Prügelduo bekommt richterlichen Einlauf

Lesedauer: 6 Min

Zwei junge Männer mussten sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Riedlingen rechtfertigen.
Zwei junge Männer mussten sich wegen Körperverletzung vor dem Amtsgericht Riedlingen rechtfertigen. (Foto: dpa/Archiv)
Stv. Redaktionsleitung

Aus Streitlust haben zwei 18-Jährige einen 22-Jährigen verprügelt. Deshalb standen sie am Mittwochmorgen vor dem Amtsgericht in Riedlingen. Zwar gaben die beiden ihre Tat zu, Richter Ralph Ettwein vermisste allerdings die Reue. Der eine Angeklagte bekam wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung 50 Arbeitsstunden und ein soziales Training aufgebrummt. Der andere muss für die gefährliche Körperverletzung 600 Euro Strafe bezahlen. „Da war eine völlig blödsinnige Aktion“, so der Richter.

Täter und Opfer kannten sich nicht, bei McDonald sind sie am 20. Januar zufällig aufeinander getroffen. Es war kurz vor Ladenschluss, gegen 2.50 Uhr, als der Geschädigte zusammen mit drei jungen Frauen das Schnellrestaurant betrat. Die Gruppe war auf der Heimfahrt von einer Fasnetsveranstaltung und wollte noch etwas essen. Sie bestellten und setzten sich. Im Restaurant seien außer ihnen auch noch drei Männer gewesen, sagt der Geschädigte. Einer von ihnen habe herumgeschrien. Daraufhin habe er ihn gefragt, ob er ein Problem habe. Das sei alles gewesen, was er gesagt habe. Die beiden 18-jährigen Angeklagten, die zugaben an dem Abend ordentlich getrunken zu haben, wollten „Hurensohn“ gehört haben. Das hatte aber außer den beiden sonst niemand gehört.

Wegen des angeblich gerufenen Schmähwortes fühlten sich die Angeklagten provoziert. Der Kräftigere griff den Geschädigten von hinten an und prügelte auf dessen Kopf ein. Gewehrt habe er sich nicht, sagt dieser vor Gericht aus. Er sei aufgesprungen und weggegangen. Das Personal und auch die jungen Frauen versuchten deeskalierend zu wirken. Allerdings ging wenig später auch der zweite Angeklagte auf den 22-Jährigen los. „Warum haben Sie sich eingemischt?“, wollte Richter Ralph Ettwein wissen und spielte auf die zierliche Figur des zweiten Angeklagten an. Er sei doch nur die Hälfte vom seinem Freund. Eine Zeugin hatte gehört, dass er vom anderen aufgefordert worden sei, zuzuschlagen. Wieder gab es Prügel für den 22-Jährigen. Ein Woche lang hatte er Kopfschmerzen davon. Warum er sich nicht gewehrt habe, fragte Ettwein. Das sei nicht seine Sache. „Das ist mir zu blöd. Nachher stehe ich noch vor Gericht, wenn ich zurückschlage.“ Strafanzeige habe er nur gestellt, weil ihm das die Polizei empfohlen habe, sagte er. Zivilrechtlich will er nicht gegen die beiden vorgehen.

Beide Angeklagte wurden von Ines Winter von der Jugendhilfe als reife- und entwicklungsverzögert eingestuft. Winter bezeichnete die Tat als Impulshandlung und empfahl das Jugendstrafrecht anzuwenden. Beide haben sie ihre Ausbildung abgebrochen. Momentan jobbt der eine bei einer Zeitarbeitsfirma, der andere ist arbeitssuchend. Beide wollen sie eine neue Ausbildung beginnen. Sie sind keine unbeschriebenen Blätter. Für den Kräftigeren war es die dritte Körperverletzung, allerdings die erste, die vor Gericht landete. Der zweite Angeklagte war für Richter Ettwein kein Unbekannter. Wegen Sachbeschädigung und Beleidigung musste er sich bereits verantworten. „Und da ist doch noch etwas anhängig mit Körperverletzung und Widerstand gegen die Polizei“, erinnerte sich Ettwein.

Sowohl Sascha Musch von der Staatsanwaltschaft als auch Richter Ettwein redeten den beiden ins Gewissen. Ettwein erklärte ihnen, sollten sie nach dem Erwachsenenstrafrecht abgeurteilt werden, drohten sechs bis acht Monate Arrest. Das mache sich in keinem Führungszeugnis gut.

Künftig sollten sie besser nachdenken und weniger trinken. Ettwein verhängte für den einen Angeklagten wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung 50 Arbeitsstunden, die er innerhalb eines Monats ableisten muss und ein soziales Training.

Der andere bekam wegen gefährlicher Körperverletzung 600 Euro Strafe aufgebrummt, da er arbeite. Außerdem tragen sie die Kosten des Verfahrens. „Ich kenne von Ihnen die ganze Clique“, so Ettwein. In nüchternem Zustand seien die Jungs okay. Aber wehe sie haben getrunken, dann werde bei jedem Fest die große Keule raus geholt. „Halten Sie künftig die Füße still“, empfahl der Richter.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen