Nur ein Angebot – das liegt viel zu hoch

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 Die neue Wasserleitung kommt erst im nächsten Jahr, da die Arbeiten dafür neu ausgeschrieben werden.
Die neue Wasserleitung kommt erst im nächsten Jahr, da die Arbeiten dafür neu ausgeschrieben werden. (Foto: Oliver Berg)
Redaktionsleitung

Eigentlich hätten noch im Herbst die Arbeiten für die neue Wasserleitung zwischen Riedlingen und Neufra beginnen sollen. Doch die Maßnahme wird auf das neue Jahr verschoben. Hintergrund: Auf die Ausschreibung für die Arbeiten ging nur ein Angebot ein und das lag fast doppelt so hoch als die Kostenschätzung vorsah. Nun soll zum Jahresende ein neuer Versuch gemacht werden.

Im Bausektor und bei der Handwerkerschaft brummt es. Das bekommen auch die Gemeinden immer wieder bei Ausschreibungen zu spüren. So wie nun die Stadt Riedlingen bei ihrer Ausschreibung für die Verbundleitung zwischen Neufra und Riedlingen. Mit der Leitung werden die Wassernetze aus Riedlingen und Ertingen miteinander verbunden. Und letztlich soll nach Fertigstellung der Ringleitungen der Hochbehälter in Erisdorf vom Netz genommen werden. Der Brunnen in Neufra wird als Notbrunnen aufrechterhalten – das heißt: Er speist nicht mehr in den laufenden Betrieb ein, sondern kann bei Notsituationen bei Bedarf mit provisorischen Pumpen reaktiviert werden.

Die ersten Abschnitte für die neue Verbundleitung ist bereits erfolgt. Bis zum Kindergarten Neufra wurde die Leitung hergestellt. Es fehlt noch das Teilstück vom Gewerbegebiet Rauhe Wiesen bis zum Pumpwerk Neufra. Die Arbeiten dafür wurden am 11. August ausgeschrieben. Bis zum 5. September ging nur ein Angebot ein. Und das lag deutlich über der Kostenschätzung. Das Büro Funk hatte für diesen Abschnitt mit Kosten in Höhe von 520 000 Euro berechnet – inklusive der Verlegung der Mikrorohre für DSL. Das Angebot lautete aber auf 907 000 Euro.

Das Ingenieurbüro hat das Angebot nochmals geprüft und bewertet. Als Ergebnis wurde empfohlen die Ausschreibung wegen deutlicher Überschreitung des Vergabebudgets aufzuheben. Dem ist der Bauausschuss nun gefolgt. Auch das Regierungspräsidium als Bewilligungsbehörde hat dem und einer Fristverlängerung um ein Jahr zugestimmt.

Vor Weihnachten soll die Maßnahme nochmals ausgeschrieben werden. Die Angebotsabgabe ist im Januar vorgesehen. Die Verwaltung erhofft sich, dass die Auftragsbücher der Firmen dann für das kommende Jahr noch nicht voll sind und sich mehrere Unternehmen beteiligen, so Bürgermeister Marcus Schafft.

Gemeinderat Franz-Martin Fiesel hatte seine Zweifel am Erfolg. Er erinnerte an eine Baumaßnahme an einem Regenüberlaufbecken in der Zwiefalter Straße. Auch dort wurde neu ausgeschrieben. Und das Ende vom Lied: Das neue Ausschreibungsergebnis war noch höher.

Spezialfirmen sind gefragt

Doch Tiefbauamtsleiter Peter Dorn sieht für den aktuellen Fall eine andere Ausgangslage. Damals konnten die Arbeiten nur von Spezialfirmen gemacht werden, die rar gesät sind. Doch die nun anstehenden Arbeiten können etliche Unternehmen in der Raumschaft ausführen. Doch die „Firmen sind derzeit gnadenlos voll“, so Dorn. Von daher hofft er schon darauf, dass mit einer späteren Ausschreibung und indem den Unternehmen mehr Zeit für die Fertigstellung eingeräumt wird, sich mehr Unternehmen daran beteiligen. Dieter Hebeisen schlug vor, sogleich wieder auszuschreiben. „Warum acht Wochen warten?“, fragte er. Doch letztlich folgte der Ausschuss dem Vorschlag der Verwaltung einstimmig.

„Wieso merkt das niemand?“

Eine Nachfrage zum Prozedere hatte noch Gemeinderat Roland Uhl. Denn in der Vorlage wird ausgeführt, dass der Wasserleitungsverbund im Bereich von Neufra zunächst über das vorhandene Ortswassernetz vorgesehen war. Doch die Feinplanung hat nun ergeben, dass dieses dafür nicht ausreichend dimensioniert ist. So ist noch eine separate Druck- und Fallleitung vom Gewerbegebiet „Rauhe Wiesen“ bis ans Pumpwerk Neufra erforderlich. „So was wird doch geplant, wieso merkt das niemand?“, fragte Uhl. Doch Dorn erläuterte, dass die Strukturplanung nur ein Grobkonzept sei, dem eine Feinplanung folge. Und in dieser werden nochmals detaillierte hydraulische Berechnungen vorgenommen. Die haben in diesem Fall zu einem neuen Ergebnis geführt.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme „Verbundleitung“ liegt nach der Schätzung bei 1,384 Millionen Euro (netto). Davon übernimmt die Stadt Riedlingen zwei Drittel der Kosten, die Gemeinde Ertingen ein Drittel. Allerdings erhalten beide Kommunen Zuschüsse in Höhe von 80 Prozent der förderfähigen Kosten, so dass für die Stadt Riedlingen noch 184 000 Euro plus der Baunebenkosten in Höhe von rund 15 Prozent verbleibt.

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