Problematik unzureichend dargestellt

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Der Dokumentarfilm „Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“ setzt sich kritisch mit der Jägerei auseinander.
Der Dokumentarfilm „Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“ setzt sich kritisch mit der Jägerei auseinander. (Foto: Archiv/dpa)
Heinz Thumm

Der Film „Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“wird am Montag, 9. Juli, ab 20.30 Uhr wiederholt.

„Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“, so lautet der Titel des Dokumentationsfilm von Alice Agneskirchner. Die Plätze im Lichtspielhaus Riedlingen waren bei der ersten Vorführung am Donnerstag gut besetzt, war doch im Nachgang eine Diskussion geplant.

Zur Überraschung vieler Besucher spielte die Jagdhornbläsergruppe Altkreis Saulgau zusammen mit den Bläsergruppen Bussen, Mengen und Riedlingen zur Begrüßung vor der Eröffnung drei Musikstück aus ihrem Repertoire. Mit Spannung wurde hernach darauf gewartet, wie die kritischen Fragen zum Wald, zum Wild und zur Jagd beantwortet wurden.

Im Film ging es um die Frage, wie wir unseren Lebensraum – die Wälder, Felder und Wiesen, die uns umgeben – mit den Wildtieren teilen. Jäger, Förster, Waldbesitzer, Wildbiologen, Tierschützer und Bauern suchten nach Antworten, warum, wer und wie gejagt wird.

Prächtige Bilder und stimmungsvolle Ansichten erfreuten die Besucher. Warum aber zwei Wölfe und die Geschichte von „Bambi“ viel Raum im Film erhielten, blieb bis zum Schluss ohne Aufklärung. Die Dokumentation spielte zumeist im bayerischen Alpenraum und in den neuen Bundesländern. Die Problematik des Rotwilds und der Gamsbestände im Alpenraum und die Beeinträchtigungen durch Verkehrswege, Skipisten, Tourismus und Erholung nahm breiten Raum ein. Wenn Wild für den Zeitraum von bis zur Hälfte des Jahres auf enge Räume zusammengedrängt wird, müssen zwangsläufig im Berg- und oft Schutzwald Konflikte auftreten. Auftretende Verbissschäden wurden nach Ansicht von Jägern verniedlicht, altbekannte Gemeinwohlfunktionen des Waldes wie Wasserspeicherung, Erosionen, Schutz vor Lawinen überhaupt nicht erwähnt.

Die Entwicklung der Schwarzwildpopulationen wurde gar nicht erwähnt, dafür die Risiken der Gamsbestände – aus Sicht der Jägerschaft – sehr einseitig dargestellt. Offensichtlich sind in Baden-Württemberg seit Jahrzehnten die Wildstände deutlich strenger verringert worden als in anderen Bundesländern. Auch werden im Lande Themen wie Wildbrethygiene, Wildbiologie, Tierschutz und Lebensräume deutlich fortschrittlicher behandelt als im Film gezeigt.

Zudem wurden die seit Jahren vor sich gehenden gravierenden Veränderungen in der Landwirtschaft nicht erwähnt und damit sind auch die Verschlechterungen im Lebensraum in diesen Teilen unbeachtet geblieben. Die Verantwortung aller Menschen für die Umwelt müsse deutlich herausgestellt werden, so eine Forderung: „Natur und Wald können auch ohne die Menschen überleben – der Mensch aber nicht ohne sie!"

Das eigentlich vorgesehene Filmgespräch im Anschluss an die Filmvorführung kam dann nicht zu Stande, weil viele Besucher es vorzogen in kleinen Gruppen vor dem Lichtspielhaus zu diskutieren. Der stellvertretende Kreisjägermeister der Jägervereinigung vom Altkreis Saulgau Bruno Bidlingmaier versuchte in einigen Gesprächen noch den Blickwinkel der Jäger zu verdeutlichen.

Der Film „Auf der Jagd - Wem gehört die Natur?“wird am Montag, 9. Juli, ab 20.30 Uhr wiederholt.

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