziehen Sternsinger von Haus zu Haus. Was macht ihr Engagement so besonders?

Die Sternsingeraktion ist die weltweit größte Hilfsaktion von Kindern für Kinder. Jedes Jahr sind rund 300 000 Sternsingerinnen und Sternsinger in Deutschland unterwegs. In Baden-Württemberg sind es jährlich rund 50 000 Kinder und Jugendliche in etwa 1500 Pfarreien. Mit ihrem Einsatz setzen die Jungen und Mädchen aus Deutschland ein beeindruckendes Zeichen der Solidarität. Viele Gruppen setzen sich darüber hinaus mit den schwierigen Lebensbedingungen von Kindern in ärmeren Ländern auseinander. Dafür gibt es tolle Materialien des BDKJ und des Kindermissionswerks ‚Die Sternsinger‘. Durch die Auseinandersetzung mit den Beispielländern wird ihnen deutlich, dass es nur eine Welt gibt, für die alle verantwortlich sind – auch die Kinder. Die Sternsingerinnen und Sternsinger leben ganz praktisch ihren Glauben und erinnern die Erwachsenen an die Solidarität vor allem mit den Menschen, deren Chancen auf ein gelingendes Leben gering sind.

Wie reagieren die Erwachsenen auf die Bitte um Spendengelder?

Die Sternsinger sind an fast allen Haustüren willkommen. Ihr Einsatz bei Schnee und Kälte und der gesungene Segen beeindrucken die Menschen – ganz egal welcher Konfession. Auf Nachfrage informieren sie die Erwachsenen über das Schwerpunktland, für das sie unterwegs sind, und weshalb sie selbst dabei sind. Das kommt bei allen gut an und zeigt sich an den steigenden Spendensummen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Sternsingeraktion ist natürlich, dass die Menschen wissen, dass das gespendete Geld nicht in undurchsichtigen Strukturen verschwindet, sondern tatsächlich bei den Hilfsbedürftigen ankommt. Deshalb ist die Aktion auch mit dem Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) ausgezeichnet.

Das Motto der aktuellen Aktion Dreikönigssingen lautet: Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit! Wer gehört hier zusammen?

In diesem Jahr stehen Kinder mit Behinderung im Mittelpunkt der Aktion Dreikönigssingen. Und das ist ein ganz wichtiges Zeichen. Jungen und Mädchen mit Behinderungen haben es in ärmeren Ländern doppelt schwer. Aber auch in Deutschland gibt es beim Thema Inklusion immer noch viel zu tun. Jedes Kind – ob mit Behinderung oder ohne – hat Talente und kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen. Nur im vielfältigen Miteinander ist unsere Gesellschaft stark. Deshalb auch das Motto „Wir gehören zusammen“, also Menschen mit und ohne Behinderung.

Wie helfen die Gelder, die Sternsingerinnen und Sternsinger sammeln, konkret?

Die Aktion Dreikönigssingen unterstützt ihre Projektpartner in Peru mit vielfältigen Förderprogrammen auf dem Land und in den Städten, um Kindern mit Behinderung aus besonders armen und vernachlässigten Verhältnissen beizustehen und ihre Rechte zu stärken. Diese umfassen Frühförderung, Rehabilitation und Physiotherapie, Initiativen zur schulischen Bildung und Inklusion sowie die Sensibilisierung von Familien, Schulen und der Gesellschaft, um Vorurteile und Ängste abzubauen. Neben dem jährlichen Schwerpunktland unterstützt die Sternsingeraktion weltweit jährlich rund 1600 Projekte in Afrika, Lateinamerika, Ozeanien und Osteuropa finanziell. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen langfristige Hilfen, die ihnen eine Perspektive für ihre Zukunft bieten. Bildungsprojekte haben daher einen besonders hohen Stellenwert. Der Bau und Betrieb von Grundschulen, Alphabetisierungsprogramme und die Anschaffung von Schulmaterial sind wichtige Fördermaßnahmen. Eine abgeschlossene Schulbildung und eine Berufsausbildung sind für die Mädchen und Jungen meist die einzige Chance den Teufelskreis von Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität zu durchbrechen.

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