Praxiseinblick mit Perspektivenwechsel

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 Zwei Tage lang tauschten die Schüler das Klassenzimmer mit der Werkstatt.
Zwei Tage lang tauschten die Schüler das Klassenzimmer mit der Werkstatt. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Das Brettspiel Solitär ist ein weltweit verbreitetes Spiel für ein bis zwei Personen und hat zum Ziel, 31 von 32 Steinen auf dem Spielbrett auszulöschen. Pro Sprung darf man mit einem Spielstein genau einen daneben liegenden überspringen, der dadurch „gelöscht“ wird - am Ende sollte nur ein Stein übrig bleiben. Die Schüler und Schülerinnen des Kaufmännischen Berufskollegs I der Beruflichen Schule in Riedlingen konnten dieses Spiel an zwei Praxistagen selbst anfertigen und anschließend natürlich mit nach Hause nehmen – gut und schön verpackt in einer eigens dafür hergestellten Blechkiste.

Die Klasse des BKI war an den Praxistagen nicht in ihrem normalen Klassenzimmer vorzufinden. Stattdessen standen sie, aufgeteilt in zwei Gruppen, zusammen mit ihren betreuenden Lehrern Eduard Schmid und Berthold Senfle in der Metallwerkstatt. Sie bekamen, nach einer Einweisung in Sicherheits- und Gefahrenaspekten sowie in die Unfallverhütungsvorschriften Einblick in die Metallverarbeitung. Ein Perspektivenwechsel sozusagen.

Eine Gruppe erstellte zuerst die Blechkiste. Hierfür wurde Blech passgenau zugeschnitten, anschließend musste dieses gebohrt und gekantet (gebogen) werden. Die andere Gruppe stellte aus kleinen Rund-eisen aus Aluminium die Spielsteine her – diese wurden zugeschnitten und entgratet. Das Spielbrett bestand aus einem 20 Millimeter dicken Aluminiumquadrat und maß 80 mal 80 Millimeter. Es erhielt mit einer CNC-Fräsmaschine 33 Bohrlöcher für die 32 Spielsteine. Am nächsten Praxistag wurden die Tätigkeiten gewechselt. Der Perspektivenwechsel war für die Schüler mal etwas ganz Neues – selten bekommt man ja außerhalb einer Ausbildung Einblick in solche Tätigkeiten.

An beiden Nachmittagen fand zusätzlich Theorieunterricht bei Georg Roth statt. Hhier war die gesamte Klasse gemeinsam dabei. Am ersten Nachmittag schrieben die Jugendlichen ein CNC-Programm, welches das Bohren der Löcher und das Anbringen einer umlaufenden Phase simulierte, genauso wie sie es auch bei Berthold Senfle in der Werkstatt gemacht hatten. Am zweiten Nachmittag zeichneten die Schüler mittels CAD die Blechkiste. Hierfür erstellten sie die Kiste im CAD-Programm, machten die Abwicklung und fertigten dann zum Teil noch eine technische Zeichnung an.

Dieser außerordentliche Nachmittagsunterricht wurde von großem Interesse seitens der Schüler begleitet. Alle Lehrkräfte lobten die Schüler für ihr Engagement und entdeckten vor allem auch bei einigen Mädchen durchaus Talent für die Metallverarbeitung. Der Grundgedanke zu den Praxistagen war, den Schülern die Möglichkeit zu geben, auch einmal mit technischen Arbeitsschritten in Berührung zu kommen und dabei eventuell bei ihnen Interesse für das Berufsfeld Metall zu wecken. Die Rückmeldebogen der Schüler verzeichneten ein durchweg positives Bild, was Anreiz schafft, weitere Praxistage in den Folgejahren anzubieten.

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