Percussionsklänge unter Bäumen

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 Christine Kohnen (links) mit ihrer Trommelgruppe.
Christine Kohnen (links) mit ihrer Trommelgruppe. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Der sommerliche Abend war einladend für ein Musizieren im Freien. Markus Merz und die Schüler seiner Instrumentalklasse für Schlagzeug packten Instrumente und Notenständer, um im Rücken der Musikschule ihre Vorspielstunde zu präsentieren. Eltern und Gäste saßen im Schatten, freuten sich über die Vielfalt der Klänge und spendeten reichlich Beifall. Dieser galt auch Christine Kohnen, die mit ihrer Djembe-Trommelgruppe zu Gast war.

Markus Merz und seine spielfreudige Band im Freien zu erleben, hat einen anderen Stellenwert als in der räumlichen Enge des Kaplaneihauses. „Dennoch“, so stellte Merz bei seiner Begrüßung fest, „stellt das Musizieren im Freien ganz andere Anforderungen an die Musiker, weil der gewohnte Raumklang fehlt.“ Dem Schwung, mit dem die Band mit Carmen die Stunde eröffnete, tat dies allerdings keinen Abbruch. Zusammen mit Markus Merz, der „als ganz gewöhnlicher Spieler“ in diesem Ensemble agiert, bilden Bodo Reusch, Nico Strang, Johannes und Leander Kienle, Elias Schwörer, Yanis Rieber, Hannah Hepp, Moritz Selg, Friedrich Ott und Benjamin Huss eine musikalisch verschworene Gemeinschaft. Ihnen zuzusehen, wie vier Schläger beim Marimbaphon durch die Luft und auf die Tasten wirbeln, wie schwungvoll das Plenum agiert, wieviel Wert auf melodienfreundliches Musizieren gelegt wird, um einen abgerundeten Gesamtklang zu erzeugen, wie wertvoll der variantenreiche Rhythmus auf den Cajons ist, das erstaunte auch bei „Apache“ von Jerry London. Mit diesen beiden großen Auftritten umrahmte die Band die Einzelvorträge, bei denen sich talentierte Nachwuchsmusiker nicht weniger ins Zeug legten.

Variantenreiches Spiel

Dies gilt für Matti Ilg, Frieder Volz und Jakob May in gleichem Maße wie für Benjamin Huss, Johannes Kienle, Bodo Reusch und Nepomuk Ecker. Alle waren top vorbereitet, fühlten sich sicher in ihrem Drum-Set und überraschten die Zuhörer immer wieder mit variantenreichem Spiel auf Trommeln und Becken, auch bei einem Rock im seltenen Dreiviertel-Takt. Instrumentales Playback erhöhte den Raumklang, zwang den Schlagzeuger jedoch, den vorgegebenen Takt sowohl bei einem Blues wie auch bei Klängen aus der Karibik genau einzuhalten. Als Terzett mit ihrem Lehrer erlebten die Zuhörer Simon Saupp und Nadine Vogel, besonders reichen Beifall erntete Moritz Selg für ein virtuoses Marimbaphon-Solo. Mit vier Schlägeln baute er markante Einzeltöne auch bei schnellen Passagen zielsicher in den melodischen Fluss seines Vorspiels ein. Mit eigener Schlagtechnik „direkt aus der Karibik eingeflogen“ begeisterte er als tolles Duo mit seinem Lehrer melodisch variabel, rassig im Klang mit fetzig mitreißenden Solopassagen.

Als Gast bereicherte Christine Kohnen mit ihrer Djembe-Gruppe für Erwachsene das sommerliche Vorspiel. „Djembelaya“ betitelte Markus Merz das interessant agierende Ensemble. Wunderbar einheitlich in Schlagtechnik und Rhythmus, erweitert durch gesungene, oft wiederholte Klangeinheiten bis zu fein abschwellenden Tönen verströmte die Gemeinschaft eine angenehme Wirkung. „Kuku” und „Moribayassa” wiesen afrikanische Einflüsse auf, das „Baba la Gumbala“ lud die Zuhörer ein, sich beim Kehrreim in den Gesang mit einzubringen. Das Ganze war ein sehr variabel gestalteter Auftritt – als interessante Klangkombination in der zauberhaft gelösten Stimmung mit den Instrumenten der Schlagzeugfamilie.

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