Schließung des Riedlinger Krankenhauses sorgt für Kritik an Betreiber und Politik

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 Die Riedlinger Klinik steht vor dem Aus: Sana will zum 30. Juni die stationären Strukturen kappen.
Die Riedlinger Klinik steht vor dem Aus: Sana will zum 30. Juni die stationären Strukturen kappen. (Foto: Thomas Warnack)

Die Ankündigung des Betreibers Sana, das Riedlinger Krankenhaus zu schließen, wird auch im Netz lebhaft diskutiert. Reaktionen finden sich sowohl unter schwäbische.de als auch auf Facebook. Die Kommentare reichen von Verständnis für den Betreiber bis zu Boykottaufrufen. Vor allem werden Einbußen bei der ärztlichen Versorgung befürchtet.

Dabei geraten auch Kommunal- und Kreisverwaltung in die Kritik. Der Kreistag habe schon vor Jahren die Weichen gestellt, merkt Leser Herbert C. an: „Seit dieser Zeit geht es doch nur noch um Gewinnmaximierung.“

Gerhard R. reklamiert mangelnde Bürgernähe und zieht einen Vergleich zur Schließung der Krankenhäuser Leutkirch und Isny. Auch damals seien die Oberbürgermeister der betroffenen Städte im Kreistag noch zwei Monate vor der Entscheidung angeblich ahnungslos gewesen.

Partnerschaftliches Handeln wird vermisst

Hans P. äußert Zweifel daran, ob die Stadt seit der Übernahme durch die Sana alles richtig gemacht habe. Er verweist auf Standortdiskussionen wie beim Stadthallenareal: „Zeitungsberichte als Tätigkeitsnachweis, Statements und Honorarexperten reichen halt nicht aus.“ Er vermisse zielgerichtetes partnerschaftliches Handeln.

Martina M. wirft den Kreisräten Naivität vor: „Erst lassen sie sich ohne Not mit einem auf Profit getrimmten Klinikbetreiber ein und wundern sich dann hinterher, wenn dieser seine Profitstrategie auch noch umsetzt.“ Es zeige sich dass kleine kommunale Strukturen „solchen Finanzhaien“ nicht gewachsen seien. Die Leidtragenden seien die Bürger.

Auch Hermann G. bedauert, dass „ein reicher Landkreis wie Biberach“ die Kliniken einem privaten Betreiber überlassen habe: „Diesen Unternehmen geht es nur um Profi.“ Die Schließung kleinerer Häuser sei absehbar gewesen. Die Auswirkung zeige sich auch in einer Patientenumfrage der Techniker Krankenkasse 2017, in der die Sana Klinik in Baden-Württemberg am schlechtesten abgeschnitten habe.

„Das kommt davon, wenn man alles verkauft, was der Grundversorgung der Bevölkerung dient“, schreibt Irmtrud H.: „Der Kreistag ist selbst der Schlachter!“ Berndt K. konstatiert: „Wirtschaftlich geht es den Sana Kliniken im Landkreis Biberach prächtig.“ 2017 seien an den drei Standorten sechs Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet worden. Laut Bürgerinitiative komme davon aber in Riedlingen nichts an.

Schmid wäre besser Schauspieler geworden. Er hätte es bestimmt bis nach Hollywood geschafft. Thomas S.

Auch Landrat Dr. Heiko Schmid wird von den Lesern in schwaebische.de in dem Zusammenhang angegriffen. Thomas S. nimmt ihm seine Empörung über die Entscheidung der Sana nicht ab: „Schmid wäre besser Schauspieler geworden. Er hätte es bestimmt bis nach Hollywood geschafft.“

Ähnlich äußert sich auch Andreas S. Die Schließung habe seines Erachtens schon beim Verkauf festgestanden: „Sie und der Kreistag waren nur zu feige, die Wahrheit der Bevölkerung zu sagen.“ Der Leser prophezeit im Übrigen ein ähnliches Schicksal auch für die Krankenhäuser in Pfullendorf und Sigmaringen“.

Auch auf Facebook bewegt die Schließung der Riedlinger Klinik die Nutzer. Dort finden sich auch Befürworter der Schließung. „Die Mitarbeiter werden, wenn gewünscht, in Zeiten des Fachkräftemangels sicherlich in Biberach unterkommen oder in den anderen nahen Kliniken“, schreibt eine Userin, die sich als Ärztin ausweist und die Schließung als „einzig richtige Entscheidung“ bezeichnet.

Ein Haus in der „Kleinststadt“ Riedlingen habe „strukturell und medizinisch gesehen keine Zukunftschancen“. Sie könne es keinem ihrer Patienten empfehlen, im Gegensatz zu Biberach.

Gegen dieses Argument spreche das Zuweisungsverhalten der Ärzte aus der Region Riedlingen, kontert Axel Henle von der Bürgerinitiative Krankenhaus: „Die Chirurgie in Riedlingen hat großes Vertrauen und einen hervorragenden Ruf.“ Das könne er aus eigener Erfahrung bestätigen. Seit Übernahme durch die Sana gebe es im Kreis Biberach „null Wachstum“ im Vergleich zu den Nachbarkreisen.

Dabei sei Sana Biberach „mit Abstand die profitabelste Klinik in Baden-Württemberg“ - nicht zuletzt dank der niedrigen Personalkosten. . „Das Aus für die Klinik zieht auch das Ende der ambulanten Versorgung nach sich“, weist Henle auf einen weiteren Punkt hin. Zur Ausstattung eines Mittelzentrums gehöre aber auch die ambulante ärztliche Versorgung.

Debatte um Notarztversorgung

Andere User auf Facebook befürchten eine Verschlechterung der notärztlichen Versorgung. „Ich glaube nicht, dass wir genügend Hausärzte zusammenbekommen, die 24/7/365 im Jahr Dienst tun können“, heißt es in einem Post.

Einer anderen Nutzerin macht die längere Anfahrt zu weiter entfernten Krankenhäusern sorgen: „Das ist für viele ältere Menschen lebensgefährlich“, etwa bei Schlaganfall oder Herzerkrankungen. Zudem müsse mit längeren Wartezeiten für Behandlungstermine gerechnet werden.

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