Rückgratsalbe und Nervenelexier

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 Pfarrer Walter Stegmann alias Waldi der Kräuterverkäufer bei seiner Narrenpredigt.
Pfarrer Walter Stegmann alias Waldi der Kräuterverkäufer bei seiner Narrenpredigt. (Foto: Thomas Warnack)
Redaktionsleitung

Walnüsse für Trump, Sauerkraut für den Vatikan und Rückgratsalbe für Gemeinderäte: In seiner Narrenpredigt hat Pfarrer Walter Stegmann mit spitzer Feder die Geschehnisse in Riedlingen und der weiten Welt kommentiert. Und in seinem Bauchladen, dem mobilen Gesundheitszentrum, hat er für jeden das passende Kräuterlein parat. „In meinem Laden ist für jeden was drin, Kräuter und Salben für Hirn, Herz und Sinn“, so Stegmann alias Kräutermann „Waldi“.

Gemeinsam mit dem Pfarrer zogen neben den Ministranten auch die Hästräger und Zunfträte in die rappelvolle Georgskirche ein. Von der Empore herunter sorgten einmal mehr die Fanfaren mit ihren Fasnetslieder für den etwas anderen Ton in dieser Narrenmesse. Die Kirche war passend geschmückt, Narrenfarben waren überall zu erkennen. Den Seitenaltar schmückte eine Boppeles-Maske, sogar die Kerzen auf dem Altar waren in den Farben grün, gelb, weiß und rot gehalten. „Goole“-Rufe erschallten im Gottesdienst, Schellenklang war zu hören. Zudem sorgte Hans-Peter Lang an der Orgel mit seinen Variationen von Narrenliedern für die besondere musikalische Note.

Für die besondere inhaltliche Note sorgte Pfarrer Walter Stegmann, der in der Rolle des Waldi, dem Kräutermann. auftrat. Schon beim Einzug bot er den Besuchern Waren aus seinem Bauchladen an. Kräuter, Nerventee oder Rückgratsalben. Für wen er diese bereit hielt, verriet er in der Narrenpredigt. Die Reihe der „Kunden“ ist illuster – sie reicht vom Landrat, über den amerikanischen Präsidenten, zum ungarischen Ministerpräsidenten bis hin zu Kardinälen, dem Gemeinderat und auch zur Bürgerwehr.

Gesundheitszentrum im Kleinen

Von „meinem Freund, dem Landrat“ habe er Post erhalten, verriet Waldi. Den plagen Schlafprobleme, weil er sich um den westlichen Landkreis Sorgen mache. „Nachdem er das Riedlinger Krankenhaus habe versenkt, er Tag und Nacht jetzt nur noch daran denkt.“ Aber der Landrat denke auch noch an eine Karriereergänzung, „er würd’ gern Minister für Schadensbegrenzung.“ „Dazu brauche es Erfolge – und zwar auf die Schnelle, weil’s Gesundheitszentrum käme nicht von der Stelle“. Daher habe der Landrat, so Kräutermann Waldi, folgendes vorgeschlagen: Waldi solle doch einen Kräuterladen aufmachen in der Innenstadt – als Gesundheitszentrum auf die Schnelle. „An n’em Lieferservice frei Haus wäre er auch schon dran. Den übernähme Hans P., der Marathonmann.“ Doch Waldi wollte nichts riskieren und hat sich für einen mobilen Kräuterladen entschieden – ein Gesundheitszentrum in Kleinformat.

Auch für den Vatikan hat Waldi einige Mittelchen parat, nach „jahrelangem Vertuschungsdesaster“ beim Missbrauchsthema oder bei Finanzen. Sauerkraut will Waldi dem Vatikan liefern, um „das ganze Unrecht mal zu entschlacken, und die Sache im Sinne de Opfer endlich mal anzupacken. (...) Und ihr bekennt, was nicht war gut. Falls nicht, dann nehmt jetzt schnell den Bischofshut!“

Auch weltweite Kräuter-Exporte sind bereits geplant. Donald Trump erhält Walnüsse, „sie fördern das Denken, bevor er und andere unsere Erde versenken“. Demutskraut erhält Viktor Orban aus Ungarn, der „viel zerstört und sich getraut viel Geld der EU – ohne sich zu schämen als Europagegner gern anzunehmen.“ Auch für die AfD hat Waldi ein Mittel parat: „eine Packung Klee, gemischt mit Bärlauch und Narziss entschlacken gut bei Geldbeschiss.“

Aber auch die Gemeinderäte der Stadt bekamen in der Rede ihr Fett beziehungsweise ihre Kräuterlein ab. Dabei ging Waldi auch auf das Wohnbauprojekt „Schwanen“ ein. Die Investoren „die brauchen nämlich was zum Verdauen, haben gut konsumiert beim ,sozialen Bauen’ (...). Der Mietzins von der Stadt garantiert – ziemlich fett; vom Gemeinderat durchgewunken, ja ich wett: Der liegt jetzt schwer in manchem Magen, wird auchs Gewissen schon mal plagen“, reimte der Pfarrer. Für den Gemeinderat hat er deshalb Rückgratsalben vorrätig.

Georgsknabe Schultes Marcus Schafft kam gut weg. Er erhält nur ein Kräuter-Nerven-Elixier, weil „er kann machen was er will, im Rathaus wird es niemals still.“ Dagegen hat er für Rätin Dorothea Kraus-K. Lavendel parat – „es hilft beim Akzeptieren von Bürgerentscheiden, – bewahrt auch vom Schmollen und anderen Leiden“. Auch Role Uhl und seine Schelte an der Abholzung der Misse fand Beachtung in der Rede. Darüber hinaus noch die Bürgerwehr, die ihm manchmal kraftlos dünke. Ihnen wollt er Hagebuttenpulver für den Rücken schenken. Und auch der SZ-Redakteur wurde noch beschenkt: „Salbei und Schlehen – sortiert fein in Bündeln. Bewahren vor Ängsten und schützen vor’m Zündeln.“

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