Riedlingen wird zum Krimischauplatz

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Redaktionsleitung

Eigentlich ist Angela Fehr schon lange weg aus Riedlingen. In Zwiefaltendorf aufgewachsen, hat sie sich vor 30 Jahren in Richtung Großstadt aufgemacht. Doch durch das Texten für ihren Onkel, der in Zwiefaltendorf ein Gästehaus betreibt, hat sie sich wieder näher mit Riedlingen beschäftigt. So entstand die Idee, Riedlingen zum Schauplatz ihres ersten Romans zu machen, einem Krimi. Und was passt besser zu Riedlingen als die Fasnet? „Fasnetsmord“ heißt der Roman dementsprechend, der am 6. Februar erscheint.

Die Idee, einen Roman zu schreiben, spukt schon lange im Kopf von Angela Fehr. Schreiben, auch als Journalistin, ist sowieso ihr Ding und ihr täglich Brot. Doch nun sollte es eine größere Geschichte sein, ein Roman. „So bin ich auf die Idee gekommen, in Riedlingen einen Krimi spielen zu lassen“, sagt die 51-Jährige, die inzwischen in Ulm lebt.

Es ist eine Geschichte mit viel Lokalkolorit. Flohmarkt, Riedlinger Kneipen, die Geschichte der Stadt, Versteigerung des Mohren oder die Bürgermeisterwahl in Riedlingen – alles findet in dem Krimi mal in ein oder zwei Sätzen, mal in ganzen Absätzen oder größere Baustein in der Geschichte seinen Platz .Angela Fehr führt den Leser anhand eines imaginären Erzählers durch die Handlung, lässt ihn die Haldenstraße beschreiben, die Mißmahl’schen Anlagen oder auch das Rathaus.

„Riedlingen ist schön geworden, hat sich herausgeputzt“, vergleicht Angela Fehr das Städtchen mit früher. Seit sie am Romanprojekt arbeitet, war sie auch immer wieder in Riedlingen – beim Flohmarkt und auch beim „Gole raus“, weil sie auch diese Szene im Buch beschreiben wollte. Mehrfach war sie im Museum „Schöne Stiege“ und auch einen Narrenball hat sie besucht.

Dass die Geschichte während der Fasnet spielt, habe sich auch angeboten, erzählt Fehr. Schon allein deshalb, weil dann Promis in Riedlingen auftauchen, wie der Ministerpräsident, der im Buch Knitzmann heißt. Eingebettet ist die Geschichte in den Landtagswahlkampf als Knitzmanns Gegenkandidat, im Buch der Herr Wurm, sich selbst zum Froschkutteln nach Riedlingen eingeladen hat – das hat sie in den Medien nachgelesen und im Buch aufgegriffen.

Doch um was geht es überhaupt? Riedlingen, Ende 2016. In der Stadthalle –auf dessen Gelände in den 80-er Jahren tatsächlich ein Mord stattgefunden hat – wird dessen neuer Pächter Hansjörg Bruhn ermordet aufgefunden. Die Suche nach dem Mörder beginnt. Allerdings die Hauptfigur ist kein Kommissar, sondern Julius Hafner, Redakteur des „Schwäbischen Anzeigers“. „Der Kommissar kommt nur am Rande vor“, erzählt Fehr. Es liege ihr nicht so, die ganzen Entwicklungsschritte bei der Klärung des Falls zu beschreiben, erzählt sie. Die Polizeiarbeit ist ihr nicht so vertraut. Wohl aber die Zeitungsarbeit, sagt Fehr, die auch für die Schwäbische Zeitung in Ulm tätig war. „Ich habe in einer Redaktion gearbeitet, wusste wie es zugeht.“ Daher habe sie einen Journalisten als Hauptperson gewählt. Der hat allerdings keine Ähnlichkeiten mit Journalisten, mit denen sie gearbeitet hat. Auch die Namen der Protagonisten im Buch seien alle nach dem Zufallsprinzip ausgewählt worden.

Das Buch sei kein klassischer Krimi, verdeutlicht Angela Fehr. Im Laufe der Handlung werden immer wieder Geschichten eingeflochten, der Erzähler schweift ab – und manchmal werden Themen auch leicht satirisch aus Korn genommen.

Im Februar 2017 hatte die Handlung in ihrem Kopf schon soweit konkrete Züge angenommen, dass sie mit dem Schreiben beginnen konnte. Die ersten Kapitel hat sie gleich verfasst, den Fortgang in 17 weiteren Kapiteln beschrieben. Im Oktober hat sie mit einem Exposé beim Gmeiner-Verlag in Meßkirch angefragt, ob diese Interesse hätten. Drei Wochen späte lag die Antwort vor: Dass sie es machen wollen. „Ich war total überrascht“, sagt sie. Und nun lag auch der Zeitplan vor: Bis April sollte das Manuskript fertig sein –was gelang, auch wenn sie bis Oktober noch viele verändert und umgeschrieben hat. Im Oktober hat sie dann die Druckfreigabe gegeben.

Eine Achterbahnfahrt

„Das Schreiben ist eine Achterbahnfahrt“, berichtet sie. Was man an einem Tag geschrieben hat, gefällt einem am nächsten schon nicht mehr und alles beginnt wieder von vorn. Bei manchen Szenarien fehlt der Übergang, die zündende Idee. Und plötzlich beim Spazierengehen oder in der Badewanne kommt der Einfall und es geht weiter.

Wie der Krimi bei den Lesern ankommt? „Ich habe ein total unsicheres Gefühl, bin betriebsblind“, sagt sie. Zumal auch niemand aus ihrem engeren Verwandtenkreis das Buch gelesen hat. „Ich harre der Dinge, die da auf mich zukommen – ich bin gespannt auf die Reaktionen“, sagt sie. Und wenn es ein Erfolg würde, könnten sie und der Verlag sich auch einen zweiten Band vorstellen mit Bezug zu Riedlingen vorstellen. Aber einen zweiten Mord in dieser schönen Kleinstadt eher nicht. „Ich will Riedlingen ja nicht zum ständigen Mordschauplatz machen.“

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