Notfallseelsorger dringend gesucht

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Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert.
Notfallseelsorger sind Teil der Rettungskette und werden bei größeren Unglücksfällen mitalarmiert. (Foto: Archiv: dpa/Patrick Seeger)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleitung

Sie sind da, wenn Menschen eine Unglücksbotschaft erhalten. Sie bleiben, um zuzuhören, um Trost zu spenden. Ihr Name ist Programm: die Notfallseelsorger im Landkreis. Seit 15 Jahren unterstützen sie Polizei und Feuerwehr bei Einsätzen. Ihr Dienst wird von Einsatzkräften wertgeschätzt. Nur finden sich im westlichen Landkreis immer weniger Ehrenamtliche, die diese Aufgabe übernehmen wollen, sagt die katholische Dekanatsreferentin Kerstin Leitschuh.

Gerade mal acht aktive Notfallseelsorger stehen im Bereich von Riedlingen, Bad Buchau und Schussenried auf der Liste. Acht Notfallseelsorger, die das ganze Jahr über diesen Dienst abdecken sollen. Wenn dies gelingen sollte, müssten sie an 45 Tagen im Jahr Bereitschaft haben und dann rund um die Uhr in der Lage sein, einen Einsatz anzunehmen. Das ist viel; zu viel. So müssen Notfallseelsorger auch aus dem Bereich Biberach im westlichen Landkreis einspringen.

Die Zahl der Notfallseelsorger war im Bereich Riedlingen schon mal deutlich höher, sagt Leitschuh. „Es hat in der Tat einen Generationswandel gegeben. Es haben langjährige Notfallseelsorger aufgehört“, erzählt sie. Aber auch andere Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich weniger Freiwillige für die Aufgabe finden. „Wir spüren ganz deutlich den Wandel im Ehrenamt.“ Die Frau, die zuhause ist und neben der Haus- und Erziehungsarbeit im Ehrenamt eine weitere Aufgabe sucht, wird immer seltener. Und wer etwas im Ehrenamt sucht, kann aus der ganzen Bandbreite auswählen.

Die Ehrenamtlichen der Notfallseelsorge werden – wie der Name sagt – bei Notfällen hinzugerufen: bei Bränden, wenn die betroffene Familie betreut werden muss; bei Vermisstensuchen, wenn die Angehörigen in Angst sind. Aber zumeist sind die Notfallseelsorger gefordert, wenn es gilt gemeinsam mit der Polizei Todesnachrichten – etwa nach Unfällen – zu überbringen. Wenn die Beamten gehen, bleiben die Notfallseesorger bei den Angehörigen zurück. 111 Einsätze hatten die 44 Notfallseelsorger im vergangenen Jahr im ganzen Kreis Biberach, 30 davon in der Region zwischen Riedlingen und Bad Schussenried.

Da muss schon eine persönliche Nähe zur Aufgabe in der Notfallseelsorge gegeben sein. Denn Notfallseelsorger haben mindestens über Tage, häufig auch eine ganze Woche, Bereitschaftsdienst. Dann müssen sie sich in der Zeit immer in der Region aufhalten, für den Einsatzfall. Aber die Notfallseelsorger müssen auch bereit sein, im Trauerfall dazu sein; seelischen Schmerz von Betroffenen auszuhalten. Dafür brauchen sie Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit zum Zuhören, aber auch eine physische und vor allem eine psychische Belastbarkeit.

Diejenigen, die sich für diesen Dienst interessieren, werden auf die Aufgabe vorbereitet. Am Anfang steht ein Aufnahmegespräch, in dem auch die Motivation für das Ehrenamt abgeklopft wird. Oft sind es eigene Verlusterfahrungen, die Menschen antreiben, dies zu tun. Sie erhalten Fortbildungen und Supervision, können bei Polizei und DRK hospitieren. Doch eine finanzielle Entschädigung gibt es nicht. Die Ehrenamtlichen erhalten Fahrgeld, mehr nicht.

2002 wurde die Notfallseelsorge im Kreis Biberach gegründet. Inzwischen ist der Dienst in der Rettungskette nicht mehr wegzudenken. „Die Wertschätzung von Polizei, DRK und Feuerwehr ist da; sie sind froh, dass es uns gibt“, sagt Kerstin Leitschuh.

Wer Interesse hat in der Notfallseelsorge tätig zu sein, kann sich bei der Geschäftsstelle des Dekanatsverbands in Biberach melden, Telefon: 07351 182130 oder per E-Mail: dekanat.biberach@drs.de. Weitere Infos zur Notfallseelsorge gibt es im Internet unter:

www.notfallseelsorge-bc.de.

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