Ostumfahrung: Nicht nur Kritik, auch Freude über späte Realisierung

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Die Ostumfahrung kommt später, der Verkehr rollt vermutlich auch 2030 noch auf der bestehenden B 311 – zur Freude der Geschäfts
Die Ostumfahrung kommt später, der Verkehr rollt vermutlich auch 2030 noch auf der bestehenden B 311 – zur Freude der Geschäftstreibenden. (Foto: Bruno Jungwirth)
Redaktionsleitung

Für die Ostumfahrung Riedlingen soll erst im zweiten Halbjahr 2025 mit den Planungen begonnen werden. Dies hat das Land im Zusammenspiel mit dem Regierungspräsidium beschlossen (SZ berichtete). Eine Realisierung ist damit nicht vor 2033 zu erwarten. Von der Politik wird dies zum Teil heftig kritisiert, doch Manfred Schlegel – mit seinem Autohaus Anlieger an der Straße – findet die späte Realisierung gut. Unternehmen an der bestehenden B 311 profitieren vom Verkehr, heißt es von Schlegel.

Die Ostumfahrung Riedlingen ist ein Baustein zur Ertüchtigung der überregionalen West-Ost-Verbindung von Freiburg nach Ulm. Sie ist beim Straßenbaugipfel des Landes vom März diesen Jahres mit neun anderen Maßnahmen in die Gruppe „Planungsbeginn bis 2025“ eingestuft worden. In der im Juni erstellten Prioritätenliste des Landes ist die Riedlinger Maßnahme allerdings auf den letzten Platz dieser Gruppe mit Planungsbeginn ab Juli 2025 gerutscht.

Bürgermeister Marcus Schafft („Wichtige Maßnahme für die Region“) als auch die Abgeordneten hatten sich über diesen späten Planungsbeginn enttäuscht gezeigt. Martin Gerster (SPD) war „fassungslos“, wie er gegenüber der SZ, aber auch auf seinem Facebook-Auftritt mitteilte, denn aus seiner Sicht ist die Maßnahme komplett durch finanziert und könnte angegangen werden.

Allerdings ist nicht jeder traurig, dass die Ostumfahrung erst später kommen soll. Der Riedlinger Gemeinderat und Geschäftstreibende Manfred Schlegel sieht dies gänzlich anders. „Ein Großteil der (insgesamt wenigen) Anwohner profitiert von dem Verkehr auf der bestehenden B 311. Sei es als Betreiber eines Cafés, einer Bäckerei, Tankstellen, Autohaus, Steakhouse oder McDonalds. Viele Arbeitnehmer, gerade auch Frauen finden hier Arbeit. Vor allen Dingen deren Arbeitsplätze sind bei der Realisierung der Umfahrung gefährdet. Für sie und uns Anwohner ist die heutige Botschaft eine gute und der heutige Tag ein guter Tag“, so Schlegel in einem Kommentar unter dem Facebook-Post von Gerster.

Dass Riedlingen in der Gruppe auf den letzten Platz gesetzt wurde, führt der Pressesprecher des Regierungspräsidiums Dirk Abel auch auf das Kriterium „Belastungen und Betroffenheit der Bevölkerung“ zurück. Natürlich sei jeder Betroffene zu viel, aber man müsse die Gesamtbelastung der Bevölkerung bei einer Maßnahme bewerten. Und bei anderen geplanten Vorhaben ist die Belastung der Bevölkerung unstrittig höher.

Der späte Planungsbeginn hat allerdings auch mit fehlendem Fachpersonal der Behörden zu tun hat. In anderen Kommunen mit Planungsbeginn ab 2030 soll durch kommunale Planungsgesellschaften eine früherer Realisierung erreicht werden. Sowohl Bürgermeister Schaff als auch der Abgeordnete Josef Rief hatten das Thema auch für Riedlingen ins ins Spiel gebracht. Doch auch diese Gesellschaften müssen erst einmal das notwendige Personal rekrutieren. Und ob dies zu einer Beschleunigung des Prozesses führt, ist unsicher.

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