Schwertransport: Millimeterarbeit in den Engstellen

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Redaktionsleitung

Es ist gegen 4 Uhr in der Nacht. Die Temperaturen sind bereits an den Nullpunkt herangerückt. Normalerweise eine Zeit, in der es ruhig ist, die Straßen menschenleer. Aber in Bechingen und Zell herrscht an diesem frühen Mittwochmorgen hektische Betriebsamkeit. Denn zwei Schwerlasttransporter mit riesigen Silos werden in dieser Nacht durch die Orte geleitet auf dem Weg nach Plochingen. Dafür müssen Verkehrsschilder abmontiert, Gehwege extrem ausgenutzt werden. Doch es gelingt. Millimeterarbeit. Nach wenigen Minuten sind die Engstellen überwunden.

Gelb blinkt es zunächst auf der Straße von Bechingen nach Zell. Denn dem ganzen Tross fahren Mitarbeiter des Transportunternehmens voraus. An den Engstellen wird von den Mannen Freiraum geschaffen. So werden Hindernisse, wie etwa Verkehrsschilder, die in den Weg ragen, beseitigt. Auch Ampeln müssen weggedreht werden. Für den Schwertransport soll der Weg bereitet sein.

Zwei mit Silos beladene Lastwagen queren in der Nacht auf Mittwoch die Region.

Der Transport ist rund 40 Meter lang und hoch wie ein Haus. Denn allein die geladenen Silos haben einen Durchmesser von 7,4 Metern. Die Silos sind auf der Fahrt von Oberteuringen nach Plochingen, wo sie umgeladen werden. Endziel ist dann Wien.

Generalstabsmäßig müssen diese Schwertransporte geplant werden. Immer nur nachts sind sie unterwegs, begleitet werden sie von der Polizei, so dass es mitten in der Nacht nicht nur gelb blinkt, sondern auch das Blaulicht der Polizeifahrzeuge in der Nacht weithin leuchtet. An geeigneten Haltestellen macht der Tross wieder Pause und fährt in der nächsten Nacht weiter.

Brücken zu niedrig

Die Route führte über Dürmentingen und Kanzach nach Riedlingen. Über die Nordtangente ging es weiter auf die B 312 an Daugendorf vorbei und nach Bechingen und Zell. Die Strecke in Richtung Unlingen blieb den Megalastern verschlossen, weil die Brückenhöhen über die Umfahrung bei Weitem nicht ausreichen. Also bedarf es der Strecken ohne Brücken, die es zu queren gilt.

In Zell gestaltet sich die Durchfahrt etwas schwierig. Die enge Kurve an der Ortseinfahrt macht dem Team zu schaffen. Denn gelenkt wird ein solcher Langlaster nicht nur von der Führerkabine aus, die Räder der hinteren Achsen sind auch verstellbar und werden von einem Mitarbeiter bedient, der hinter dem Laster geht. Ganz langsam, ganz exakt geht es um die Kurve und schon scheint es geschafft, als sich plötzlich eine Laterne als Hindernis erweist. „Das sieht aussichtslos aus“, beschreibt es ein Beobachter an der Strecke. Doch die Männer beherrschen ihre Fahrzeuge und ihre Lenkkunst. Es klappt, diese Engstelle ist überwunden.


 Die Fahrer mussten ihr Können unter Beweis stellen.
Die Fahrer mussten ihr Können unter Beweis stellen. (Foto: Thomas Warnack)

Neben der Polizei begleiten auch Mitarbeiter der Netze BW die Transporte. Diese sorgen dafür, dass die Querung von Freileitungen ohne Schäden erfolgt. Im Gebiet des Bezirksservices Munderkingen kreuzen die Schwertransporter vier Freileitungen, erläutert Ulrich Stark, Pressesprecher der Netze BW: Zwischen Deppenhausen und Ehingen/Schlechtenfeld queren sie eine 110 000 Volt (Hoch-) und eine 20 000 Volt (Mittelspannung) die Bundesstraße. Und zwischen Ehingen und Frankenhofen nochmals eine 110 000 Volt-Leitung sowie in Frankenhofen eine Ortsnetzleitung. „Die Kollegen müssen ,Begleitschutz’ liefern und mit Taschenlampen kontrollieren, ob bei Durchfahrt alles passt“, so Stark.

Auch wenn die Silos die Leitungen nicht berühren, müssen diese vorher abgeschaltet werden. Weil auch ohne Berührung und einem gewissen Abstand zwischen dem Eisen und der Leitung ein sogenannter Überschlag erfolgen kann – das heißt ein Stromschlag erfolgen kann. Daher müssen die Leitungen in den Abständen zwischen den Umspannstationen bei Hochspannungsleitungen und auch bei 20 000 Volt-Leitungen Abschnitte „freischalten“, dass nichts geschieht. Die Stromversorgung erfolgt über eine Ringleitung. Das sei auch bei einer Hochspannungsleitung möglich, so Stark.

Kaum Spuren

Schadenfrei ist der Transporter durch die beiden Riedlinger Teilorte gekommen. Die gelben und die blauen Lichter ziehen weiter in das Dunkel der Nacht. Ein weiterer Trupp der Speditionsfirma montiert die Verkehrsschilder wieder an. Minuten später ist nichts mehr zu sehen, so als ob gar nichts geschehen wäre. Nur ein paar Ästchen auf dem Boden bleiben als Spuren übrig.

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