Organisten verkünden das Evangelium

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 Pfarrer Walter Stegmann (von links) und Christa Stöhr bei der Ehrung von Brunhilde Roth für 60 Jahre Organistendienst in der Pf
Pfarrer Walter Stegmann (von links) und Christa Stöhr bei der Ehrung von Brunhilde Roth für 60 Jahre Organistendienst in der Pfarrkirche Daugendorf. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

An Pfingsten 1959 saß Brunhilde Roth als junges Mädchen zum ersten Mal in einem Gottesdienst an der Orgel. So fügte es sich, dass auch in den Pfingstgottesdienst 2019 in St. Leonhard in Daugendorf der Dank für 60 Jahre Organistendienst auf verschiedene Weise mit einbezogen wurde.

Für Brunhilde Roth war es eine Selbstverständlichkeit, dass sie auch an ihrem Jubiläumstag an ihrer Orgel in Daugendorf saß. Der Chor Klangfärber mit Rudi Karnik verlieh dem Gottesdienst mit jubilierenden und doch fröhlichen Klängen den feierlichen Rahmen. Pfarrer Dr. Mayanja dankte für den treuen Dienst über 60 Jahre als Organistin. „Organisten verkünden auch das Evangelium“ betonte er, die Liturgie könne nicht auf die Orgel als der Königin der Instrumente verzichten. Den Heiligen Geist als präsenten, wenngleich wenig greifbaren Wegbegleiter der Organistin verglich er mit drei materiellen Zeichen: Ein Feuerzeug enthält Gas oder Spiritus für Licht und Mut zu neuem Handeln, ohne Salzstreuer bleibt die Suppe und damit auch das Leben fahl, wenngleich auch die Suppe versalzen werden kann, und eine Stimmgabel kann im Sinne des Heiligen Geistes den richtigen Ton für eine dauerhafte Harmonie finden.

Für die Kirchengemeinde Daugendorf dankte Christa Stöhr als zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats. „Anfangen ist oft das Schwerste, in Treue bleiben das Beste“ unterstrich sie in ihren Dankesworten. In einem kurzen Abriß von 60 Jahren Organistendienst machte sie klar, dass es für Brunhilde Roth nicht immer leicht war, alles unter einen Hut zu bekommen. Doch „Orgelspielen war für Dich nie eine Last“, stellte sie fest, auch durch die Gestaltung des Leonhardslieds sei sie fest mit der Kirchengemeinde verbunden. „Neben Blumen und einem Gutschein soll der Heilige Geist auch weiterhin dein Begleiter sein.“

Dem schloss sich Pfarrer Walter Stegmann an, als er für die Seelsorgeeinheit Riedlingen und für die Diözese Rottenburg-Stuttgart der treuen Organistin dankte. „Mit Herzblut haben Sie Ihren Dienst verrichtet, denn Musik ist das Tor zur Seele.“ Durch mehrere Generationen hindurch habe Brunhilde Roth die Kirche erlebt, den Wandel der Liturgie ebenso wie die musikalische Veränderung vom ursprünglichen Latein zum Volkskirchengesang. „60 Jahre Organistendienst sind einige Tausend Beanspruchungen“ betonte Stegmann und zollte Roth für Können, Disziplin, Flexibiltät und Verbindlichkeit als Lebensleistung Respekt und Hochachtung. Mit Urkunde und Ehrenbrief brachten die Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Cäcilienverein Anerkennung und Dank für diese Treue zur Kirchenmusik zum Ausdruck.

Auch bei Hochwasser unterwegs

In der Gemeindehalle überbrachte Ortsvorsteher Armin Lenz den Dank der Stadt Riedlingen und der Ortschaft Daugendorf. Auch er lobte Roths Zuverlässigheit, die sicher mehr als 3000 Mal von Unlingen nach Daugendorf gekommen sei – „auch bei Hochwasser“. Private Interessen habe sie stets in den Hintergrund gestellt und sich 1993 mit dem Arrangement des Daugendorfer Narrenlieds von Paul Huber auch auf eine andere Art ins Daugendorfer Dorfleben eingebracht. Verbunden mit einem Essensgutschein betonte er: „Fein, dass wir dich in Daugendorf haben“.

In heiterer Weise sprach Robert Schmid als Vorstand der Klangfärber Brunhilde Roth als Organistin und Sängerin den Dank der Sängerschar aus. „60 Johr – des sait mr so gschwend“, doch was dahinsteckt, verdiene Respekt und Vergelts Gott auch von Seiten des Chors. Verlässlichkeit, Ausdauer („so lange, bis der Chor das neue Lied kann“), Kameradschaftspflege, Begeisterung und eine hohe Musikaliät „davon profitiert der Chor.“ Blumen und Vitamine verband Schmid mit seinem Wunsch: „Wir hoffen, dass es noch lange so bleibt.“ All diese Dankesworte kleidete Brunhilde Roth in ein herzliches „Vergelt’s Gott“ an alle und für alles.

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