Riedlinger Theatersommer: Diskussion um mögliche Kooperation mit Theater Lindenhof

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Kameramann Karl Stefan Röser, Regisseurin Katharina Thoms und die Initiatorinnen Gudrun Vogel und Kathrin Fischer (von links) ve
Kameramann Karl Stefan Röser, Regisseurin Katharina Thoms und die Initiatorinnen Gudrun Vogel und Kathrin Fischer (von links) ve (Foto: sz- mechtild kniele)
Mechtild Kniele

Rund 70 Kulturinteressierte hatten sich im Riedlinger Lichtspielhaus eingefunden, um den Dokumentarfilm „Widerstand ist Pflicht“ von Katharina Thoms zu sehen. Darin begleitet die Historikerin ein engagiertes Projekt des Theaters Lindenhof aus Melchingen mit der Stadt Mössingen. Beim Theatersommer 2016 wäre eine Kooperation mit der Stadt Riedlingen denkbar.

Gemeinsam mit der Stadt Mössingen hat das Theater Lindenhof 2013 ein großartiges Projekt realisiert und mit „Ein Dorf im Widerstand“ ein Stück Zeitgeschichte aufgearbeitet. Am 31. Januar 1933 haben in Mössingen rund 800 Personen an einem Generalstreik (aufgerufen hatte die KPD) teilgenommen, um gegen die Machtübernahme Hitlers zu protestieren. Diesen Stoff hat Franz-Xaver Ott vom Theater Lindenhof aufgearbeitet. Herausgekommen ist ein berührendes Stück unter der Regie von Philipp Becker, bei dem neben den Profis vom Theater zahlreiche Laienschauspieler auf der Bühne standen.

Regisseurin Katharina Thoms hat das Projekt begleitet und an vielen Proben teilgenommen. Eingefangen hat sie die anstrengenden Probenarbeiten, die im Winter in den eiskalten Räumen des ehemaligen „Pausa“-Gebäudes begonnen hatten. Gleichzeitig hat sie die wirkliche Geschichte des Generalstreiks nachgezeichnet. Andrea Ayen aus Mössingen, deren Vater Paul als junger Mann maßgeblich am Streik beteiligt war, war eine der zahlreichen Laiendarstellerinnen und hat überdies den Weg des Generalstreiks durch Mössingen gezeigt. Nach einem halben Tag hat die Schutzpolizei aus Reutlingen den Streik aufgelöst, viele Menschen wurden inhaftiert, darunter auch Paul Ayen, der später ins Exil in die Schweiz und nach Spanien geflohen ist.

Zahlreiche Ehrenamtliche gesucht

In Riedlingen ist der Wunsch nach einem Theatersommer groß und die Zeichen dafür stehen gut, aber es müssen sich zahlreiche Ehrenamtliche finden, die sich an einem solchen Projekt beteiligen wollen: sei es durch Herstellung von Kontakten, durch Sponsoring, durch Mitwirkung auf der Bühne oder durch Mithilfe bei den vielen Aufgaben hinter den Kulissen und im Vorfeld eines Theatersommers. Bürgermeister Marcus Schafft steht kulturellen Bemühungen stets offen gegenüber, und der Riedlinger Gemeinderat hat 15000 Euro im Haushalt für das Vorhaben eingestellt. Schafft freut sich über eine Beteiligung von Einzelpersonen, aber auch von Vereinen. Dabei denkt er nicht nur an die Kernstadt, sondern ebenso an die Teilorte und an Interessierte aus der gesamten Raumschaft.

Stefan Hallmayer, Regisseur und Indendant des Theaters Lindenhof, zeigte eine mögliche Beteiligung seines Hauses auf. „Wir sind ein Partner mit Kompetenz und Erfahrung.“ Die federführende Rolle als „Katalysator“ läge bei den Melchingern. Sie würden die Regiearbeit übernehmen, sich um Bühnenbild und Kostüme kümmern und bei der Stückeauswahl beteiligt sein. Das im Vorfeld angedachte Stück „Stadtluft macht frei“ hält Hallmayer in dieser Form nicht für geeignet.

Den Zuhörern im Kino zeigte er einen Zeitplan zur Realisierung auf: In einer ersten Phase wird nach einem Stoff gesucht und nach vielen Einzelpersonen und Gruppen, die sich beteiligen wollen. Im Herbst würde die Phase des Marketings und der Sponsorensuche beginnen. Mit der Probenarbeit könnte man gleich nach der Fasnet beginnen. Den benötigten Etat sieht Hallmayer in einer Größenordnung von ungefähr 150000 Euro. Startschuss für den Theatersommer ist im April: Am Dienstag, 21. April, findet ein erstes Treffen im Sitzungssaal des Riedlinger Rathauses statt. Hier wird sich zeigen, ob dieses kulturelle Großprojekt gestemmt werden kann. Mit der Beteiligung des Lindenhofs gewinnen die Riedlinger mit Sicherheit nicht nur eine exzellente professionelle Begleitung, sondern auch viele Zuschauer.

Eingeladen zu diesem in beiden Teilen sehr interessanten Abend haben Gudrun Vogel und Kathrin Fischer vom Arbeitskreis Stadtmarketing. Sie bauen zunächst auf eine hohe Resonanz und auf ein Engagement der Bürger und der Vereine aus Riedlingen und den Teilorten, denn ein Theatersommer lässt sich nur so gut und gewinnbringend umsetzen.

Wer sich am Theatersommer beteiligen möchte, sollte sich den 21. April vormerken: Um 19 Uhr werden bei einem Treffen im Rathaussaal mit dem Theater Lindenhof erste Weichen gestellt.

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