Picasso in allen Lebensphasen

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Waltraud Wolf

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren machte sich der Kunstkreis 84 Riedlingen auf, sich dem Maler Pablo Picasso zu widmen. War 2016 „Picasso und Deutschland“ in der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall das Ziel, so begaben sich am Samstag 45 Kunstinteressierte weit über Riedlingen und den Kunstkreis hinaus nach Riehen bei Basel in die Fondation Beyeler, um dort dem jungen Picasso zu begegnen und damit seiner Blauen und Rosa Periode, „allesamt Meilensteine auf dem Weg zum berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts“, wie die Bilder im Prospekt des Kunstmuseums gepriesen werden. „Die Bilder dieser Schaffenszeit zählen zu den schönsten der Moderne und zu den wertvollsten Kunstwerken überhaupt“.

Erschlossen haben sich die Besucher aus Riedlingen und Umgebung die Bilder per Audio-Guide oder im fachsimpelnden Gespräch untereinander, war doch eine ganze Reihe von selber Malenden unter ihnen. Hätte man eine Führung gewünscht, wären – inklusive Eintritt – für maximal 20 Personen 800 Franken angefallen. Das schien dem Kunstfahrten-Team Barbara Bulander und Waltraut Jerger denn doch zu viel. Dass die beiden zusammen mit Sybille Kiemel solche Unternehmungen akribisch vorbereiten und man sich bequem in den Bus setzen darf, um Kunst genießen zu können, das wird von den Teilnehmern sehr geschätzt.

Das geflügelte Wort des Künstlers „Ich wollte Maler sein und bin Picasso geworden“ stand bei der Ausstellung über allem und kennzeichnete einen Künstler stets auf der Suche nach neuen Bildthemen und Ausdrucksformen. Begegnete man zunächst einem sich selber farbenfroh gemalten Pablo Picasso und dem bunten Pariser Leben zu Beginn des 20. Jahrhunderts, änderte sich der Stil schlagartig. Der Selbstmord seines Freundes Carles Casagemas führte ihn zur blauen Phase seines Schaffens und zu sehr berührenden Bildern von Einsamkeit, Armut und Elend, eingefangen mit der Darstellung von Bettlern, Prostituierten, Gefangenen oder auch Behinderten.

Besonders hatte es Teilnehmern der Reisegruppe das Bild „Das Leben“ angetan. Mit einem jungen Paar und einer Mutter mit Säugling im Vordergrund, Liebenden und einer trauernden Frau zurückversetzt. Als er, der zuvor zwischen Barcelona und Paris pendelte, nach seiner ständigen Übersiedelung nach Paris Madeleine kennen lernte und als zartgliedriges Wesen malte und einige Monate später mit Fernande Olivier seine erste langjährige Weggefährtin und große Muse, werden die Bilder wieder lichter. Sie werden von Rosa- und Ockertönen bestimmt. Die darauf Dargestellten strahlen dennoch Melancholie, gar Trostlosigkeit aus, so vor allem die Gaukler, denen er sich in seiner Rosa Periode widmete. Besonders beeindruckend hier das Bild einer jungen Artistenfamilie mit einem Affen.

Formen erproben

Der Verkauf von Bildern ermöglichte ihm einen Aufenthalt zusammen mit seiner Partnerin in einem katalanischen Bergdorf. Hier wandte er sich einem neuen „Primitivismus“ zu, in der Ausstellung erkennbar in weiblichen Akten, aber auch einem Selbstbildnis mit massivem Oberkörper, gräulicher Hautfarbe und maskenhaftem Gesicht. Nicht mehr Gefühle wollte er darstellen, sondern neue Formen erproben. Sie führten ihn zum Kubismus und die Reisenden in zwei weiteren Ausstellungsräumen zu dem Picasso nach 1907 bis zu seinem Spätwerk.

Immerhin nennt sich die Fondation Beyeler „im Besitz einer der größten und qualitätsvollsten Picasso-Sammlungen weltweit“. Es ist die Zeit, in der er „äußere Erscheinungen – zum Beispiel Figuren oder Gegenstände – seiner freien Vorstellungskraft auf kühne Weise unterwarf“. Und so erlebten die Kunstinteressierten aus Riedlingen einen Picasso von seinen jungen Jahren bis hin zu seinem Tod.

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